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Fr 29.01.2010

Schulverweigerung - Die 2. Chance

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Für junge Menschen ist Bildung der Schlüssel zu Identität, Orientierung und gesellschaftlicher Teilhabe. Bundesweit verlassen jährlich jedoch immer noch acht Prozent der männlichen und fast fünf Prozent der weiblichen Schulabsolventen die allgemeinbildende Schule ohne Abschluss (Zahlen aus 2007). Das sind mehr als 71.000 Schülerinnen und Schüler (rund 7,5 Prozent). Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt diese Quote mehr als doppelt so hoch. Vielfach wird der Schulabschluss nachgeholt, aber 2,4 Prozent der jungen Menschen zwischen 18 und 25 Jahren gelingt dies nicht. Jugendliche ohne Schulabschluss haben jedoch wesentlich geringere Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Die "Karriere" vieler Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher verläuft stufenweise. Sporadische Unaufmerksamkeit im Unterricht wandelt sich bald in geistige Abwesenheit und führt zu absoluter Verweigerung der Mitarbeit. Manche Jugendliche bleiben der Schule sogar ganz fern, "Schuleschwänzen" wird für sie allmählich zur Regel.

Das Programm "Schulverweigerung - Die 2. Chance" hat sich zum Ziel gesetzt, so genannte "harte" Schulverweigerer vor allem von Hauptschulen wieder in das Regelschulsystem einzugliedern und ihre Chancen auf einen Schulabschluss zu erhöhen. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die ihren Schulabschluss durch aktive oder passive Schulverweigerung gefährden und die eine Hauptschule oder andere Schulform besuchen, auf der der Erwerb eines Hauptschulabschlusses möglich ist. Damit sollen neue Wege und Methoden erprobt und angeregt werden, um die Anzahl der Jugendlichen in Deutschland, die die Schule ohne Schulabschluss verlassen, nachhaltig zu verringern.

Bundesweit lokale Koordinierungsstellen geschaffen

Im Rahmen des Programms wurden deutschlandweit Anlaufstellen in Form von lokalen Koordinierungsstellen geschaffen. Diese bauen in Kooperation mit den Schulen, der Schulsozialarbeit oder mobilen Jugendarbeit zunächst den Kontakt zu den Jugendlichen auf. Die persönliche und langfristige Begleitung der Jugendlichen ist ein zentrales Element der Wiedereingliederung. Zunächst werden die Kompetenzen der Jugendlichen ermittelt. Darauf aufbauend wird mit dem Jugendlichen und in Zusammenarbeit mit den Eltern und der Schule ein individueller Bildungs- und Entwicklungsplan erstellt. Auch die Umsetzung wird begleitet. Die Jugendlichen haben feste Begleiterinnen und Begleiter vor Ort, damit die Hilfsangebote maßgeschneidert auf ihre persönliche Lebenssituation zugeschnitten werden können.

Programm wird zunächst bis 2011 fortgesetzt

Unter dem Dach der Initiative JUGEND STÄRKEN setzt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das erfolgreiche Programm "Schulverweigerung - Die 2. Chance" auch in der neuen Interventionsphase des Europäischen Sozialfonds (ESF) fort. Als Beitrag des Bundes zur Halbierung der Zahl der Schulabbrecher bis zum Jahr 2015 wurde das Programm erheblich ausgebaut und die Zahl der Koordinierungsstellen bundesweit auf 194 aufgestockt.


© Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend