Do 27.05.2010
Gesundheit und gesundheitliche Versorgung gewaltbetroffener Frauen
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt Gewalt und insbesondere die häusliche Gewalt als eines der weltweit größten Gesundheitsrisiken für Frauen und Kinder. Die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in 2004 veröffentlichte Untersuchung "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" mit einer Befragung von 10.000 Frauen belegt das erhebliche Ausmaß von "Häuslicher Gewalt" gegen Frauen in Deutschland. Häufig waren - zum Teil erhebliche - gesundheitliche, physische und psychische Verletzungsfolgen festzustellen. Nicht selten können auch chronische Erkrankungen Folge von häuslicher Gewalt sein.
In einer Sonderauswertung dieser Repräsentativstudie "Gesundheit-Gewalt-Migration - Eine vergleichende Sekundäranalyse zur gesundheitlichen und Gewaltsituation von Frauen mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland" werden die Zusammenhänge von Gesundheit, Gewalt und Migration gezielt in den Blick genommen. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Opfer von Gewalt zu sein, belastet die Gesundheit von Frauen erheblich - quer durch alle unterschiedlichen sozialen Lagen und über alle ethnischen Hintergründe hinweg.
Ärztinnen und Ärzten kommt eine Schlüsselrolle bei der Versorgung von Gewaltopfern zu, nicht nur im Hinblick auf die Behandlung der Verletzungsfolgen, sondern vor allem auch, um Gewalt als Ursache von Gesundheitsstörungen zu erkennen. Sie brauchen die nötige Kompetenz und die besondere Sensibilität, die sie für einen angemessenen Umgang mit ihren gewaltbetroffenen Patientinnen befähigt. Sie können dann gesundheitliche Probleme entsprechend ihrer ursächlichen Entstehung wirksam behandeln. Außerdem können sie maßgebliche Impulse geben und betroffenen Frauen weiterführende Hilfsangebote und Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigen, um die Dynamik von Gewaltkreisläufen zu durchbrechen.
Die Sensibilisierung und Qualifizierung des medizinischen Personals für den Umgang mit Frauen als Opfer von häuslicher Gewalt ist daher ein wichtiges Ziel verschiedener Maßnahmen, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in diesem Bereich fördert.
So hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit S.I.G.N.A.L die wissenschaftliche Begleitung eines Gesundheitsinterventionsprogramms im Bereich der Krankenhäuser gefördert. Ein Praxishandbuch wurde im Rahmen des Projekts erstellt. Aufgrund der positiven Erfahrungen im klinischen Bereich wird nun ein Modellprojekt zur adäquaten Unterstützung von gewaltbetroffenen Frauen im ambulanten Versorgungsbereich durchgeführt.
Modellprojekt "Medizinische Intervention gegen Gewalt (MIGG)"
Im Rahmen des Modellprojektes wird ein Konzept für die Schulung von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten entwickelt und umgesetzt. Sie sollen befähigt werden, Gewalt als Ursache für Gesundheitsstörungen zu erkennen, zu dokumentieren und mit gewaltbetroffenen Patientinnen richtig umgehen zu können. Derzeit werden an den fünf Modellstandorten Düsseldorf, Kiel, München, Ennepe-Ruhr-Kreis und Berlin 140 Ärztinnen und Ärzte vor allem in hausärztlichen und gynäkologischen Praxen geschult. Das Modellprojekt wird wissenschaftlich begleitet und durch einen Beirat unterstützt. Nach Abschluss des Projektes in 2011 werden die Projektergebnisse für den gesamten ambulanten ärztlichen Versorgungsbereich in Deutschland zur Verfügung gestellt.
