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1.2 Bildung im europäischen Vergleich

In den vergangenen 30 Jahren erreichten die Jugendlichen überall in Europa ein höheres Bildungsniveau als ihre Eltern und Großeltern. Darüber hinaus haben sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim höchsten erlangten Bildungsgrad in der gesamten Europäischen Union verringert. Frauen sind im Hinblick auf den Zugang zum Studium nicht mehr benachteiligt. Sie verschaffen sich günstige Voraussetzungen, um in den europäischen Wissensgesellschaften mitzuhalten. In der jüngeren Generation haben die europäischen Frauen die Männer diesbezüglich sogar überholt (Europäische Gemeinschaften 2004: 73 f.).

Für einen geschlechtsspezifischen Bildungsvergleich in Europa werden im Folgenden die Frauenanteile bei den Studierenden im Tertiärbereich herangezogen, da dieser Indikator eine relativ gute Vergleichbarkeit sichert. Bildungsabschlüsse des Sekundarbereichs II sind auf Grund der stark divergierenden schulischen und beruflichen Bildungswege in Europa z.B. kaum zu vergleichen. In der Europäischen Union studieren inzwischen durchschnittlich mehr Frauen als Männer (EU der 15: Frauenanteil: 53 %) (Abbildung 1.1). In Deutschland ist der Frauenanteil unter den Studierenden mit 49,5 Prozent gemeinsam mit Zypern am niedrigsten von allen EU-Ländern. Besonders hohe Frauenanteile an den Studierenden verzeichnen die neuen EU-Länder Litauen (60 %), Estland (61,5 %) und Lettland (62 %). Die meisten weiblichen Studierenden finden sich europaweit in Island (64 %).

Abbildung 1.1: Frauenanteile bei den Studierenden im Tertiärbereich1 in Europa 2003 (in %)

1 Der Indikator stellt den prozentualen Anteil der Frauen an den Studierenden im Tertiärbereich für alle Bildungsbereiche dar.
Anmerkungen:
Die verwendeten Bildungsstufen und Fachrichtungen beziehen sich auf die 1999er-Ausgabe der Internationalen Standardklassifikation für das Bildungswesen (ISCED 97) und das Eurostat-Handbuch der Ausbildungsfelder (1999). Für Deutschland und Slowenien fehlen die Angaben zu ISCED 6; in Luxemburg und Zypern studieren die meisten Studierenden im Ausland und sind in den Zahlen nicht aufgenommen; für Belgien ohne unabhängige private Einrichtungen.
Die Türkei, Island und Norwegen gehören nicht der EU an; sie wurden aus Vergleichsgründen hinzugefügt.
Die Länder sind nach dem Geschlechterproporz geordnet.
Lesehilfe: Lettland ist in der EU das Land mit dem höchsten Frauenanteil bei den Studierenden im Tertiärbereich, Deutschland und Zypern sind in der EU die Länder mit dem geringsten Frauenanteil bei den Studierenden.
Quelle: Eurostat 2005

In Abbildung 1.1 ist zu sehen, dass der Frauenanteil unter den Studierenden europaweit inzwischen über 50 Prozent liegt. Es gibt allerdings Studienfächer, in denen Frauen in vielen Ländern noch deutlich unterrepräsentiert sind (Kapitel 1.7.2).

Abbildung 1.2: Frauenanteile bei den Studierenden der Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik1 in Europa 20032 (in %)

1 Der Indikator stellt den prozentualen Anteil der Frauen an den Studierenden der Fachrichtungen Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik dar.
2 Für Frankreich und Luxemburg sind keine Werte verfügbar, der Wert für Griechenland stammt aus dem Jahr 2002. Die Türkei, Island und Norwegen gehören nicht der EU an; sie wurden
aus Vergleichsgründen hinzugefügt.
Anmerkungen:
Die verwendeten Bildungsstufen und Fachrichtungen beziehen sich auf die 1999er-Ausgabe der Internationalen Standardklassifikation für das Bildungswesen (ISCED 97) und das Eurostat-Handbuch der Ausbildungsfelder (1999). Für Deutschland und Slowenien fehlen die Angaben zu ISCED 6; in Luxemburg und Zypern studieren die meisten Studierenden im Ausland und sind in den Zahlen nicht aufgenommen; für Belgien ohne unabhängige private Einrichtungen.
Die Länder sind nach dem Geschlechterproporz geordnet.
Lesehilfe: Portugal hat unter den EU-Ländern den höchsten Frauenanteil bei den Studierenden der Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik, die Niederlande haben den geringsten.
Quelle: Eurostat 2005

In der EU der 15 betrug der Frauenanteil unter den Studierenden der Naturwissenschaften, der Mathematik und Informatik im Jahr 2003 37 Prozent; verglichen mit dem Jahr 2000 (39 %) ist er sogar leicht rückläufig; in keinem EU-Land lag er über 50 Prozent. Eine beinahe paritätische Beteiligung erreichten die Studentinnen einzig in Italien und Portugal. Deutschland lag mit 33 Prozent unter dem Durchschnitt der 15 alten EU-Länder; hier erhöhte sich der Frauenanteil in den naturwissenschaftlichen Fächern in den drei Jahren von 2000 bis 2003 um 0,8 Prozent.

Nach wie vor sind einige Naturwissenschaften - vor allem Physik und Informatik - trotz Werbung, die für Frauen in technischen Berufen gemacht wurde, also eine Domäne der männlichen Studierenden. Im Bereich Jura/BWL erhöhten Studentinnen ihre Anteile dagegen in den vergangenen Jahren deutlich.

Noch geringer als in vielen naturwissenschaftlichen Fächern ist der Frauenanteil in den Ingenieurwissenschaften und den Studiengängen der Fertigungstechnik und des Bauwesens. In diesen Fächern beträgt er für die EU der 15 nur 23 Prozent (Abbildung 1.3).




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