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4.7.2 Scheidungsfolgen
Immer mehr Frauen und Männer sind im Verlauf ihres Lebens von einer Scheidung betroffen. Nach traditionellem Rollenverständnis und der vielfach gelebten Realität der hauptsächlich auf dem Einkommen des Ehemanns basierenden Ehen mit einem "Hauptverdiener" ist zu vermuten, dass Frauen weit stärker die ökonomischen Folgen einer Scheidung spüren als Männer, wobei auch Männer finanzielle Einbußen hinzunehmen haben (Tabelle 4.16). Auf Grund der gängigen Praxis, nach der Frauen zu einem wesentlich höheren Prozentsatz das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen bekommen bzw. bei gemeinsamem Sorgerecht der mütterliche Haushalt Hauptwohnsitz der Kinder ist, bestehen die für die Väter schwerwiegenderen Folgen einer Scheidung darin, ihre Kinder seltener zu sehen und sogar zu riskieren, den Kontakt zu ihnen zu verlieren.[126]
Für eine Beantwortung der Frage, ob Frauen stärker unter den ökonomischen Folgen einer Scheidung zu leiden haben als Männer, liegen mit der 2003 erschienenen Studie "Wenn aus Liebe rote Zahlen werden" aktuelle Zahlen vor. Die Analysen basieren auf Datensätzen aus den Jahren 1984 bis 1999 des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Zusätzlich wurde zur Jahreswende 2000/2001 eine Stichprobe von 1.519 Geschiedenen zu den "wirtschaftlichen Folgen von Trennung und Scheidung" (genannt WTS-Erhebung) befragt (BMFSFJ 2003b: 29).
Männer wie Frauen erleiden durch eine Trennung bzw. Scheidung einen Einkommensverlust (Tabelle 4.16). Frauen haben jedoch deutlich stärkere Einkommenseinbußen im Vergleich zu Männern. Insbesondere die Betrachtung der bedarfsgewichteten Pro-Kopf-Einkommen zeigt, dass ein größerer Teil der Frauen nach einer Trennung beträchtlich schlechter gestellt ist als Männer. Die Hälfte der Frauen muss ein Jahr nach der Trennung beim bedarfsgewichteten Pro-Kopf-Einkommen einen Einkommensverlust von 27 Prozent und mehr hinnehmen, während diese Ziffer bei Männern nur 4 Prozent beträgt.
Tabelle 4.16: Veränderung der Jahreshaushaltsnettoeinkommen bei Frauen und Männern nach der Trennung in Deutschland (insgesamt und pro Kopf)
1 Basis ist das Jahreseinkommen, das dem jeweiligen Haushalt zwei Jahre vor und ein Jahr nach der Trennung zur Verfügung steht, d.h. die Summe aller Einkommen der Haushaltsmitglieder nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben sowie nach Empfang bzw. Ableistung von privaten und staatlichen Transferleistungen (inkl. Unterhaltszahlungen). Bei der Berechnung der Pro-Kopf-Einkommen wird (näherungsweise) die erste Person im Haushalt mit einem Gewicht von 1 berücksichtigt, alle weiteren Erwachsenen mit einem Gewicht von 0,5 und Kinder mit einem Gewicht von 0,3.
2 prozentuale Veränderung des Einkommens zwischen den beiden Zeitpunkten zwei Jahre vor der Trennung und ein Jahr nach der Trennung
3 Die Hälfte der jeweiligen Personen verfügt maximal über den genannten Einkommensbetrag (Lesebeispiel: 50 Prozent der Männer verfügen ein Jahr nach der Trennung über ein Jahreshaushaltsnettoeinkommen von max. 34.706 DM).
4 Die Hälfte der jeweiligen Personen erfährt Einkommensverluste, die mindestens den genannten Veränderungen entsprechen (Lesebeispiel: 50 Prozent der Männer erfahren Einkommensverluste von 33 und mehr Prozent).
Datenbasis: SOEP; alle verheirateten Personen, die sich 1984-1999 trennten
Quelle: BMFSFJ 2003b: 9
Einen weiteren Aspekt der ökonomischen Schlechterstellung von Frauen nach einer Trennung weist die folgende Tabelle aus. In ihr spiegelt sich die Tatsache, dass Frauen nach einer Trennung weit häufiger mit Kindern im Haushalt leben als Männer. Daher sind in Gesamtdeutschland auch 76 Prozent der Frauen in der Trennungszeit für sich und 95 Prozent für ihre Kinder unterhaltsberechtigt, Männer dagegen nur zu 13 Prozent für sich selbst sowie 23 Prozent für Kinder unterhaltsberechtigt. Auch wenn die unterhaltsberechtigten Männer zu einem höheren Prozentsatz den ihnen zustehenden Trennungsunterhalt nicht ausgezahlt bekommen, ist die Nichtauszahlung des Unterhalts auf Grund der weit höheren Zahl der Berechtigten für die Frauen das weit schwerwiegendere Problem.
Tabelle 4.17: Zahlung von Kindes- und Trennungsunterhalt aus Sicht der unterhaltsberechtigten Frauen und Männer in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland (Spaltenprozent)
1 Zahlungen, die unregelmäßig und/oder nicht in der vereinbarten Höhe erfolgen
Datenbasis: Repräsentativbefragung Geschiedener 2000/01
Quelle: Andreß 2004: 4
Es muss also konstatiert werden, dass Frauen im Allgemeinen mit den größeren finanziellen Nachteilen bei einer Scheidung rechnen müssen. Während Frauen nach der aktuellen Datenlage stärker als Männer unter den ökonomischen Folgen von Trennungen und Scheidungen zu leiden haben, ist es für Männer schwieriger, nach einer Trennung oder Scheidung weiter den Kontakt zu ihren Kindern zu halten, da der Lebensmittelpunkt der meisten Kinder bei der Mutter ist. Wie aus der Tatsache hervorgeht, dass 85 Prozent der allein Erziehenden Frauen sind, hat auch die Einführung des gemeinsamen Sorgerechts 1998 dies nicht grundlegend geändert.


