Mi 04.07.2012
Die Geburt eines Kindes stellt jede Familie vor neue Herausforderungen, welche die meisten mit großer Stärke bewältigen. Doch wenn das Familiensystem ohnehin belastet und keine Unterstützung vorhanden ist, können Eltern zeitweise damit überfordert sein, ihren Kindern die liebevolle Zuwendung zu geben, die sie für ein gesundes und gewaltfreies Aufwachsen brauchen. Belastungen können dann das Risiko für ein Kind erhöhen, vernachlässigt oder misshandelt zu werden.
In solchen Situationen brauchen Familien eine niedrigschwellige und alltagstaugliche Unterstützung. Der Aus- und Aufbau von Netzwerken Früher Hilfen ist ein wichtiger Schwerpunkt der Kinder- und Jugendpolitik des Bundesfamilienministeriums. Im Mittelpunkt Früher Hilfen stehen insbesondere die ersten drei Lebensjahre von der Schwangerschaft an bis zur frühen Kindheit. Frühe Hilfen basieren auf drei Schwerpunkten:
Mit dem Aktionsprogramm "Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme", das 2010 abgeschlossen wurde, hat das Bundesfamilienministerium das Ziel verfolgt, Risiken für die gesunde Entwicklung von Kindern möglichst frühzeitig zu erkennen sowie die Erziehungskompetenz ihrer Eltern gezielt zu verbessern. Im Fokus des Programms standen vor allem Kinder bis zu etwa drei Jahren und Schwangere sowie junge Mütter und Väter in belastenden Lebenslagen. Für das Programm hat der Bund insgesamt 11 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Um die Entwicklung Früher Hilfen bundesweit zu unterstützen wurde das Nationale Zentrum Frühe Hilfen eingerichtet. Der Aus- und Aufbau von Netzwerken Früher Hilfen wird auf der Basis der Ergebnisse des Aktionsprogramms und mit dem Nationalen Zentrum Frühe Hilfen durchgeführt.
Um praxistaugliche Netzwerke Früher Hilfen zu erproben und zu evaluieren, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Nationale Zentrum Frühe Hilfen eingerichtet. Damit hat der Bund gemeinsam mit allen Ländern die wissenschaftliche Begleitung von Modellprojekten auf den Weg gebracht. Im Nationalen Zentrum Frühe Hilfen werden seit April 2007 all diese Erfahrungen zusammengetragen und ausgewertet. Träger sind die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln und das Deutsche Jugendinstitut (DJI) in München.
Um die Zielgruppe wirkungsvoll zu erreichen und fachlich kompetent lückenlos begleiten zu können, müssen Gesundheitssystem und Kinder- und Jugendhilfe, aber auch Schwangerschaftsberatungsstellen und andere Beratungseinrichtungen, Institutionen zum Schutz vor häuslicher Gewalt, Kindergärten und Schulen sowie Familiengerichte und Polizei eng miteinander verzahnt werden.
Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen hat folgende Arbeitsaufträge:
Fester Bestandteil der Arbeitsfelder des Nationale Zentrums Frühe Hilfen ist auch die Umsetzung der folgenden Beschlüsse aus der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder vom 12. Juni 2008 unter dem Titel "Starke Netze für Kinder und Eltern knüpfen":
Um Kommunen dabei zu unterstützen, ihre Kinderschutzstrukturen mit wissenschaftlicher Expertise zu prüfen, Lücken zu identifizieren und diese zu schließen, hat das Nationale Zentrum Frühe Hilfen 2009 das Projekt "Aus Fehlern lernen - Qualitätsmanagement im Kinderschutz" gestartet, das interessierte Städte und Landkreise vertraulich bei der Analyse ihrer Strukturen unterstützt.