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3.4.2 Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen

Weibliche und männliche Beschäftigte konzentrieren sich in unterschiedlichen Wirtschaftssektoren und -branchen. Oft sind Männer in den gut zahlenden Branchen stärker vertreten als in den schlecht zahlenden. In den großen Wirtschaftssektoren haben sich Frauen mit ihrer Dominanz im Dienstleistungssektor aber durchaus günstig positioniert (Abbildung A 2.3). Im Durchschnitt sind nämlich die Verdienste in der Land- und Forstwirtschaft einem Sektor also, in dem männliche Beschäftigte überwiegen, ganz erheblich niedriger als im Dienstleistungssektor, in dem 81 Prozent aller Frauen arbeiten. Die Verdienste im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor sind dagegen im Durchschnitt ähnlich hoch (Tabelle A 3.6). Frauen würden also nicht per se hinzugewinnen, wenn sie sich stärker den Fertigungsberufen zuwenden würden. Abbildung 3.10 zeigt aber, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer innerhalb dieser Sektoren sehr ungleich bezahlt werden.

Abbildung 3.10: Anteil der Fraueneinkommen an den Männereinkommen (Vollzeit)1nach Wirtschaftssektoren in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 2002 (in %)

1 hochgerechnetes sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt auf Basis der quartalsweise erhobenen sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte. Sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte ohne Auszubildende, Werkstudentinnen bzw. -studenten, Praktikantinnen bzw. Praktikanten, Beschäftigte in Altersteilzeit und geringfügig Entlohnte
2 Standort des Betriebes, Ostdeutschland einschl. Berlin
Quelle: BA-Beschäftigtenpanel; eigene Berechnungen

Frauen erhalten in der westdeutschen Land- und Forstwirtschaft 2002 zum Beispiel nur 71 Prozent, in Ostdeutschland 82 Prozent des Männerlohnes (Abbildung 3.10). Zwischen 1997 und 2002 haben sich die Einkommensabstände zwischen Frauen und Männern in der Land- und Forstwirtschaft in West und Ost vergrößert (Tabelle A 3.6). Bei der Betrachtung der Gesamtsituation von vollzeitbeschäftigten Frauen fällt diese drastische Entwicklung allerdings kaum ins Gewicht, da nur 2 Prozent aller Frauen in der Land- und Forstwirtschaft arbeiten (Kapitel 2, Abbildung 2.21). Zwischen 1997 und 2002 verschlechterten sich in den ostdeutschen Bundesländern allerdings auch im Produzierenden Gewerbe die Verdienstrelationen für Frauen (Tabelle A 3.6). Nur im westdeutschen Dienstleistungssektor gewannen Frauen zwischen 1997 und 2002 Verdienstanteile dazu. Sie erreichen hier 2002 im Schnitt nun 77,5 Prozent der Männerverdienste. In Ostdeutschland erreichten Frauen im Dienstleistungssektor konstant 92 Prozent des männlichen Verdienstes (Tabelle A 3.6). Für den Erhalt des erreichten Gleichstellungsniveaus in Ostdeutschland ist dies von zentraler Bedeutung, da auch im Osten Deutschlands die übergroße Mehrheit der erwerbstätigen Frauen im Dienstleistungssektor arbeitet.[93] Trotz der von Frauen in Ostdeutschland erzielten Verdienstanteile von über 90 Prozent der Männereinkommen, reichten Frauen im Osten auch im Dienstleistungsbereich mit ihren Einkommensbeträgen nicht an die Einkommen von Frauen im Westen heran und müssen sich mit weit weniger Einkommen zufrieden geben als die Männer im Westen (Tabelle A 3.6).

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer konzentrieren sich innerhalb der großen Wirtschaftssektoren in je spezifischen Wirtschaftszweigen. Wegen dieser Konzentration werden diese Branchen dann als "Frauen- bzw. Männerdomänen" bezeichnet. Tabelle A 3.7 zeigt für das Produzierende Gewerbe, dass weibliche Beschäftigte in jenen Branchen überrepräsentiert sind, in denen sehr schlecht verdient wird, so im Textil-, Leder- und Bekleidungsgewerbe. Männer dominieren dagegen vielfach in jenen Branchen, in denen sehr gut verdient wird, so in den Wirtschaftszweigen Kokerei/Mineralölverarbeitung, Fahrzeugbau sowie Energie- und Wasserversorgung. Die Aufteilung des Arbeitsmarktes in "Frauendomänen" und "Männerdomänen" kann also zur Erklärung der niedrigen Einkommen von Frauen beitragen.

Die beschriebene Segregation der männlichen und weiblichen Beschäftigten in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen ist in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich ausgeprägt. In Ostdeutschland ist der Anteil der weiblichen Beschäftigten in vielen Hochlohnsektoren deutlich größer als in Westdeutschland (Tabelle A 3.7). Aktuelle Lohnvorausschätzungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass auch 2004 das Lohngefälle im Produzierenden Gewerbe zwischen den Wirtschaftszweigen sehr groß ist und dass in den Branchen, in denen Frauen überrepräsentiert sind, im Textil- und Bekleidungsgewerbe sowie im Ledergewerbe nach wie vor besonders schlecht verdient wird (Tabelle 3.3).

Tabelle 3.3: Beschäftigte (Vollzeit) im Produzierenden Gewerbe und deren Bruttomonatsverdienste in ausgewählten Wirtschaftszweigen in Deutschland 2004

1 auch Rundfunk und Medizintechnik etc.
2 auch Keramik
3 ohne Herstellung von Möbeln
Verdiensterhebung als Stichprobenerhebung in Betrieben Juli 2004
Quelle: Statistisches Bundesamt 2005l

Tabelle 3.3 macht gleichzeitig deutlich, dass Frauen auch innerhalb der Wirtschaftszweige im Produzierenden Gewerbe noch einmal schlechter gestellt sind. Sie erreichen zum Beispiel dann, wenn sie im Fahrzeugbau beschäftigt sind, nur 87 Prozent des durchschnittlichen Männerverdienstes, im Ledergewerbe sogar nur 73 Prozent (Tabelle 3.3). Offensichtlich haben Frauen und Männer auch innerhalb der einzelnen Wirtschaftszweige unterschiedliche Tätigkeitsfelder und -positionen, die zu einer im Durchschnitt deutlich schlechteren Bezahlung von weiblichen Beschäftigten führen. Die Verteilung von Frauen und Männern auf unterschiedliche Wirtschaftszweige ist zur Erklärung der Lohnunterschiede also entgegen einer verbreiteten Annahme jedenfalls im Produzierenden Gewerbe eher von untergeordneter Bedeutung.




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