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3.4.1 Berufs- und Tätigkeitsposition
Die ungleiche Bezahlung (vollzeitbeschäftigter) Frauen und Männer korrespondiert mit deren Beschäftigung auf unterschiedlichen Tätigkeitspositionen und in unterschiedlichen Leistungsgruppen. Häufig haben Frauen die ungünstigeren Positionen inne. Ob diese Eingruppierung von der Sache her gerechtfertigt ist, ist höchst umstritten.
Im Kapitel 2 wurde bereits gezeigt, dass sich Arbeitnehmerinnen insgesamt sehr viel stärker als Arbeitnehmer auf den unteren Hierarchieebenen der Berufs- und Betriebshierarchien konzentrieren. Auf Basis der Einteilung des Mikrozensus wurde für das Jahr 2004 zum Beispiel festgestellt, dass auf der höchsten Hierarchieebene "höhere Angestellte und Beamtinnen bzw. Beamte" 22 Prozent der männlichen aber nur 12 Prozent der weiblichen Beschäftigten arbeiteten (Abbildung 2.23). Daten der Lohnstatistik zeigen am Beispiel des Produzierenden Gewerbes, dass in der untersten von drei Leistungsgruppen für Arbeiterinnen und Arbeiter deutlich mehr Frauen als Männer beschäftigt sind und dass in der am besten bezahlten Gruppe 59 Prozent der Arbeiter, aber nur 13 Prozent der Arbeiterinnen arbeiten. Diese Ungleichverteilung ist 2002 im Osten nicht so ausgeprägt wie im Westen (Statistisches Bundesamt 2004h: 353, Tabelle 6). Analoges gilt 2002 auch für den Angestelltenbereich (Statistisches Bundesamt 2004h: 355, Tabelle 7).
Dass Frauen im Durchschnitt ungünstigere Tätigkeitspositionen als Männer innehaben, erweist sich zum Teil als ein Effekt ihrer insgesamt niedrigeren beruflichen Qualifikation. Im Arbeiterbereich müssen Frauen zum Beispiel deshalb Einkommenseinbußen hinnehmen, weil sie vergleichsweise oft als Nichtfacharbeiterin (also mit besonders geringer Qualifikation) eingestellt werden und vergleichsweise selten als Meisterinnen arbeiten. In Ostdeutschland ist die Positionierung von Arbeiterinnen weniger ungünstig als in Westdeutschland (Tabelle A 3.3). Dass viele Frauen inzwischen im Angestelltenbereich arbeiten, in dem im Durchschnitt besser als im Arbeiterbereich verdient wird, ist als günstige Positionierung von Frauen zu werten. Im Angestelltenbereich stellen Frauen inzwischen die Mehrheit der Beschäftigten (52,2 %) (Tabelle A 3.3). Während vor einigen Jahren noch damit gerechnet werden musste, dass Frauen häufiger als Männer unter ihrer Qualifikation beschäftigt werden, hat sich diese Geschlechterdiskrepanz, so belegen Berechnungen mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) deutlich reduziert (Bundesregierung 2004a: 93).
Gleichzeitig zeigt sich, dass Frauen im Arbeiterbereich auf gleicher Qualifikationsstufe ebenso wie im Angestelltenbereich jeweils schlechter entlohnt werden als Männer. Weibliche Beschäftigte erreichen 2002 in gleicher Tätigkeitsposition nur 59 bis 80 Prozent des durchschnittlichen Männerlohns (Abbildung 3.7).
Neben den günstigeren Verdienstrelationen für Frauen in den ostdeutschen Bundesländern zeigt Abbildung 3.7, dass Arbeiterinnen in Westdeutschland bei gering qualifizierten Tätigkeiten ("Nicht-Facharbeiterin") eher das Verdienstniveau von Männern erreichen als auf Positionen für qualifiziertere Arbeiterinnen bzw. Arbeiter oder für Angestellte.
Die Nicht-Facharbeiterinnen im Westen verloren seit 1997 Einkommensanteile im Vergleich zu den Männern in gleicher Berufsposition (Verdienstanteile 1997 bei Nicht-Facharbeiterinnen: 75 %) (Deutscher Bundestag 2002a: 104 und hier Abbildung 3.7: 2002: 72 %). In Ostdeutschland blieben die Lohnanteile der weiblichen Beschäftigten im Vergleich zu 1997 weitgehend konstant. Sie verbesserten sich nur bei den Meisterinnen/Polierinnen von ungefähr 74 Prozent auf 80 Prozent (Deutscher Bundestag 2002a: 104 und hier Abbildung 3.7).
Da das Gros der abhängig Beschäftigten heute als Angestellte und nicht im Arbeiterbereich arbeitet und Frauen in der Arbeiterschaft generell unterrepräsentiert, bei den Angestellten mit immerhin 52 Prozent aber überrepräsentiert sind (Tabelle A 3.3), ist die im Angestelltenbereich erreichte Angleichung für die Einkommenssituation von Frauen insgesamt besonders bedeutsam. Deshalb ist wichtig: Im Vergleich zu den Vorjahren haben sich in Westdeutschland die Einkommensanteile der weiblichen Angestellten am entsprechenden Männereinkommen deutlich verbessert (1977: 63,6 %, 1997: 63,4 %, 2002: 68,4 %); in Ostdeutschland zeichnet sich allerdings eine Stagnation der Verdienstanteile von weiblichen Angestellten wenn auch auf höherem Niveau ab (1993: 78,4 %, 1997: 76,7 %, 2002: 77,5 %) (Deutscher Bundestag 2002a: 104 und Abbildung 3.7). In dem in Westdeutschland beobachtbaren Zuwachs von Einkommensanteilen von Frauen im Angestelltenbereich kann man einen Effekt der zunehmenden Qualifikation von Frauen sehen.
Abbildung 3.7: Anteil der Fraueneinkommen an den Männereinkommen (Vollzeit)1 in unterschiedlichen Berufspositionen in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 2002 (in %)
1 Hochgerechnetes sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt auf Basis der quartalsweise erhobenen sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne Auszubildende, Werkstudentinnen bzw. -studenten, Praktikantinnen bzw. Praktikanten, Beschäftigte in Altersteilzeit und geringfügig Entlohnte
2 Standort des Betriebes, Ostdeutschland einschl. Berlin
Anmerkung: Durch die ungleiche Repräsentanz von Frauen und Männern in den hier betrachteten Untergruppen der Beschäftigten fallen hier, wie unter Abbildung 3.2 näher erläutert, die Einkommensabstände zwischen weiblichen und männlichen Beschäftigten deutlich größer aus als bei einer Gesamtbetrachtung wie in Abbildung 3.3.
Datenbasis: BA-Beschäftigtenpanel 2002
Quelle: BA-Beschäftigtenpanel; eigene Berechnungen


