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3.4.7 Staatsangehörigkeit
Die in Deutschland abhängig Beschäftigten mit ausländischem Pass haben im Durchschnitt geringere Einkommen als die deutschen abhängig Beschäftigten. So zeigt die Gehalts- und Lohnstrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes zum Beispiel, dass türkische Vollzeitbeschäftigte in Deutschland im Jahr 2001 81 Prozent und jugoslawische 74 Prozent des Einkommens der angestammten deutschen Bevölkerung erzielten. Auch die deutschstämmigen Aussiedlerinnen und Aussiedler kamen nur auf 74 Prozent. Die in Deutschland beschäftigten EU-Bürgerinnen und -Bürger erhielten zusammen betrachtet 2001 hingegen 103 Prozent des Einkommens der angestammten Bevölkerung (Statistisches Bundesamt 2004i: 581, Tabelle 3). Auch die Daten des BA-Beschäftigtenpanels belegen, dass es große Unterschiede zwischen den Durchschnittseinkommen Beschäftigter unterschiedlicher Nationalität gibt. Während Beschäftigte aus Skandinavien, Großbritannien, Irland, Österreich und den Beneluxstaaten durchschnittlich mehr verdienen als deutsche Beschäftigte, verdienen viele Migrantengruppen in Deutschland weniger als die deutschen Beschäftigten (Tabelle A 3.14).
Ein Vergleich der aktuellen Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern unterschiedlicher Nationalitäten mit Hilfe des BA-Beschäftigtenpanels belegt, dass nicht nur die Durchschnittseinkommen verschiedener Nationalitätengruppen sehr unterschiedlich sind, sondern dass auch die geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen stark variieren (Tabelle A 3.14 und Tabelle 3.5).
Tabelle 3.5: Bruttojahresverdienste1 von abhängig beschäftigten Frauen und Männern (Vollzeit) nach Staatsangehörigkeit in Deutschland 2002
1 Hochgerechnetes sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt auf Basis der quartalsweise erhobenen sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne Auszubildende, Praktikantinnen bzw. Praktikanten, Werkstudentinnen bzw. -studenten, Beschäftigte in Altersteilzeit und geringfügig Entlohnte. Staatenlose Bürgerinnen und Bürger sowie Bürgerinnen und Bürger mit ungeklärter außereuropäischer Staatsangehörigkeit bleiben unberücksichtigt.
2 Bürgerinnen und Bürger aus den osteuropäischen Transformationsländern plus Schweiz, Andorra, Liechtenstein, Monaco, Malta, San Marino, Zypern, Vatikanstaat, britisch abhängige Gebiete, Europa ungeklärt
3 Bürgerinnen und Bürger von den Kontinenten Asien (ohne Türkei), Afrika, Amerika, Australien
Datenbasis: BA-Beschäftigtenpanel
Quelle: BA-Beschäftigtenpanel; eigene Berechnungen
Die Einkommen von Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit kommen den entsprechenden Männereinkommen in Deutschland keineswegs am nächsten. Die Verdienste anderer EU-Bürgerinnen, die in der Bundesrepublik beschäftigt sind, reichen zum Beispiel mit 80 Prozent des Männereinkommens im Durchschnitt eher an die Verdienste der Männer aus der gleichen Migrationspopulation heran (Tabelle 3.5). Die türkischen Frauen erreichen dagegen nur 73 Prozent des Gehalts von Türken in Deutschland. Türkinnen verdienen auch im Vergleich zu anderen Gruppen von Frauen in Deutschland sehr wenig (nur 79 Prozent des Durchschnittsverdienstes deutscher Frauen). Die Jugoslawinnen erzielen dagegen nach den Daten des BA-Beschäftigtenpanels 2003 92 Prozent des Durchschnittsverdienstes deutscher Frauen und reichen damit viel eher an das Einkommensniveau der deutschen weiblichen Beschäftigten heran. Die Österreicherinnen erzielen 116 Prozent der Verdienste deutscher Frauen und übersteigen die Durchschnittseinkommen deutscher Frauen (Tabelle 3.5 und Tabelle A 3.14).
Generell liegen die Einkommen ausländischer weiblicher Beschäftigter in Deutschland stets unter den Einkommen männlicher Beschäftigter gleicher Nationalität. Dies lässt sich für eine Vielzahl von Nationalitätengruppen belegen (Tabelle A 3.14). Dabei variieren die Einkommensanteile, die die weiblichen Beschäftigten erreichen, stark: Während Österreicherinnen in Deutschland zum Beispiel nur 76 Prozent des Einkommens von Österreichern erziehen, verdienen Frauen aus den Beneluxstaaten 80 Prozent des Durchschnittsgehalts von Männern gleicher Herkunft und französische Frauen erreichen 84 Prozent des Gehalts französischer Männer in Deutschland (Tabelle A 3.14).
Von einer generellen Schlechterstellung ausländischer Frauen und Männer gegenüber deutschen kann man nicht sprechen. Die in Deutschland beschäftigten Österreicherinnen und Österreicher verdienen zum Beispiel deutlich mehr als deutsche Beschäftigte, während andere Beschäftigtengruppen mit fremder Staatsangehörigkeit deutlich weniger verdienen (Tabelle 3.5). Die Ursachen der ungleichen Bezahlung deutscher und nicht-deutscher Beschäftigter können hier nicht näher beleuchtet werden. Es ist anzunehmen, dass der jeweils erreichte Bildungs- und Ausbildungsstand sowie dessen Anerkennung und Verwertbarkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt, ebenso aber auch die Beherrschung der deutschen Sprache eine große Rolle spielen.
Die Angleichung der Einkommensunterschiede zwischen Migrantinnen und Migranten ist bei unterschiedlichen Nationalitätengruppen unterschiedlich weit vorangeschritten. Die Ursachen hierfür sind sicherlich vielfältig. Eine Ursache dürften ethniespezifische geschlechtsspezifische Ressourcen (Ausbildungsstand) sein. In ihren Herkunftsländern haben ältere Migrantinnen oft eine schlechtere oder hier weniger verwertbare Ausbildung als Migranten gehabt. Dass sich in der jetzt hier heranwachsenden jungen Generation mit nicht-deutschem Pass oft junge Frauen als die qualifizierteren erweisen, wird sich erst langfristig auf die Durchschnittseinkommen von Migrantinnen auswirken. Nicht-deutsche Frauen sind vermutlich wie die deutschen von der schlechteren Bezahlung in Frauenbranchen, in kleineren Betrieben und bei geringeren Betriebszugehörigkeiten betroffen.


