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Fr 02.11.2007

SINUS-Milieustudie "Lebenswelten von Migranten" vorgestellt

Mit der SINUS-Milieustudie "Lebenswelten von Migranten", die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Nationalen Integrationsplan-Prozesses in Auftrag gegeben und am 16. Oktober 2007 öffentlich vorgestellt hat, ist eine wichtige Grundlage in der Integrationsforschung geschaffen worden: Fünf der acht Migrantenmilieus stehen der Integration in die Aufnahmegesellschaft positiv gegenüber, so ein wichtiges Ergebnis, nur drei der acht Milieus sind eher zögerlich oder ablehnend. In Bezug auf Geschlechterleitbilder zeigt sich allerdings ein weniger aufgeschlossenes Bild: In fünf der acht Milieus dominieren tradierte Rollenvorstellungen und wird Gleichstellung eher skeptisch betrachtet.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat sich im Rahmen des Nationalen Integrationsplanes verpflichtet, eine Studie auf den Weg zu bringen, die das Bild über die Migranten und Migrantinnen in Deutschland erhellt. Mitauftraggeber waren die Malteser Werke GmbH, die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, die Landeshauptstadt München, der Südwestrundfunk und der Bundesverband für Wohneigentum und Stadtentwicklung e.V.

Obwohl nahezu 20 Prozent der in Deutschland Wohnenden einen Migrationshintergrund haben, ist wenig über diese Bevölkerungsgruppe bekannt.

  • Wie leben Migrantinnen und Migranten in Deutschland?
  • Wieweit sind sie in die Gesellschaft integriert und wie sieht ihr Alltag aus?
  • Welche Lebensziele verfolgen sie?
  • Welche Geschlechterrollen und Leitbilder haben sie und wie beeinflussen diese ihr Leben und das ihrer Kinder?
  • Welche Wertvorstellungen haben sie und in welchem Umfang decken sich ihre Orientierungen und Werte mit denen der deutschen Bevölkerung?

Es ist weltweit erstmals gelungen, so genannte 'Sinus-Migrantenmilieus' zu entwickeln.

Die von SINUS-Sociovision entwickelten Migrantenmilieus zeigen ein facettenreiches Bild der Migrantenpopulation in Deutschland und widerlegen viele bestehende Klischees. Die Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sind - anders als oft in der Öffentlichkeit wahrgenommen - keine soziokulturell homogene Gruppe. Vielmehr zeigt sich eine vielfältige und differenzierte Milieulandschaft. Insgesamt acht Migranten-Milieus mit jeweils ganz unterschiedlichen Lebensauffassungen und Lebensweisen konnten identifiziert werden.

Wertvorstellungen wichtiger als Herkunft

Die Migranten-Milieus unterscheiden sich weniger in ethnischer Herkunft und sozialer Lage als in ihren Wertvorstellungen, Lebensstilen und ästhetischen Vorlieben. Dabei finden sich gemeinsame lebensweltliche Muster bei Migranten aus unterschiedlichen Herkunftskulturen. Mit anderen Worten: Menschen des gleichen Milieus mit unterschiedlichem Migrationshintergrund verbindet mehr miteinander als mit dem Rest ihrer Landsleute aus anderen Milieus. Faktoren wie ethnische Zugehörigkeit, Religion und Zuwanderungsgeschichte beeinflussen die Alltagskultur, sind letzten Endes aber nicht milieuprägend und identitätsstiftend.

Der Einfluss religiöser Traditionen auf das Leben und die Integration in Deutschland wird nach Einschätzung der Studie erheblich überschätzt. Der Integrationsgrad ist insbesondere bildungs- und herkunftsabhängig: Je höher das Bildungsniveau und je urbaner die Herkunftsregion, desto leichter und besser gelingt eine Integration in die Aufnahmegesellschaft.

Gleiches gilt auch für die Einstellung zur Gleichstellung der Geschlechter bei Migrantinnen und Migranten. Für alle acht Migranten-Milieus liegen die Rollenbilder von Frauen und Männern vor, und es ist SINUS Sociovision gelungen, einen 'Wendekreis der Gleichstellung' herauszuarbeiten.

Die Milieus, in denen Gleichberechtigung als gesellschaftlicher Wert Fuß gefasst hat, decken sich teilweise mit den Milieus der deutschen Gesellschaft, in denen die Gleichberechtigung verankert ist. Das heißt, es handelt sich auch hier um gut ausgebildete Migrantinnen und Migranten. Deutlich wird aber auch, dass in dem überwiegenden Teil der Migranten-Milieus traditionelle Rollenbilder vorherrschen.