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3.4.3 Zugehörigkeit zu unterschiedlich großen Unternehmen
Als Grund für die geringeren Einkünfte von Frauen wird immer wieder auch deren Beschäftigung in eher kleinen und mittleren Unternehmen genannt (Deutscher Bundestag 2002a: 75, Tabelle 1.6). Diese Unternehmen zahlen generell geringere Löhne und Gehälter als größere Unternehmen.
Auch für das Jahr 2002 lässt sich belegen, dass in den kleineren Betrieben im Schnitt deutlich weniger als in den mittleren Betrieben verdient wird und dass in den Großbetrieben die Verdienste sowohl in Westdeutschland als auch in Ostdeutschland am höchsten sind (Tabelle A 3.10). Gleichzeitig zeigt sich, dass in Westdeutschland der Frauenanteil an den Beschäftigten systematisch abnimmt je größer der Betrieb ist. Dies könnte als Diskriminierung von Frauen bei Bewerbungen in Großbetrieben gewertet werden. Es kommt allerdings auch in Betracht, dass Frauen ihre Arbeitsplatzwahl nicht wie Männer optimieren können, da sich die Mobilität von Paaren bisher eher an den Karrierechancen von Männern als an denen von Frauen orientiert (Strengmann-Kuhn/Seel 2003: 13). Die Zugehörigkeit zu eher kleineren Betrieben kann also einen Teil der Einkommensnachteile von Frauen in Westdeutschland erklären. Dies gilt für die Frauen in Ostdeutschland so nicht. In den ostdeutschen Bundesländern sind Frauen einerseits in den Kleinstbetrieben, andererseits aber auch in den Großbetrieben (über 200 Beschäftigte) angemessen oder sogar überproportional häufig beschäftigt (Tabelle A 3.10). Die sehr gute Repräsentanz von Frauen in ostdeutschen Großbetrieben dürfte erheblich dazu beitragen, dass Frauen in Ostdeutschland vergleichsweise nah an die Durchschnittsverdienste von Männern im Osten heranreichen. Zu diesen Großbetrieben dürften neben solchen der Privatwirtschaft oft auch die Verwaltungen von Gebietskörperschaften und Sozialversicherungen gehören, die im Osten so überdurchschnittlich häufig Frauen beschäftigen (Tabelle A 3.8).
Während Tabelle A 3.10 belegt, dass auf das gesamte Bundesgebiet bezogen Frauen überproportional häufig in kleineren Unternehmen beschäftigt sind, eben dort, wo schlechter entlohnt wird, zeigt Abbildung 3.13, dass selbst in Unternehmen der gleichen Betriebsgrößenklasse Frauen deutlich geringere Einkünfte als Männer haben. Erwartungsgemäß gilt dies wieder vor allem für die Frauen in Westdeutschland (Abbildung 3.13).
Abbildung 3.13 zeigt, dass Frauen in Ostdeutschland in kleineren wie in großen Betrieben mit ihren Einkommen sehr viel dichter als die westdeutschen Frauen an die Einkommen der männlichen Vergleichsgruppe heranreichen. Sie erzielen in den mittleren und großen Betrieben über 90 Prozent der Männerverdienste. Wie im Westen sind auch im Osten in Kleinbetrieben die Einkommensdiskrepanzen zwischen Frauen und Männern besonders groß. Frauen erhalten also von den geringeren Einkommen in Kleinbetrieben noch einmal einen geringeren Anteil (Abbildung 3.13). Die Tatsache, dass zumindest in Westdeutschland auch in Betrieben gleicher Größenklasse Frauen deutlich schlechter als Männer verdienen, ist ein Beleg dafür, dass die Größe der Betriebe nur einen relativ geringen Anteil zur Erklärung der niedrigeren Verdienste von Frauen beitragen kann.
Abbildung 3.13: Anteil der Fraueneinkommen an den Männereinkommen (Vollzeit)1 nach Betriebsgrößenklassen in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 2002 (in %)
1 hochgerechnetes sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt auf Basis der quartalsweise erhobenen sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte. Sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte ohne Auszubildende, Werkstudentinnen bzw. -studenten, Praktikantinnen bzw. Praktikanten, Beschäftigte in Altersteilzeit und geringfügig Entlohnte
2 Standort des Betriebes, Ostdeutschland einschl. Berlin
Datenbasis: BA-Beschäftigtenpanel 2002
Quelle: BA-Beschäftigtenpanel; eigene Berechungen
Vergleicht man die Entwicklung der Einkommensdiskrepanzen zwischen Frauen und Männern zwischen 1997 und 2002 für Betriebe unterschiedlicher Größe, so fällt das Ergebnis sehr zwiespältig aus (Abbildung 3.14). In Westdeutschland konnten Frauen ihren Anteil an den Männereinkommen in den größeren Betrieben halten und zum Teil ausbauen. In den Kleinbetrieben verloren sie dagegen Einkommensanteile. In Ostdeutschland mussten Frauen in den Kleinbetrieben vor allem aber in Betrieben mit 55 bis 99 Beschäftigten deutliche Verluste hinnehmen.[22] Sie erreichten in diesen Betrieben mit 92 Prozent dennoch viel höhere Anteile an den Männereinkommen als die Frauen im Westen mit 79 Prozent (Abbildung 3.14).
Abbildung 3.14: Anteil der Fraueneinkommen an den Männereinkommen (Vollzeit)1 nach Betriebsgrößenklasse in West- und Ostdeutschland 1977, 1993, 1997 und 2002 (in %)
1 Für 2002 hochgerechnetes sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt der Frauen auf Basis der quartalsweise erhobenen sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte. Sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte ohne Auszubildende, Werkstudentinnen bzw. -studenten, Praktikantinnen bzw. Praktikanten, Beschäftigte in Altersteilzeit und geringfügig Entlohnte
2 Standort des Betriebes, Ostdeutschland einschl. Berlin
Anmerkung: Da die Betriebsgrößenklassedefinition der IAB-Stichprobe 1993 und 1997 nicht mit der von 2002 übereinstimmt, kann nur die Einkommensentwicklung in den kleineren und mittleren Betrieben verglichen werden.
Datenbasis: IAB-Beschäftigtenstichprobe; BA-Beschäftigtenpanel
Quellen: Deutscher Bundestag 2002a: 111, Schaubild 2.8; BA-Beschäftigtenpanel; eigene Berechnungen


