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Mo 21.12.2015

Berufliche Selbstständigkeit

Die berufliche Selbstständigkeit von Frauen gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung. 32,4 Prozent aller Selbstständigen in Deutschland sind laut Mikrozensus (2014) Frauen. Der KfW-Gründungsmonitor 2015 verzeichnet mit 43 Prozent eine hohe Anzahl von Unternehmensgründungen durch Frauen. Insbesondere hält der Trend zu freiberuflichen Tätigkeitsfeldern weiter an, was im Wesentlichen mit dem hohen Anteil von Akademikerinnen unter den Gründerinnen korrespondiert.

Im europäischen Vergleich ist Deutschland Spitzenreiter hinsichtlich der von Gründerinnen geschaffenen Arbeitsplätze. Dies ergab die Studie "Genderaspekte in der Existenzgründung und Selbstständigkeit", die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellt wurde.

Bundesweite Gründerinnenagentur (bga)

Der Anteil der beruflich selbstständigen Frauen an allen Erwerbstätigen ist dennoch nur etwa halb so hoch wie der der Männer. Ein zentrales Anliegen der Bundesregierung ist es daher, Frauen bei der Existenzgründung zu unterstützen. Um Unternehmerinnen den Start in die selbstständige Erwerbstätigkeit zu erleichtern, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die bundesweite Gründerinnenagentur (bga) eingerichtet.

Unter einem zentralen Dach bündelt die bga die Aktivitäten zur unternehmerischen Selbstständigkeit in Deutschland und bietet branchenübergreifend Informationen und Dienstleistungen zu Existenzgründungen, Festigung, Wachstum und Unternehmensnachfolgen an. Die bga ist mit Regionalverantwortlichen in allen 16 Bundesländern vertreten. Die bga vermittelt Gründerinnen und Unternehmerinnenden Zugang zur Expertise von über 500 Beratungseinrichtungen für die Erst- und Orientierungsberatung, zu rund 1300 Expertinnen und Expertinnen für die vertiefte Fachberatung und das Branchen-Knowhow sowie zu 350 Netzwerken.

Roadshow "Meine Zukunft: Chefin im Handwerk"

Aktuell erfolgt jede vierte Gründung im Handwerk durch eine Frau, davon der überwiegende Teil im Friseur- und Kosmetikhandwerk. Die große Vielfalt der gewerblich-technischen Handwerksberufe ist viel zu wenig bekannt, obwohl gerade sie angehenden Handwerks-Chefinnen - zum Beispiel als Optikerin oder Hörgeräteakustikerin- gute Karrierechancen bietet. Weibliche Vorbilder sind hier jedoch noch selten.

Die Roadshow "Meine Zukunft: Chefin im Handwerk" zeigt am Beispiel von erfolgreichen Chefinnen im Handwerk Vorbilder, um junge Frauen dazu zu ermutigen, die Vision eines eigenen Handwerksunternehmens zu entwickeln und kreative Ideen umzusetzen. Die interaktive Ausstellung tourt seit 2011 durch Deutschland und wird in den Handwerkskammern, aber auch in Landes-, Bildungs- und kommunalen Einrichtungen und den Agenturen für Arbeit gezeigt. Die Roadshow ist ein Projekt des Bundesfamilienministeriums und Teil der untergesetzlichen Maßnahmen im Themenbereich "Frauen in Führungspositionen".

Unternehmensnachfolge durch Frauen

Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung zufolge stehen im Fünf-Jahreszeitraum von 2014 bis 2018 rund 135.000 Übergaben in Familienunternehmen bevor (IfM Bonn, 2014). Dass dabei Töchter in der Geschäftsleitung genauso erfolgreich sind wie Söhne, zeigt die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellte Studie "Familiendynamik in Familienunternehmen: Warum sollten Töchter nicht erste Wahl sein?" Frauen sind als Chefinnen besonders verantwortungsbewusst. Ergebnisse einer Studie des IW Köln zeigen, dass Unternehmerinnen bereits im Alter von 50 Jahren erste Überlegungen zur betrieblichen Nachfolge anstellen und dass die Sicherung der Arbeitsplätze ihrer Belegschaft an erster Stelle steht - noch vor der Sicherung der eigenen Altersvorsorge.

Damit Frauen bei Unternehmensübergaben künftig verstärkt zum Zuge kommen, unterstützen das Bundesfamilien- und Bundeswirtschaftsministerium die Kampagne "Nachfolge ist weiblich!". Sie wird von einer Arbeitsgruppe gesteuert, der neben den Bundesressorts rund 100 Expertinnen und Experten aus den Landesministerien, Kammern, der freien Wirtschaft und der Forschung angehören. Im Rahmen der Kampagne wird seit 2006 jährlich der Nationale Aktionstag zur Unternehmensnachfolge durch Frauen durchgeführt mit jeweils rund 50 regionalen Veranstaltungen und Aktionen bundesweit wie zum Beispiel Podiumsdiskussionen, Infotelefon, Beratungen und Live-Chats mit erfolgreichen Betriebsübernehmerinnen.

Migrantinnen gründen

Der Weg zum eigenen Unternehmen bietet Migrantinnen einen Zugang zur Erwerbstätigkeit und die Chance, ihre Fähigkeiten wirkungsvoll zum Einsatz zu bringen. Bisher fehlte es an Projekten, die die Selbstständigkeit von Migrantinnen gezielt in den Blick nehmen. Im Rahmen einer gemeinsamen Initiative von Bundesfamilien- und Bundeswirtschaftsministerium werden Migrantinnen auf dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit unterstützt. Im Projekt geht es neben der Vermittlung von Kenntnissen im Projektmanagement darum, die kommunikativen Kompetenzen der Gründerinnen zu stärken. Darüber hinaus sollen wichtige Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für die Belange von Unternehmerinnen mit Migrationshintergrund sensibilisiert werden. Mit der Präsenz von migrantischen Existenzgründerinnen in den (neuen) Medien sollen Vorbilder generiert werden.