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Fr 09.01.2015

Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt

Die Bundesregierung unternimmt eine Reihe von Maßnahmen, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt kontinuierlich zu verbessern. Um einen wirksamen Schutz gewährleisten zu können, müssen Präventionsmaßnahmen möglichst früh ansetzen. Qualität in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, ein Grundverständnis für den Kinderschutz bei allen, die mit jungen Menschen arbeiten sowie eine Umsetzung der Kinderrechte in der Praxis, sind dabei grundlegende Voraussetzungen.

Gesamtkonzept für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat am 22. September 2014 ein Gesamtkonzept für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt vorgestellt, das auf den Empfehlungen des Runden Tisches "Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich" und dem Aktionsplan 2011 zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung aufbaut. Das Konzept beruht auf fünf Säulen, in denen Verbesserungen erreicht werden sollen: Strafrecht, Strafverfahren, Recht auf Schutz, Beratung und Unterstützung von Betroffenen, digitale Medien. Nicht für alle Bereiche ist das Bundesfamilienministerium zuständig. Notwendig ist, dass alle Akteure auf allen Ebenen zusammenrücken und Hand in Hand arbeiten. Unabhängig von Zuständigkeiten und Professionen. Die Umsetzung der verschiedenen Handlungsfelder wird mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, den Bundesressorts, Ländern, Verbänden und den Betroffenen beraten.

Runder Tisch Sexueller Kindesmissbrauch

Um Betroffene sexueller Gewalt zu unterstützen und sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vorzubeugen, wurde am 24. März 2010 der Runde Tisch "Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich" eingerichtet. Den gemeinsamen Vorsitz übernahmen das Bundesfamilienministerium, das Bundesjustizministerium und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Zur Mitwirkung am Runden Tisch waren Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft und aller relevanter gesellschaftlicher Gruppen eingeladen - unter anderem der Kinder- und Opferschutzverbände, der Bundesinitiative der Betroffenen, bundesweiter Zusammenschlüsse von Beratungseinrichtungen für Opfer, der Familienverbände, der Schul- und Internatsträger, der Freien Wohlfahrtspflege, der beiden großen christlichen Kirchen, des Rechtswesens, des Deutschen Bundestages sowie aus Bund, Ländern und Kommunen. Am 30. November 2011 beendete der Runde Tisch seine Arbeit mit einem Abschlussbericht, der dem Bundeskabinett am 7. Dezember 2011 vorgelegt wurde. Darin sprechen die Mitglieder zahlreiche Empfehlungen aus.

Am 1. Mai 2013 startete der Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich als erster Teil des von den Mitgliedern des Runden Tisches empfohlenen ergänzenden Hilfesystems für Fälle sexuellen Missbrauchs aus der Vergangenheit.

Ein weiterer Teil ist der sogenannte institutionelle Bereich, bei dem es um sexuellen Missbrauch in staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen geht. Seit dem 6. Dezember 2013 beteiligen sich neben der Evangelischen Kirsche Deutschland, die Diakonie sowie die Deutsche Bischofskonferenz und seit dem 1. März 2014 ebenso die der katholischen Kirchen zugehörigen Deutsche Ordenskonferenz am Ergänzenden Hilfesystem institutioneller Bereich.

Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs

Im Zuge des Runden Tisches wurde Dr. Christine Bergmann als Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs berufen. Sie hat ihre erfolgreiche Arbeit am 31. Oktober 2011 beendet. Johannes-Wilhelm Rörig trat die Nachfolge als Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs zum 1. Dezember 2011 an. Mit Kabinettbeschluss vom 26. März 2014 wurde die Amtszeit von Johannes-Wilhelm Rörig um weitere 5 Jahre verlängert.

Hilfe und Beratung

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesjugendministerium ein Online-Hilfeportal für Betroffene, Interessierte und Fachkräfte entwickelt. Ziel ist es, in Kooperation mit Beratungsstellen, Therapeutinnen und Therapeuten, Opferanwälten und anderen Akteuren für das gesamte Bundesgebiet eine Landkarte mit Hilfe- und Präventionsangeboten anzubieten und Checklisten für Einrichtungen und Eltern sowie gelungene Umsetzungsbeispiele zur Verfügung zu stellen.

Hilfe und Beratung gibt es auch bei der telefonischen Anlaufstelle des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs unter der Telefonnummer 0800-2255530.

Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich

Der Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich richtet sich an Betroffene, die als Kinder oder Jugendliche sexuell missbraucht wurden und noch heute unter den Folgen des sexuellen Missbrauchs leiden. Betroffene können bis zum 30. April 2016 Sachleistungen bis maximal 10.000 Euro  beantragen. Gewährt werden Leistungen, die vom gesetzlichen Hilfesystem nicht, nicht mehr oder nicht in ausreichendem Umfang finanziert werden.

Ergänzendes Hilfesystem im institutionellen Bereich

Das Ergänzenden Hilfesystem im institutionellen Bereich richtet sich an Betroffene, die als Kinder oder Jugendliche in staatlichen Einrichtungen sexuell missbraucht wurden und noch heute an diesen Folgewirkungen leiden. Betroffene können ebenfalls bis zum 30. Juni 2016 Sachleistungen bis maximal 10.000 Euro beantragen. Gewährt werden Leistungen, die vom gesetzlichen Hilfesystem nicht, nicht mehr oder nicht in ausreichendem Umfang finanziert werden.

Initiative "Trau dich!" zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs

Die bundesweite Initiative "Trau dich!" des Bundesjugendministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert Kinder und Eltern zum Thema sexueller Missbrauch. Ziel der Initiative ist es, Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren über ihre Rechte und über das Thema Missbrauch aufzuklären. Sie sollen ermutigt werden, sich im Bedarfsfall Hilfe zu holen. Darüber hinaus sollen Lehrerinnen und Lehrer sowie Fachkräfte für das Thema sexuelle Gewalt im Aus-, Fort-, und Weiterbildung sensibilisiert und ihre Handlungssicherheit erhöht werden.

Forschungsprojekt "MIKADO - Missbrauch von Kindern: Aetiologie, Dunkelfeld, Opfer"

Das Bundesjugendministerium hat bei der Universität Regensburg eine Studie in Auftrag gegeben. Diese soll Risiken, Ursachen und Folgen sexuellen Kindes- und Jugendmissbrauchs umfassend erforschen. So wird unter Anderem untersucht, wie häufig, unter welchen Bedingungen und mit welchen Folgen Mädchen und Jungen von sexuellem Missbrauch in Deutschland betroffen sind. Erstmalig werden dabei auch sexuelle Grenzverletzungen im Internet erfasst. Ziel von MIKADO ist, Empfehlungen für spezifische Präventionsmaßnahmen geben zu können. 

In dem multidisziplinären Projekt unter der Leitung von Herrn Professor Dr. med. Michael Osterheider von der Universität Regensburg arbeiten Wissenschaftsteams der Forschungsstandorte Bonn, Hamburg, Ulm, Dresden und Turku/Finnland zusammen und es sind verschiedene Opferschutzvereine beteiligt. Das Projekt hat eine Laufzeit bis Ende März 2015.

Internationale Kampagne zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung im Tourismus

Im September 2010 startete in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Aufklärungskampagne zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung im Tourismus. Der Kampagne sind Anfang des Jahres 2013 weitere Länder beigetreten, unter anderem Frankreich und Luxemburg.

Die Kampagne beruht zum einen auf einer länderübergreifenden Aufklärungskampagne, die sich direkt an Reisende richtet. Zum anderen wird eine polizeiliche Meldeadresse in allen beteiligten  Ländern eingeführt, an die sich Reisende wenden können.

Aktionsplan 2011 der Bundesregierung

Die Grundlage zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor jeglicher Form von Gewalt ist der am 27. September 2011 vom Kabinett beschlossene Aktionsplan 2011 der Bundesregierung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung. Hier werden alle Maßnahmen gebündelt. Eine Arbeitsgruppe aus Bund-Ländern und Nichtregierungsorganisationen begleitet die Umsetzung der  Maßnahme des Aktionsplans mit einem Monitoring.