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3.4.2 Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen
Betrachtet man nicht nur das Produzierende Gewerbe, sondern alle Wirtschaftszweige, so zeigt sich, dass es inzwischen einen gut zahlenden beschäftigungsstarken Wirtschaftszweig gibt, in dem Frauen dominieren: den der gesellschaftsbezogenen Dienstleistungen. Dort werden zwar keine Spitzeneinkommen, aber auch keine unterdurchschnittlichen Einkommen erzielt (Tabelle A 3.8). Im Überblick über alle Wirtschaftssektoren zeigt sich, dass in der Landwirtschaft ("primärer Sektor") aber auch im Baugewerbe eher unterdurchschnittlich verdient wird. Gleichzeitig dominieren Männer in diesen Wirtschaftszweigen. In den Wirtschaftszweigen, in denen Frauen weniger als 20 Prozent der Belegschaft stellen, wird aber in der Regel besser verdient als in den Bereichen, in denen sie mehr als 40 Prozent der Belegschaft stellen (Tabelle A 3.8). Dass sich diese Lohndifferenzen immer auf einem freien Markt orientiert an der Produktivität der Beschäftigten herstellen, lässt sich kaum behaupten; zu offensichtlich sind staatliche Subventionen und Regulierungen zu Gunsten einiger Hochlohnbranchen, in denen vorwiegend Männer arbeiten. In der Vergangenheit fielen häufiger auch staatliche Stützungsmaßnahmen zu Gunsten einzelner in die Krise geratener Großunternehmen auf. Dabei handelte es sich überwiegend um Unternehmen, in denen vor allem Arbeitsplätze von Männern auf dem Spiel standen.
Dass sich Frauen und Männer in jeweils unterschiedlichen Branchen konzentrieren, in denen unterschiedlich entlohnt wird, trägt jedenfalls zur Erklärung der ungleichen Einkommen bei. Die Rangreihe der Wirtschaftszweige nach den Durchschnittslöhnen fällt in Ost und West allerdings unterschiedlich aus. Während in Ostdeutschland der öffentliche Dienst (Gebietskörperschaften, Sozialversicherung) den zweiten Rangplatz einnimmt, nimmt er in Westdeutschland den sechsten Platz ein. Auch weil ostdeutsche Frauen in diesem in Ostdeutschland vergleichsweise gut bezahlten Bereich überrepräsentiert sind, gelingt ihnen im Durchschnitt eine sehr viel günstigere Positionierung im ostdeutschen Einkommensgefüge als den Frauen im Westen. Frauen in den ostdeutschen Bundesländern sind auch in anderen Hochlohnsektoren besser repräsentiert als die Frauen in den westdeutschen Bundesländern (Energie, Investitionsgüterproduktion, Bergbau und Güterproduktion) (Tabelle A 3.8). Dies macht plausibel, warum Frauen in den ostdeutschen Bundesländern nur geringe Einkommensnachteile gegenüber Männern haben.
Gleichzeitig lässt sich belegen, dass Männer und Frauen auch innerhalb der einzelnen Branchen unterschiedlich entlohnt werden und zwar ganz besonders wiederum Frauen in Westdeutschland (Abbildung 3.11).
Abbildung 3.11: Anteil der Fraueneinkommen an den Männereinkommen (Vollzeit)1 nach Wirtschaftszweigen in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 2002 (in %)
1 Hochgerechnetes sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt auf Basis der quartalsweise erhobenen sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte ermittelt. Sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte ohne Auszubildende, Werkstudentinnen bzw. -studenten, Praktikantinnen bzw. Praktikanten, Beschäftigte in Vollzeit, Altersteilzeit und geringfügig Entlohnte; Klassifikation von Wirtschaftszweigen nach der Statistik der Bundesanstalt für Arbeit - WZ 93.
2 Standort des Betriebes, Ostdeutschland einschl. Berlin
Anmerkung: DL= Dienstleistung, HH = Haushalt
Datenbasis: BA-Beschäftigtenpanel 2002
Quelle: BA-Beschäftigtenpanel; eigene Berechnungen
Abbildung 3.11 zeigt zum Beispiel, dass weibliche Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft (Primärer Sektor) in Westdeutschland nur 71 Prozent, in Ostdeutschland 82 Prozent des Männerlohnes erzielen. Im Wirtschaftszweig Nahrung und Genuss ist die schlechtere Entlohnung von Frauen mit einem Verdienstanteil 63 Prozent in den westdeutschen und von 69 Prozent in den ostdeutschen Ländern besonders auffällig. Die Abbildung 3.11 zeigt einen Wirtschaftszweig, in dem weibliche Beschäftigte in Ostdeutschland im Durchschnitt mehr als männliche verdienen: die Verkehrs- und Nachrichtenbranche. Offensichtlich konnten Frauen in dieser expandierenden Branche gute Positionen erobern, während Männer hier schlechter entlohnt werden.[19]
Dass auch innerhalb der einzelnen Wirtschaftszweige große Lohnunterschiede zwischen weiblichen und männlichen Beschäftigten zu finden sind, ist ein Hinweis darauf, dass die Verteilung von Frauen und Männern auf unterschiedliche Wirtschaftszweige nur von untergeordneter Bedeutung für die Erklärung der Lohnunterschiede zwischen weiblichen und männlichen Beschäftigten sind.
Die Relationen zwischen den Einkommen von weiblichen und männlichen Beschäftigten haben sich zwischen 1997 und 2002 in den verschiedenen Wirtschaftszweigen sehr unterschiedlich entwickelt. Mehr Gleichheit wurde zwischen 1997 und 2002 im Westen in der Energiebranche, der Investitionsgüter- und der Verbrauchsgüterproduktion, im Handel und im Wirtschaftszweig Verkehr und Nachrichten, in den vorwiegend wirtschaftsbezogenen Dienstleistungen und bei Beschäftigten der Gebietskörperschaften und Sozialversicherungen erreicht (Abbildung 3.12).[20]


