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3.5 Bedeutung von Berufsunterbrechungen

Dass die Einkommen von Arbeitnehmerinnen im Westen (nicht im Osten) etwa ab dem 30. Lebensjahr immer weiter hinter den Einkommen von Männern zurückbleiben (Abbildung 3.17) lässt schon vermuten, dass auch familienbedingte Berufsunterbrechungen und/oder
-einschränkungen eine wichtige Ursache für die ungleichen Einkommen von Frauen und Männern sind. Unterschiedliche Studien belegen tatsächlich, dass diese Unterbrechungen nicht nur für die Zeit des Berufsausstiegs einen akuten Einkommensverlust mit sich bringen, sondern auch langfristig das Einkommenspotenzial der wieder Beschäftigten einschränken. Wie Kapitel 5 zeigt, nehmen bisher in der Regel Mütter und nur selten Väter diese Einbußen in Kauf (Kapitel 5.7).

Die Relevanz der familienbedingten Erwerbsunterbrechungen für die Einkommensentwicklung von Beschäftigten lässt sich sehr gut aufzeigen, wenn man den Einkommensverlauf bei Frauen mit Kind(ern) mit dem bei Frauen ohne Kinder vergleicht. Solche Analysen haben auch im internationalen Rahmen gezeigt, dass sich die Verdienste kinderloser Frauen deutlich günstiger entwickeln als die von Müttern (Waldvogel 1997; Budig/England 2001). Die Studien belegen, dass die kulturell verankerte Zuständigkeit für Familienarbeit die Einkommensentwicklung von Frauen ganz erheblich beeinträchtigt.

Studien von Ruhm (1998) und Stier u.a. (2001) haben im Rahmen eines internationalen Vergleichs deutlich gemacht, dass die Lohneinbußen von Frauen in jenen Ländern besonders groß sind, in denen gesetzliche Ansprüche auf lange Phasen von Erziehungsurlaub bestehen. Im europäischen Vergleich fallen die Lohneinbußen in den Ländern deutlich geringer aus, in denen Frauen nach einem Mutterschaftsurlaub relativ bald (spätestens nach einem Jahr) wieder in ihren Beruf zurückkehren und der Staat - wie beispielsweise Schweden - durch seine Familienpolitik die Berufstätigkeit von Frauen aktiv fördert. Im Gegensatz dazu kommt es in Staaten wie der Bundesrepublik, in der viele Frauen ihre Erwerbstätigkeit zur Betreuung von Kindern bis zum Schuleintritt reduzieren oder unterbrechen und erst vergleichsweise spät wieder auf den Arbeitsmarkt zurückkehren, zu deutlicheren Einkommenseinbußen für Mütter. Ruhm errechnet allein für eine Elternzeit von zehn Monaten einen Lohnverlust von 4 Prozent (ebd.: 218).

Beblo und Wolf kommen nach einer Analyse von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zu dem Schluss, dass in Westdeutschland schon eine einjährige Erwerbspause die künftigen Erwerbschancen ganz erheblich beeinträchtigt. Sie machen auf die möglicherweise rasche Entwertung vorhandener beruflicher Qualifikationen und das vielfache Fehlen von Weiterbildung in der Nichterwerbsphase aufmerksam (Beblo/Wolf 2002). Sie folgern aus ihrer Analyse der Einkommensentwicklung von Frauen in Westdeutschland, die im Jahr 1998 zwischen 30 und 55 Jahre alt waren und mindestens einen Fachhochschulabschluss hatten, dass nicht nur die Länge der Erwerbsunterbrechung, sondern auch deren zeitliche Lage in der Erwerbsbiografie von großer Bedeutung ist (ebd.: 91). Je später die Unterbrechung erfolgt, desto mehr Humankapital steht in der Gefahr, verloren zu gehen. Das seit Jahrzehnten beobachtbare Hinausschieben von Familiengründungen (Kapitel 4, Abbildung 4.9) bewirkt deshalb zusätzliche Lohneinbußen von Müttern (ebd.: 92). Die negativen Einkommenseffekte von Berufsunterbrechungen fallen nach Schätzungen von Beblo und Wolf geringer aus, wenn Frauen ihre Erwerbsarbeit nur kurz unterbrechen und bald zumindest eine Teilzeitbeschäftigung aufnehmen und so mit dem Arbeitsmarkt in Verbindung bleiben (ebd.: 92).

Auch Berechnungen von Ziefle mit den Daten des Sozio-oekonomischen Panels von 1984 bis 1999 zeigen den negativen Einfluss familienbedingter Erwerbsunterbrechungen auf den weiteren Einkommensverlauf von Frauen. Ziefle findet diese Einkommensnachteile von Müttern in Deutschland allerdings nicht unmittelbar beim Wiedereinstieg in den Beruf, sondern mittel- und langfristig (Ziefle 2004). Als Ursachen für die mittel- und langfristigen Folgen der Erwerbsunterbrechungen zieht Ziefle ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren in Erwägung. So kann zum Verlust von arbeitsplatzrelevantem Wissen ein Wechsel von Müttern auf weniger anspruchsvolle und weniger ausbaufähige Stellen treten, auch weil der Arbeitgeber die Erwerbsunterbrechung als Signal für eine geringe Erwerbsorientierung wertet und sich die Erwerbsorientierung der Frauen nach der Geburt evtl. tatsächlich ändert (Ziefle 2004: 217). Die Erwartungen von Arbeitnehmerinnen mit Kindern und die von Arbeitgebern können sich wechselseitig beeinflussen. Durch Weiterbildung weniger gefördert, könnten Mütter an Arbeitsmotivation verlieren. Solche Spirale vor Augen, könnten Arbeitgeber Frauen weniger Entwicklungsmöglichkeiten bieten, allein auf Grund der Möglichkeit, dass sie Kinder bekommen und diese dann eine gewisse Zeit selbst betreuen könnten (Ziefle 2004: 229).

Ziefle zeigt, dass Mütter, die nach dem Erziehungsurlaub zu ihrem Arbeitgeber zurückkehren konnten, im Vergleich zu Müttern, die den Arbeitgeber wechselten, einen um 4,4 Prozent erhöhten Reallohn erhielten. Dies spricht für die 1992 eingeführte Arbeitsplatzgarantie in der Elternzeitregelung, die die Rückkehr zum alten Arbeitgeber stützt. Diese Rückkehr zum alten Arbeitgeber hat in der Auswertung von Ziefle allerdings nur einen kurzzeitig positiven Effekt auf das Einkommen von Frauen. Unabhängig davon, ob Frauen zu ihrem früheren Arbeitgeber zurückkehren können oder nicht, sind sie nämlich nach der Elternzeit nicht mehr in der Lage, ähnliche Einkommen zu erzielen wie Frauen ohne Erwerbsunterbrechung bzw. ohne Kind. Ziefle konnte feststellen, dass jedes Kind zu einem Reallohnverlust von 1,3 Prozent und die Inanspruchnahme von Elternzeit zu einem zusätzlichen Lohnverlust von 0,4 Prozent für jeden weiteren Monat führt (ebd.: 223). Wenn die Frauen nach der Elternzeit nicht direkt in den Arbeitsmarkt zurückkehren, dann führt jedes weitere Jahr der Nichterwerbstätigkeit zu einem weiteren Lohnverlust von 1,3 Prozent (ebd.: 224). Familienbedingte Berufsunterbrechungen sind somit ein wichtiger Aspekt zur Erklärung der Einkommensungleichheit zwischen den Geschlechtern (ebd.: 226 ff.).




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