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5.5.3. Qualifizierungsmaßnahme zur Elternberaterin/ zum Elternberater
Aus Bedürfnissen der Eltern und dem Anliegen der Fachkräfte ist das Konzept der "ElternberaterIn in der Familienbildung" entwickelt worden. Ziel der Maßnahme ist die bundesweite trägerübergreifende Qualifizierung von Fachkräften in der Familienbildung.
In den 90iger Jahren wurde eine immer stärker werdende Ausdifferenzierung der verschiedenen Institutionen deutlich und die Frage nach der Zuständigkeit einzelner Institutionen war für die Nutzer bzw. Nutzerinnen immer schwerer zu erkennen. Dies zeigte sich auch unter anderem deutlich in der stetigen Zunahme von Bildungs-, Beratungs- und Therapienachfragen, die damit als Ausdruck von Verunsicherungen betrachtet werden können. In der Familienbildung trifft dies in besonderem Maße auf junge Familien mit Kindern in den ersten Lebensjahren zu: in der Tendenz lässt sich eine Zunahme von jungen Eltern registrieren, die nach der Geburt ihres ersten Kindes sowohl in ihrer Partner- und Elternrolle als auch in Erziehungsfragen verunsichert sind. Hierzu haben die besonderen Anforderungen der modernen, pluralistischen und multikulturellen Gesellschaft genauso beigetragen wie die weltweit schwierige Arbeitsmarktlage, die damit geforderte Flexibilität bei der Wahl des Wohn- und Arbeitsortes, die unselektierte pädagogische Medienlandschaft (vgl. auch Kap. 5.1. und 5.2.)
Eltern wünschen sich häufig niedrigschwellige Hilfen und Begleitung, die ihnen aber durch die bisherigen Angebote im Bereich der Familienbildung nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Der Wunsch nach einer längerfristigen, individuellen Begleitung bzw. Beratung verhindert dabei die Inanspruchnahme der "klassischen" Familienbildungsangebote, insbesondere die der Geburtsvor- und -nachbereitungskurse für die jungen Eltern.
Nicht alle Familien verfügen aber hierfür über ausreichende Kompetenzen und materielle Ressourcen.
Familienbildung zeichnet sich methodisch und didaktisch gerade dadurch aus, dass sie die jungen Eltern durch Angebote anspricht und abholt, die ihrer jeweiligen Lebenssituation entsprechen. Durch entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen von Fachkräften gilt es die vor allem präventiv ausgerichteten Ansätze auszubauen und zu stützen.
Aufgrund dieser Ausgangslage junger Eltern und deren Bedürfnis bzw. Wunsch nach einer längerfristigen individuellen Begleitung und Beratung war es notwendig, konzeptionelle Veränderungen und Qualitätsstandards in die Ausbildung von Fachkräften im Sinne einer "Elternberatung und Elternbegleitung" einzubauen. Dabei werden an die in der Familienbildung tätigen Fachkräfte vermehrt Ansprüche gestellt, die weit über die Zielsetzung und auch deren Qualifikation hinausgehen.
Zusätzliche Anforderungen, Qualifikationen und individuelle Hilfsmaßnahmen stellen sich beispielsweise im Zusammenhang mit der Begleitung von Familien über die ersten Lebensjahre der Kinder.
Neben der konkreten Wissensvermittlung umfassen die Anforderungen das Erlernen praktischer Handlungsumsetzung, die Materialschulung und den Erwerb beratungstechnischer bzw. medialer Kompetenzen, die die jungen Familien von Anfang an stärken und sie durch gezielte Beratung und individuelle Begleitung auf dem schwierigen Weg während der ersten Lebensjahre stützen sollen. Im Besonderen gilt es hierbei um die Stärkung der Erziehungskompetenz und die Einübung des bewussten medialen Umgangs, die maßgeblich zur Umsetzung einer gewaltfreien Erziehung beitragen.
Darüber hinaus sind Kontakte und Gespräche mit allen relevanten Institutionen und Gremien vorgesehen, um entsprechende kooperative Netzwerkstrukturen zu entwickeln.
Im Einklang werden hier Bildungs- und Beratungsmodule kompetent verknüpft. Die Methodik und Didaktik ist zielgruppenorientiert. Der Aufbau von regionalen Netzwerken und Kontaktpools sind zwingend eingeplant. So sollen Elternberaterinnen und Elternberater neben ihrer pädagogischen und beraterischen Kompetenz über ein Informations- und Kontaktnetzwerk verfügen, welches einen direkten "Zugriff" bzw. die Weitervermittlung an entsprechende Experten ermöglicht.
Die Qualifizierungsmaßnahme zur Elternberaterin/ zum Elternberater umfasst folgende Module:
1. Modul: Beratungstechniken für Elternberater
Theoretische/praktische Einführung in die Elemente der Beratungstechniken
Die Haltung der Beraterin/des Beraters
Kommunikationsmodelle und -stile in der Beratung
Praktische Übungen und Fallbeispiele
2. Modul: Intervention und Kooperation in der Beratung
Prinzipien der pädagogischen Elternberatung
Beratung und Begleitung von Elterngruppen
Gestaltung und Ablauf Elterngesprächen/Interventionstechniken
Fallbeispiele und Rollenspiele
3. Modul: Familie/Familienbilder
Vater-/Mutterrolle mit Blick auf die eigene Biographie
Ausgestaltung der Vaterrolle - neue Konzepte aus der Väterbildung
Die Kunst ein Paar zu bleiben - neue Ansätze aus der Forschung und Beratung
Veränderungen in der Paarbeziehung
Der Familienzyklus
Familienstrukturen - von der Einzelkindfamilie bis zur Patchworkfamilie
4. Modul: Didaktik und Methodik
Didaktik und Methodik in der Wissensvermittlung


