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Fr 15.11.2013

Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt

Die Bundesregierung unternimmt eine Reihe von Maßnahmen, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt kontinuierlich zu verbessern. Um einen wirksamen Schutz gewährleisten zu können, müssen Präventionsmaßnahmen möglichst früh ansetzen. Qualität in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, ein Grundverständnis für den Kinderschutz bei allen, die mit jungen Menschen arbeiten sowie eine Umsetzung der Kinderrechte in der Praxis, sind dabei grundlegende Voraussetzungen.

Runder Tisch Sexueller Kindesmissbrauch

Um die Opfer von Kindesmissbrauch zu unterstützen und sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendlichen vorzubeugen, wurde am 24. März 2010 ein Runder Tisch eingerichtet. Den gemeinsamen Vorsitz übernahmen das Bundesfamilienministerium, das Bundesjustizministerium und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Zur Mitwirkung am Runden Tisch waren Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft und aller relevanter gesellschaftlicher Gruppen eingeladen - unter anderem der Kinder- und Opferschutzverbände, der Bundesinitiative der Betroffenen, bundesweiter Zusammenschlüsse von Beratungseinrichtungen für Opfer, der Familienverbände, der Schul- und Internatsträger, der Freien Wohlfahrtspflege, der beiden großen christlichen Kirchen, des Rechtswesens, des Deutschen Bundestages sowie aus Bund, Ländern und Kommunen. Am 30. November 2011 beendete der Runde Tisch seine Arbeit mit einem Abschlussbericht, der dem Bundeskabinett am 7. Dezember 2011 vorgelegt wurde. Darin sprechen die Mitglieder zahlreiche Empfehlungen aus, unter anderem für die Bereiche "Leitlinien für Institutionen", "Stärkung der Rechte der Opfer" und "Verbesserung des Zuganges zu Hilfen für Betroffene".

Am 20. Februar 2013 fand eine weitere Bilanzsitzung des Runden Tisches statt. Erörtert wurde der bisherige Stand der Umsetzungen der Empfehlungen. Am 1. Mai 2013 startete der Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich als erster Teil des von den Mitgliedern des Runden Tisches empfohlenen ergänzenden Hilfesystems für Fälle sexuellen Missbrauchs aus der Vergangenheit.

Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich

Der Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich richtet sich an Betroffene, die als Kinder oder Jugendliche sexuell missbraucht wurden und noch heute unter den Folgen des sexuellen Missbrauchs leiden. Betroffene können bis zum 30. April 2016 Sachleistungen bis maximal 10.000 Euro  beantragen. Gewährt werden Leistungen, die vom gesetzlichen Hilfesystem nicht, nicht mehr oder nicht in ausreichendem Umfang finanziert werden.

Initiative "Trau dich!" zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs

Die bundesweite Initiative "Trau dich!" des Bundesfamilienministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert Kinder und Eltern zum Thema sexueller Missbrauch. Ziel der Initiative ist es, Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren über ihre Rechte und über das Thema Missbrauch aufzuklären. Sie sollen ermutigt werden, sich im Bedarfsfall Hilfe zu holen. Darüber hinaus sollen Lehrerinnen und Lehrer sowie Fachkräfte für das Thema Missbrauch sensibilisiert und ihre Handlungssicherheit erhöht werden.

Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs

Im Zuge des Runden Tisches wurde Dr. Christine Bergmann als Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs berufen. Sie hat ihre erfolgreiche Arbeit am 31. Oktober 2011 beendet. Johannes-Wilhelm Rörig trat die Nachfolge als Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs zum 1. Dezember 2011 an.

Hilfe und Beratung

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesfamilienministerium ein Online-Hilfeportal für Betroffene, Interessierte und Fachkräfte entwickelt. Ziel ist es, in Kooperation mit Beratungsstellen, Therapeutinnen und Therapeuten, Opferanwälten und anderen Akteuren für das gesamte Bundesgebiet eine Landkarte mit Hilfe- und Präventionsangeboten anzubieten und Checklisten für Einrichtungen und Eltern sowie Best Practices zur Verfügung zu stellen.

Hilfe und Beratung gibt es auch bei der telefonischen Anlaufstelle des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs unter der Telefonnummer 0800-2255530.

Forschungsprojekt "MIKADO - Missbrauch von Kindern: Aetiologie, Dunkelfeld, Opfer"

Das Forschungsprojekt "MIKADO" will zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellen Grenzverletzungen und Missbrauch beitragen. Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet, Opfer sexueller Übergriffe zu werden. Orte möglichen Missbrauchs sind vielfältig. Neben Familie, Schule oder Verein kann auch die Nutzung des Internets Risiken beinhalten.  

Das Bundesfamilienministerium hat daher bei der Universität Regensburg eine Studie in Auftrag gegeben. Diese soll Risiken, Ursachen und Folgen sexuellen Kindes- und Jugendmissbrauchs umfassend erforschen. So wird unter Anderem untersucht, wie häufig, unter welchen Bedingungen und mit welchen Folgen Mädchen und Jungen von sexuellem Missbrauch in Deutschland betroffen sind. Erstmalig werden dabei auch sexuelle Grenzverletzungen im Internet erfasst. Ziel von MIKADO ist, Empfehlungen für spezifische Präventionsmaßnahmen geben zu können. 

In dem multidisziplinären Projekt unter der Leitung von Herrn Professor Dr. med. Michael Osterheider von der Universität Regensburg arbeiten Wissenschaftsteams der Forschungsstandorte Bonn, Hamburg, Ulm, Dresden und Turku/Finnland zusammen und es sind verschiedene Opferschutzvereine beteiligt. Das Projekt hat eine Laufzeit bis Ende 2014.

Aktionsplan 2011 der Bundesregierung

Ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept der Bundesregierung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor jeglicher Form von Gewalt ist der am 27. September 2011 vom Kabinett beschlossene Aktionsplan 2011 der Bundesregierung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung. Anknüpfend an den ersten Aktionsplan aus dem Jahr 2003 führt er alle konkreten Maßnahmen in einem Gesamtkonzept zusammen und berücksichtigt die bisherigen Erkenntnisse und Empfehlungen des Runden Tisches "Sexueller Kindesmissbrauch" und der ehemaligen Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Der Aktionsplan 2011 konzentriert sich auf folgende Schwerpunktbereiche:

  • Prävention
  • Intervention
  • Kommunikationsnetze
  • Tourismus
  • Wissen
  • Internationale Kooperation

Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe begleitet die Umsetzung der Maßnahmen des Aktionsplans mit einem Monitoring.

Internationale Kampagne zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung im Tourismus

Im September 2010 startete in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Aufklärungskampagne zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung im Tourismus. Der Kampagne sind Anfang des Jahres 2013 weitere Länder beigetreten, unter anderem Frankreich und Luxemburg.

Die Kampagne beruht zum einen auf einer länderübergreifenden Aufklärungskampagne, die sich direkt an Reisende richtet. Zum anderen wird eine polizeiliche Meldeadresse in allen beteiligten  Ländern eingeführt, an die sich Reisende wenden können.