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Fr 01.05.2015

Gleichstellung in der Verwaltung: Erfahrungsbericht der Bundesregierung

Das Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG) hat zum Ziel, die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesverwaltung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Zudem soll den Belangen behinderter und von Behinderung bedrohter Frauen Rechnung getragen werden.

Nach Paragraf 25 des BGleiG ist die Bundesregierung verpflichtet, dem Deutschen Bundestag alle vier Jahre einen Erfahrungsbericht über die Situation der Frauen im Vergleich zu der der Männer im Anwendungsbereich des BGleiG vorzulegen.

Erster und zweiter Erfahrungsbericht

Der erste Erfahrungsbericht der Bundesregierung (Berichtszeitraum 1. Juli 2001 bis 30. Juni 2004) bilanzierte die ersten Erfolge des am 5. Dezember 2001 in Kraft getretenen Bundesgleichstellungsgesetzes. Der zweite Erfahrungsbericht der Bundesregierung wurde dem Deutschen Bundestag gemeinsam mit dem fünften Gremienbericht zum Bundesgremienbesetzungsgesetz (BGremBG) am 16. Dezember 2010 vorgelegt. Er evaluiert die Ergebnisse für den Berichtszeitraum 1. Juli 2004 bis 30. Juni 2009, gibt aber auch einen Überblick über die längerfristigen Entwicklungen im Bundesdienst.

Der zweite Erfahrungsbericht weist erfreuliche Zuwächse beim Frauenanteil an der Gesamtbeschäftigung aus (2009 erstmals knapp 51 Prozent Frauen). Dennoch sind Frauen in Führungspositionen in der Bundesverwaltung nach wie vor unterrepräsentiert: Nur 30 Prozent der Leitungsfunktionen im Bundesdienst sind mit Frauen besetzt – immerhin jedoch bereits sechs Prozentpunkte mehr als noch 2004.

Erhöhter Frauenanteil und mehr Teilzeitbeschäftigung

Bei den Abteilungsleitungen stieg der Frauenanteil von neun Prozent in 2004 auf 14 Prozent 2009. 18 Prozent der Unterabteilungsleitungen waren im Jahr 2009 weiblich. Die nach wie vor meisten Frauen in Führungspositionen in der Bundesverwaltung finden sich mit 26 Prozent (2009) auf Referatsleitungsebene. Hier zeigt sich zugleich auch der stärkste Zuwachs im Berichtszeitraum (im Vergleich: 2004 nur 19 Prozent).

Die Teilzeitbeschäftigung hat weiter zugenommen, wenngleich sie auch 2009 fast ausschließlich von Frauen in Anspruch genommen wird. Der Anteil der Männer an den Teilzeitbeschäftigten betrug im letzten Berichtsjahr lediglich neun Prozent und damit genauso viel wie fünf Jahre zuvor. Von allen männlichen Beschäftigten im Bundesdienst waren 2009 nur 3,3 Prozent in Teilzeit, während bei Frauen die entsprechende Quote bei 32 Prozent lag.

Verbesserungspotenzial und Handlungsempfehlungen

Hinsichtlich der Zusammenarbeit der nach dem BGleiG zuständigen Akteure – vor allem Personalverwaltung und Führungskräfte – gibt es aber nach wie vor deutliches Verbesserungspotenzial. Zudem wird das zentrale Steuerungsinstrument, der Gleichstellungsplan, der regelmäßig von den Dienststellen zu erstellen und zu aktualisieren ist, noch nicht effektiv genutzt.

Männer, die sich mehr Zeit für ihre Familie wünschen, sollen zudem von den Dienststellen der Bundesverwaltung durch geeignete Maßnahmen unterstützt werden. Gleichstellungsbeauftragte sollen sich stärker als Ansprechpartnerinnen für Männer zur Verfügung stellen. Die Gleichstellungsstatistik soll auf eine optimale Datenauswahl überprüft werden, zudem sollen die jährlichen Auswertungen durch das Statistische Bundesamt verbessert werden.

Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst, das am 1. Mai 2015 in Kraft getreten ist, berücksichtigt unter anderem auch diese Zielrichtungen.

Gleichstellungsplan

Zentrales Instrument des Bundesgleichstellungsgesetzes ist der Gleichstellungsplan, für den das Gesetz klare Anforderungen definiert. Er fasst die Selbstverpflichtungen der jeweiligen Behörde mit nachvollziehbaren Zielvorgaben und Zeitperspektiven zusammen.

Für eine effektivere Beachtung dieser Profilvorgaben und bessere Nutzung der Gleichstellungspläne sind Maßnahmen wie Schulungen, die Erarbeitung eines Muster-Gleichstellungsplans und die regelmäßige Abfrage und Sammlung der Pläne der obersten Bundesbehörden durch das Bundesfamilienministerium vorgesehen.