Inhalt

Fr 19.12.2014

Kinder und Jugendliche sind mitbetroffen, wenn ihre Mutter Gewalt durch ihren Partner erleidet

Die in der Kindheit erlebte oder miterlebte Gewalt beeinträchtigt die kindliche Entwicklung unmittelbar und wirkt sich zudem nachhaltig auf das spätere Erwachsenenleben aus. Wenn es zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Eltern kommt, geraten Kinder häufig in diese hinein oder erleben diese mit. Die repräsentative Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" aus dem Jahr 2004ergab, dass 57 Prozent der von Partnergewalt betroffenen Frauen sagten, die Kinder hätten die Gewaltsituation gehört, und 50 Prozent sagten, die Kinder hätten sie gesehen. Etwa 21bis 25 Prozent gaben an, die Kinder seien in die Auseinandersetzungen mit hineingeraten oder hätten die Befragten zu verteidigen gesucht. Jedes zehnte Kind wurde dabei selbst körperlich angegriffen.

Frauen, die in ihrer Kindheit und Jugend körperliche Auseinandersetzungen zwischen den Eltern miterlebt haben, erleiden später mehr als doppelt so häufig selbst Gewalt durch den Partner als Frauen, die keine Zeuginnen von elterlicher Gewalt geworden sind. Frauen, die in Kindheit und Jugend direkt Opfer von körperlicher Gewalt durch Erziehungspersonen wurden, waren im Erwachsenenalter dreimal so häufig wie andere Frauen später von Gewalt durch den Partner betroffen. Hier wird deutlich, wie wichtig ein möglichst früh einsetzender Schutz von Mädchen und Jungen vor Gewalt ist.

Präventionsmaßnahmen

Um Kinder und Jugendliche effektiv gegen das Miterleben von Gewalt zu schützen, legt die Bundesregierung einen Handlungsschwerpunkt auf möglichst früh ansetzenden Präventionsmaßnahmen.

Ein Beispiel ist die vom Bundesfamilienministerium geförderte wissenschaftliche Begleitung des Berliner Modellprojektes "BIG Präventionsprojekt. Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe bei häuslicher Gewalt". Das Projekt erprobte an der Nahtstelle zwischen Schule und Jugendamt Vorgehensweisen zur Prävention von häuslicher Gewalt und zur Unterstützung von betroffenen Kindern und ihren Eltern. Im Juni 2008 fand die Fachkonferenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend "Präventionsmaßnahmen gegen häusliche Gewalt: Was kann Schule machen?" statt. Mit dieser erfolgreichen Auftaktveranstaltung wurden erstmals alle für die Themenstellung Prävention von häuslicher Gewalt im Bereich Schule relevanten Akteure von Bund, Ländern, Kommunen und Nichtregierungsorganisationen zusammengebracht. Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Häusliche Gewalt" hat Maßnahmen für die Einbringung der Thematik in den schulischen Bereich erarbeitet, um die bundesweite Präventionsarbeit zu unterstützen.

Bundesinitiative Frühe Hilfen

Jedes Kind in unserer Gesellschaft soll von Anfang an faire Chancen auf eine gesunde Entwicklung haben. Es ist wichtig, Belastungen und Risiken durch einen frühen Zugang und rechtzeitige Hilfen für Kinder und Familien im Rahmen von verbindlichen Netzwerken Früher Hilfen zu erkennen, um so den Kindern ein gesundes Aufwachsen und einen zuverlässigen Schutz vor Vernachlässigung und Misshandlung zu ermöglichen. Hierzu zählt auch der Schutz vor Belastungen durch miterlebte häusliche Gewalt.

Mit der Bundesinitiative Frühe Hilfen (2012-2015) stärkt die Bundesregierung die für Frühe Hilfen zuständigen Netzwerke in Ländern und Kommunen. Verschiedene Modelle der Einbindung von Familienhebammen und vergleichbar qualifizierter Gesundheitsberufe -  auch unter Einbeziehung von ehrenamtlichen Strukturen in die regionalen Netzwerke –  werden erprobt.  Dabei richtet sich der Blick besonders auf werdende Mütter und Väter und an Familien mit Kinder in den ersten drei Lebensjahren.

Arbeitshilfe für sensible Verfahrensgestaltung

Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Häusliche Gewalt" unter Federführung des Bundesfamilienministeriums hat in 2011 eine Arbeitshilfe zum Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) herausgegeben. Mit der Arbeitshilfe soll auf die besonderen Anforderungen an eine sensible Verfahrensgestaltung bei Vorliegen häuslicher Gewalt hingewiesen werden. Die Zielsetzungen des FamFG wie zum Beispiel die Beschleunigung der kindschaftsrechtlichen Verfahren müssen mit den Bedürfnissen der von häuslicher Gewalt Betroffenen nach Schutz und Unterstützung in Balance gebracht werden.

Suchen Frauen aufgrund von häuslicher Gewalt Schutz in einem Frauenhaus, so finden sehr häufig auch die Kinder Aufnahme in der Zufluchtseinrichtung und werden dort betreut. Die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die von Gewalt zwischen den Eltern mitbetroffen sind, bildet daher einen wichtigen Bereich in der Arbeit der Frauenhäuser.