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3.4.6 Dauer der Unternehmenszugehörigkeit

Die Dauer der Betriebszugehörigkeit hat - biografisch langfristiger noch als das Alter - einen Einfluss auf die Höhe des Einkommens von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. In der Regel steigen mit Dauer der Betriebszugehörigkeit die Löhne und Gehälter (Tabelle A 3.13).  

Da die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit im BA-Beschäftigtenpanel nicht erfasst ist, wird für die folgende Betrachtung auf Daten der Gehalts- und Lohnstrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes zurückgegriffen, die allerdings nur ausgewählte Branchen berücksichtigt. Dieses Verfahren wurde auch in dem Bericht der Bundesregierung zur Berufs- und Einkommenssituation von Frauen und Männern genutzt (Deutscher Bundestag 2002a).

Vollzeitbeschäftigte Frauen haben in der Regel kürzere Betriebszugehörigkeiten als Männer. Als Folge der familienbedingten Erwerbsunterbrechung trifft dies erwartungsgemäß wieder ganz besonders auf Frauen in Westdeutschland zu. Während sie dort zum Beispiel 28 Prozent der Beschäftigten mit ein bis zwei Betriebsjahren stellen, machen sie unter denjenigen mit 31 und mehr Jahren Unternehmenszugehörigkeit nur 14 Prozent aus. In den ostdeutschen Betrieben ist der Frauenanteil unter den Beschäftigten mit ein bis zwei Betriebsjahren ebenso hoch wie im Westen (28 %), bei den Vollzeitbeschäftigten mit 31 und mehr Jahren stellen Frauen aber immer noch 24 Prozent (Tabelle A 3.13). Dass die Dauer der Betriebszugehörigkeiten von Frauen und Männern im Osten weniger differiert als im Westen liegt nicht daran, dass Frauen in Ostdeutschland längere Betriebszugehörigkeiten aufweisen als Frauen in Westdeutschland, sondern daran, dass die Männer im Osten häufiger als die Männer im Westen den Betrieb wechselten (bzw. wechseln mussten) (Tabelle A 3.13). Die unterschiedlich lange Betriebszugehörigkeit von Frauen und Männern im Westen kann jedenfalls zur Erklärung der Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern in diesem Landesteil beitragen.

Wie zu erwarten war, sind insbesondere die Einkünfte von Frauen im Westen auch dann deutlich geringer als die von Männern, wenn sie ihrem Betrieb ähnlich lang angehören (Abbildung 3.19). Dies zeigt, dass auch die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit nur eine untergeordnete Rolle bei der Erklärung der Einkommensungleichheit in Westdeutschland spielen kann.

Abbildung 3.19: Anteil der Fraueneinkommen an den Männereinkommen (Vollzeit) nach der Dauer der Unternehmenszugehörigkeit in Jahren in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 2001 (in %)

Anmerkung: Vollbeschäftigte im Produzierenden Gewerbe, Handel, Gastgewerbe, Verkehr und in der Nachrichtenübermittlung, im Kredit- und Versicherungsgewerbe sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen, in der Vermietung beweglicher Sachen und Erbringung von Dienstleistung überwiegend für Unternehmen. Ostdeutschland einschl. Berlin-Ost und Westdeutschland einschl. West-Berlin
Datenbasis: Gehalts- und Lohnstrukturerhebung 2001
Quelle: Statistisches Bundesamt 2003k; eigene Berechnungen

In Westdeutschland liegen die Einkommen von Frauen weitgehend unabhängig von der Betriebszugehörigkeit bei 80 Prozent der Einkommensbeträge von Männern. In Ostdeutschland zeigt sich hingegen, dass die Einkommen von Frauen mit langen Betriebszugehörigkeiten (Zugehörigkeiten von über zehn Jahren) denen der Männer mit gleich langen Betriebszugehörigkeiten sehr viel näher kommen als die der Frauen mit kürzerer Betriebszugehörigkeitsdauer (Abbildung 3.19). Es könnte sein, dass diese für Frauen mit langen Betriebszugehörigkeiten in Ostdeutschland so relativ günstige Konstellation ein Relikt aus DDR-Zeiten ist. Dort, wo die Frauen ihre alten Betriebe verlassen mussten und dort, wo junge Frauen nachrückten, so legt es Abbildung 3.19 nahe, sind auch im Osten die Verdienstrelationen für Frauen nicht mehr viel günstiger als im Westen.

Im Vergleich zu den Daten der Gehalts- und Lohnstrukturerhebung von 1995 sind die Verdienstrelationen für Frauen in Ost- und in Westdeutschland fast durchweg etwas günstiger geworden. Dies gilt allerdings nicht für die ostdeutschen Frauen mit einer Betriebszugehörigkeit zwischen drei und zehn Jahren (Abbildung 3.20).

Abbildung 3.20: Anteil der Fraueneinkommen an den Männereinkommen (Vollzeit) nach Dauer der Unternehmenszugehörigkeit in West- und Ostdeutschland 1995 und 2001 (in %)

Datenbasis: Gehalts- und Lohnstrukturerhebung 2001
Quellen: Deutscher Bundestag 2002a: 118; Statistisches Bundesamt 2003k; eigene Berechungen

Bei den Einstiegsgehältern hat sich der Anteil der Fraueneinkommen an den durchschnittlichen Männereinkommen in Westdeutschland ganz auffällig von 77 Prozent im Jahr 1995 auf 82 Prozent verbessert. So groß sind die Verbesserungen in keiner anderen Gruppe in Westdeutschland (Abbildung 3.20). Dies könnte ein Effekt der zunehmenden beruflichen Qualifikation junger Frauen im Westen sein. In Ostdeutschland fallen die besonders günstigen Verdienstrelationen der weiblichen Beschäftigten mit langen Betriebszugehörigkeiten auf. Sie könnten noch die zu DDR-Zeiten üblichen Einkommensrelationen widerspiegeln. Die Neueinsteigerinnen und Nachrückerinnen, so könnte man argumentieren, finden diese günstigen Bedingungen in den ostdeutschen Betrieben nicht mehr vor (Abbildung 3.20). Unter Umständen ist die Verschlechterung der Verdienstrelationen für die weiblichen Beschäftigten mit 3- bis 10-jähriger Betriebszugehörigkeit aber auch auf eine Veränderung weiblicher Erwerbsmuster im Osten zurückzuführen, die wegen längerer Erwerbsunterbrechungen und mehr Teilzeitarbeit mehr Einkommensnachteile als 1995 hinnehmen müssen. Schließlich ist auf die sehr hohe Arbeitslosigkeit über 50-jähriger Frauen in Ostdeutschland hinzuweisen (Kapitel 2, Abbildung 2.31). Deren Folge dürfte sein, dass die weiblichen Beschäftigten mit langen Betriebszugehörigkeiten stark selektiert sind.