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3.4.5 Alter

In Deutschland steigen die Einkommen der abhängig Beschäftigten bis zum 35. Lebensjahr stark mit dem Alter. Dies dürfte zum Teil ein Effekt einer persönlichen Einkommensentwicklung im Lebenslauf sein. Zum Teil aber kommt dieser Zusammenhang auch dadurch zu Stande, dass höher Qualifizierte und damit besser Verdienende erst später in das Erwerbsleben eintreten. Ab dem 40. Lebensjahr stagniert die Einkommensentwicklung (Tabelle A 3.12).

Wie Tabelle A 3.12 zeigt, sind Frauen in Westdeutschland in den unteren, im Allgemeinen schlechter verdienenden Altersgruppen überrepräsentiert, ab dem 35. Lebensjahr aber eher unterrepräsentiert. Allein diese Altersstruktur der weiblichen Beschäftigten hat den Effekt, dass Frauen in Westdeutschland im Durchschnitt weniger verdienen als Männer. In Ostdeutschland sind weibliche Beschäftigte fast auf allen Altersstufen im gleichen Maße präsent. Ihre Altersstruktur bietet ihnen die Voraussetzung, ähnlich hohe Einkommen wie männliche Beschäftigte zu beziehen (Tabelle A 3.12).

Abbildung 3.17 zeigt, dass Frauen und Männer der gleichen Altersgruppe keineswegs das gleiche Durchschnittseinkommen erzielen. Die Einkommen der Frauen sind in der gleichen Altersgruppe stets niedriger als die Einkommen der Männer. Es fällt auf, dass weibliche Vollzeitbeschäftigte im Osten unabhängig vom Alter einen stabilen Anteil von über 90 Prozent am entsprechenden Männereinkommen erzielen. Im Westen sieht dies anders aus: Erzielen 25- bis 29-jährige weibliche Beschäftigte dort zum Beispiel noch 88 Prozent des Einkommens der gleichaltrigen Männer, so erreichen die 55- bis 59-jährigen nur 71 Prozent (Abbildung 3.17).

Abbildung 3.17: Anteil der Fraueneinkommen an den Männereinkommen (Vollzeit)1 nach Altersgruppen in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 2002 (in %)

1 Hochgerechnetes sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt auf Basis der quartalsweise erhobenen sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte. Sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte ohne Auszubildende, Werkstudentinnen bzw. -studenten, Praktikantinnen bzw. Praktikanten, Beschäftigte in Altersteilzeit und geringfügig Entlohnte
2 Standort des Betriebes, Ostdeutschland einschl. Berlin
Datenbasis: BA-Beschäftigtenpanel 2002
Quelle: BA-Beschäftigtenpanel; eigene Berechnungen

Die großen Einkommensunterschiede zwischen älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Westdeutschland zeigen, dass die Altersstruktur der Beschäftigten in diesem Landesteil nur eine sehr unzureichende Erklärung für die niedrigeren Einkommen der Frauen sein kann. Unter den über 35-Jährigen kommt es zu enormen Einkommensunterschieden von Frauen und Männern der gleichen Altersgruppe.

Dass die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern in Westdeutschland mit zunehmendem Alter immer größer werden, kann einerseits ein Effekt der familienbedingten Berufsunterbrechung von Frauen bei phasengleich ungehinderter Karriere von Männern sein. Andererseits ist in Westdeutschland ein Kohorteneffekt zu vermuten, der darin besteht, dass die älteren weiblichen Beschäftigten über ein deutlich niedrigeres Qualifikationsniveau verfügen als die gleichaltrigen Männer und deshalb weniger als die gleichaltrigen Männer verdienen. Gleichzeitig ist nicht auszuschließen, dass vermittelt über traditionelle Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder Leitungspositionen eher Männern als Frauen zugetraut werden (Theobald/Quack/Tienari 2003).

Den älteren weiblichen Beschäftigten in Ostdeutschland dürfte zugute kommen, dass sie ihre Erwerbsarbeit für eine Familienphase nur relativ kurz unterbrachen. Die Einkommensentwicklung verläuft aber auch deshalb in Ostdeutschland weniger geschlechterdifferenziert, weil nach der Wende in den ostdeutschen Bundesländern auch die Erwerbsverläufe von Männern deutlich diskontinuierlicher geworden sind. Bei einer Arbeitslosenquote von über 20 Prozent (Abbildung 2.30) ist auch vielen Männern ein stabiles Einkommen nicht mehr sicher. Bei der Interpretation sind auch die von Hunt beschriebenen Selektionsprozesse in den frühen 90er-Jahren zu bedenken, die im Osten viele ältere weibliche Beschäftigte vom Arbeitsmarkt verdrängten, besonders die niedrig Qualifizierten. Beschäftigt blieben im Osten jene Frauen, die anders als im Westen kaum noch einen Bildungsrückstand gegenüber den Männern aufzuweisen haben (Tabelle A 3.11) (Hunt 2002).

Die unter 20-jährigen bis unter 50-jährigen weiblichen Beschäftigten in den ostdeutschen Ländern erzielen 2002 geringere Einkommensanteile an den ostdeutschen Männereinkommen als noch 1993 und 1997. Unter den jüngeren Beschäftigtengruppen etablieren sich in Ostdeutschland also größere Einkommensdiskrepanzen, die denen im Westen recht ähnlich sind (Abbildung 3.18).

Abbildung 3.18: Anteil der Fraueneinkommen an den Männereinkommen (Vollzeit)1 nach Altersgruppe in West- und Ostdeutschland 1977, 1993, 1997 und 2002 (in %)
1 Für 2002 hochgerechnetes sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt der Frauen bezogen auf das hochgerechnete sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt der Männer. Beides auf Basis der quartalsweise erhobenen sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte ermittelt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne Auszubildende, Werkstudentinnen bzw. -studenten, Praktikantinnen bzw. Praktikanten, Beschäftigte in Altersteilzeit und geringfügig Entlohnte
2 Standort des Betriebes, Ostdeutschland einschl. Berlin
Datenbasis: IAB-Beschäftigtenstichprobe; BA-Beschäftigtenpanel 2002
Quellen: Deutscher Bundestag 2002a: 115, Schaubild 2.11; BA-Beschäftigtenpanel; eigene Berechnungen




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