Inhalt

Mi 15.06.2016

Demografiestrategie: Arbeitsgruppe "Jugend gestaltet Zukunft"

Eine zukunftsfähige Demografiepolitik gelingt nur gemeinsam mit allen Generationen. Was jedoch häufig fehlt, ist die aktive Einbindung von jungen Menschen – ihre Interessen und Bedürfnisse müssen stärker berücksichtigt werden. Junge Menschen wollen gehört werden, mitentscheiden und mitgestalten, wenn es um ihre Lebenslagen und um ihre Zukunft geht. 

Die demografischen Entwicklungen verändern die Lebenswelten von allen Menschen. Für Jugendliche und junge Erwachsene sind sie jedoch von besonderer Bedeutung, da sie die Bedingungen des Aufwachsens und ihre Entfaltungsmöglichkeiten wesentlich beeinflussen. Die Bevölkerung im Alter von 12 bis 27 Jahren in Deutschland wird laut aktuellen statistischen Berechnungen auch bei stärkerer Zuwanderung bis 2030 auf 12,2 Millionen beziehungsweise um 15 Prozent zurückgehen (2013: 14 Millionen beziehungsweise 17 Prozent). Menschen über 60 Jahre hingegen werden über ein Drittel der Gesellschaft ausmachen und entsprechend Prioritäten setzen. Dies gilt besonders für den ländlichen Raum, wo die Herausforderungen und Folgen des demografischen Wandels bereits deutlich zu spüren sind. 

"Demografiepolitik ohne die Jugendlichen geht nicht!"

Mit der Feststellung "Demografiepolitik ohne die Jugendlichen geht nicht!" hat Bundesjugendministerin Manuela Schwesig im Oktober 2014 die Arbeitsgruppe "Jugend gestaltet Zukunft" im Rahmen der Demografiestrategie der Bundesregierung ins Leben gerufen. Die Arbeitsgruppe will der Jugend in ihrer Vielfalt eine Stimme geben. In einem gemeinsamen Prozess mit Jugendlichen erarbeitet sie Handlungsempfehlungen unter dem Titel "Jugend gestaltet Zukunft – Gelingendes Aufwachsen in ländlichen Regionen".

Dabei lässt sie sich insbesondere von folgenden Fragestellungen leiten: Wie gestaltet sich die Lebensphase Jugend auf dem Land heute und welche Zukunftsentwürfe gibt es? Wie kann die Politik auf allen Ebenen die Interessen junger Menschen noch besser berücksichtigen? Wie müssen Beteiligungsstrukturen aussehen, damit sich Jugendliche und junge Erwachsene verbindlich und wirksam beteiligen können und davon Gebrauch machen? Was eröffnet Chancen für den Verbleib, die Rückkehr oder den Zuzug von jungen Menschen? Wie kann die Entwicklung einer Region über Verwaltungsgrenzen hinweg verbessert werden und was können Jugendliche und junge Erwachsene dazu beitragen?

Belange junger Menschen mitdenken

Außerdem hat die AG "Jugend gestaltet Zukunft" eine Handreichung mit jugendpolitischen Grundsätzen erarbeitet, um demografiepolitische Diskurse und Ergebnisse dahingehend zu reflektieren, ob Belange von Jugendlichen und jungen Erwachsenen betroffen sind beziehungsweise berücksichtigt wurden. Bildlich gesprochen will die AG damit alle Gestaltungspartner der Demografiestrategie dazu anregen, die "Jugend-Brille" aufzusetzen, um die Perspektiven von Jugendlichen einnehmen und berücksichtigen zu können. Die "Jugend-Brille" ist kein Ersatz für Jugendbeteiligung, soll aber sicherstellen, dass die Belange junger Menschen immer mitgedacht und auch dann berücksichtigt werden, wenn Jugendliche nicht unmittelbar beteiligt werden. Die AG hat diese Handreichung auch allen anderen Arbeitsgruppen der Demografiestrategie zur Verfügung gestellt.

Folgende Punkte sind in der Handreichung der AG aufgeführt:

  • Grundsätzlich steckt in jedem Detailthema der Demografiestrategie immer auch eine Jugend-Komponente. Jugendliche von heute sind die Älteren von morgen. Jugendliche wollen den Austausch mit Älteren – Ältere wollen den Austausch mit Jugendlichen. Das Miteinander überwiegt das Gegeneinander sehr deutlich.
  • Jugendliche sind Teil der Gesellschaft von heute und Träger der Gesellschaft von morgen. Jugendliche sind bestmöglich in die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft einzubeziehen, damit sie die Gesellschaft in politischer Hinsicht weiterentwickeln und den sozialen Zusammenhalt fördern.
  • Jugendliche sind eigenständige Individuen und es gibt eine eigenständige Lebensphase Jugend. Jugendliche sind mehr als "Humankapital", in das heute investiert werden muss, damit auch morgen noch zum Beispiel Fachkräfte in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Sie sind auch, aber nicht nur, Teil von Familie.
  • Jugendliche wollen beteiligt werden, wollen sich aktiv für Dinge des Gemeinwohls einsetzen, wollen Verantwortung übernehmen, wollen Veränderungen erzielen. Die Entscheidungsträger in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft reagieren nicht immer und im ausreichenden Maße positiv auf dieses Partizipationsbedürfnis.
  • Jugendliche haben oftmals das Gefühl, dass sie im Rahmen der Generationengerechtigkeit eine nachgeordnete Rolle spielen, sie sind sensibel in Bezug auf die Lastenverteilung.

Jugendbeteiligung

Jugendbeteiligung ist ein grundlegendes Element der AG. Jugendliche können und sollen ihre Interessen und Bedürfnisse selbst am besten artikulieren. Damit tragen sie dazu bei, den demografischen Wandel aktiv zu gestalten. Nicht zuletzt wird durch die Einbeziehung junger Menschen in die Demografiestrategie der Zusammenhalt der Generationen gestärkt.

Die Jugendpartizipationsprozesse an der AG werden durch zwei Projekte umgesetzt:

In dem Pro­jekt "Jugend-Demografie-Dialog" (Leuphana Universität Lüneburg) entwickeln Jugendliche  in vier Referenzlandkreisen (Friesland, Kyffhäuserkreis, Lichtenfels, Vorpommern-Rügen) eigene Ide­en und Vor­schläge und bringen sie in die AG ein.

Mit dem Online-Portal "Ichmache>Politik|Demografie" (Deutscher Bundesjugendring)  haben junge Menschen aus ganz Deutschland die Chance, die Themensetzung  und die Handlungsempfehlungen der AG zu beeinflussen. So können sich junge Menschen wirksam an der Entwicklung der Demografiestrategie der Bundesregierung beteiligen. Um auch und vor allem den ländlichen Raum zu erreichen, werden regionale Aktivitäten vor Ort unterstützt, durchgeführt und gefördert.