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3.4.4 Qualifikationsniveau

Generell gibt es einen engen Zusammenhang zwischen dem schulischen bzw. dem beruflichen Qualifikationsniveau und dem auf diesem Niveau erzielten Durchschnittseinkommen. Je höher das Qualifikationsniveau ist, desto höher ist erwartungsgemäß das Einkommen. Dies lässt sich für Ostdeutschland wie für Westdeutschland bei der Betrachtung der Einkommenseffekte von Schul- und Hochschulabschlüssen belegen (Tabelle A 3.11). Heute wird gerne angenommen, dass die überproportionale Verbesserung der schulischen Bildung von Mädchen schon zu einer erheblichen Angleichung des Bildungsniveaus weiblicher und männlicher Beschäftigter geführt haben müsste, entsprechend wird eine weitgehende Angleichung der Verdienste von weiblichen und männlichen Beschäftigten erwartet. Tabelle A 3.11 zeigt dagegen, dass die Angleichung der Bildungsniveaus unter den Beschäftigten zwar in Ostdeutschland weit gediehen, in Westdeutschland aber noch lange nicht erreicht ist. Fachhochschulabschlüsse und universitäre Abschlüsse haben weibliche Vollzeitbeschäftigte in den westdeutschen Ländern nur unterdurchschnittlich häufig aufzuweisen. Diese Abschlüsse sind aber sehr entscheidend für die Höhe des Verdienstes (Tabelle A 3.11).

Ein Teil der Einkommensungleichheit zwischen weiblichen und männlichen Beschäftigten lässt sich also zumindest in Westdeutschland noch immer damit erklären, dass Frauen über Jahrzehnte ein niedrigeres Bildungsniveau mit ins Berufsleben brachten, so dass Arbeitnehmerinnen bis heute im Durchschnitt ein niedrigeres Bildungsniveau als Arbeitsnehmer besitzen. Seit einigen Jahren erst liegt der Frauenanteil unter den Studienanfängerinnen bzw. -anfängern ebenso wie unter den Studienabsolventinnen bzw. -absolventen bei ungefähr 50 Prozent (Tabelle 1.20). Die Effekte eines bei Frauen und Männern vergleichbaren Akademikeranteils sind also auf dem Arbeitsmarkt erst in den nächsten Jahren zu erwarten.

Mit dem weiteren Nachwachsen einer im Vergleich zu gleichaltrigen Männern sehr gut qualifizierten Frauengeneration und bei deren weiter steigender Integration in den Arbeitsmarkt ist damit zu rechnen, dass sich die Einkommen von weiblichen und männlichen Beschäftigten weiter angleichen. Solche Tendenzen sind gegenwärtig im Angestelltenbereich schon zu beobachten (Abbildung 3.9).

 

Bisher ist allerdings zu beobachten, dass männliche Beschäftigte nicht nur qualifizierter sind, sondern dass sie ihr schulisches Qualifikationsniveau offensichtlich auch besser als Frauen in Erwerbseinkommen umsetzen können. Mit gleichem schulischem Bildungsniveau erzielen sie im Durchschnitt höhere Einkommen (Abbildung 3.15). In Ostdeutschland gelingt es Frauen mit mittlerem Schulabschluss mit oder ohne Berufsausbildung sowie denen mit Hochschulabschluss allerdings doch, weit über 90 Prozent des von Männern auf den genannten Qualifikationsniveaus durchschnittlich erreichten Einkommens zu erzielen (Abbildung 3.15).

Abbildung 3.15: Anteil der Fraueneinkommen an den Männereinkommen (Vollzeit)1 nach dem Ausbildungsstand in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 2002 (in %)

1 Hochgerechnetes sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt auf Basis der quartalsweise erhobenen sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte. Sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte ohne Auszubildende, Werkstudentinnen bzw. -studenten, Praktikantinnen bzw. Praktikanten, Beschäftigte in Altersteilzeit und geringfügig Entlohnte
2 Standort des Betriebes, Ostdeutschland einschl. Berlin
Datenbasis: BA-Beschäftigtenpanel 2002
Quelle: BA-Beschäftigtenpanel; eigene Berechnungen

Dass in Deutschland innerhalb mancher Bildungsstufe ein Einkommensabstand von 23 bis 24 Prozentpunkten zwischen den Geschlechtern zu verzeichnen ist, macht deutlich, dass die bisher noch niedrigere formale Bildung von weiblichen Beschäftigten in Westdeutschland die Einkommensunterschiede zwischen weiblichen und männlichen Beschäftigten auch nur zum Teil erklären kann. In den westdeutschen Ländern steigen die Einkommensanteile von weiblichen Beschäftigten seit 1997 auf allen Bildungsniveaus. Speziell die Hochschul- und Universitätsabsolventinnen nähern sich mit 86 Prozent Einkommensanteilen stark an die Einkommen von vergleichbaren männlichen Beschäftigten an (Abbildung 3.16). Auch Frauen mit Fach-/Abitur ohne Berufsausbildung erzielen in den letzten Jahren Verdienste, die mit 82 Prozent deutlich näher noch als 1997 an die Einkommen der gleich qualifizierten Männer heranreichen (Abbildung 3.16). In Ostdeutschland verläuft die Einkommensentwicklung für die Hochschulabsolventinnen in den letzten Jahren noch vorteilhaft, während sich die Abstände zu den Einkommen entsprechender Männergruppen bei anderen Bildungsgruppen eher vergrößern (Abbildung 3.16). Während noch vor einigen Jahren die Einkommensgleichheit zwischen weiblichen und männlichen Beschäftigten auf dem unteren Ausbildungsniveau am weitesten vorangeschritten war, ziehen nun die Akademikerinnen in Ost und West nach (Abbildung 3.16).

Abbildung 3.16: Anteil der Fraueneinkommen an den Männereinkommen (Vollzeit)1 nach dem Bildungsstand in West- und Ostdeutschland 1977, 1993, 1997und 2002 (in %)
1 Für 2002 hochgerechnetes sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt der Frauen auf Basis der quartalsweise erhobenen sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne Auszubildende, Werkstudentinnen bzw. -studenten, Praktikantinnen bzw. Praktikanten, Beschäftigte in Altersteilzeit und geringfügig Entlohnte
2 Standort des Betriebes, Ostdeutschland einschl. Berlin
Datenbasis: IAB-Beschäftigtenstichprobe; BA-Beschäftigtenpanel
Quellen: Deutscher Bundestag 2002a: 113, Schaubild 2.9; BA-Beschäftigtenpanel 2002; eigene Berechnungen




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