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Mo 16.08.2010

Entgeltungleichheit

Überall in Europa verdienen Frauen weniger als Männer. In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union beträgt der geschlechterbezogene Einkommensunterschied im Durchschnitt 18 Prozent. In Deutschland beträgt die Lohnlücke 23 Prozent. Damit liegt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich auf dem fünftletzten Platz (Datenbank des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) 2009 mit Daten für 2008). Im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie hat sich die Bundesregierung verpflichtet, die Lohnlücke bis zum Jahr 2020 auf 10 Prozent zu reduzieren. Dies kann nur in präziser Kenntnis der Ursachen der Entgeltunterschiede gelingen.

Ursachen der Entgeltungleichheit

In Deutschland gibt es bei der Lohnlücke ein deutliches Gefälle zwischen Ost- (6 Prozent) und Westdeutschland (25 Prozent) (Statistisches Bundesamt 2010 mit Daten für 2009). Die Verdienstabstände werden mit höherer Ausbildung und mit zunehmendem Alter größer. Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wochenbericht DIW 2008) machen außerdem die großen Unterschiede zwischen ländlichen Gebieten (33 Prozent) und Großstädten (12 Prozent) deutlich.

Es bestehen vor allem drei Ursachen für die Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern:

  • Frauen fehlen in bestimmten Berufen, Branchen und auf den höheren Stufen der Karriereleiter.
  • Frauen haben häufigere und längere familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und -reduzierungen als Männer.
  • Individuelle und kollektive Lohnverhandlungen haben gleichermaßen nicht nachhaltig dazu beitragen können, die Schlechterbewertung "typischer Frauentätigkeiten" zu beenden.

Dauer familienbedingter Erwerbsunterbrechungen angleichen

Nach längeren familienbedingten Erwerbsunterbrechungen und damit verbundenen Einbußen beim Gehalt können Frauen den Einkommensvorsprung ihrer männlichen Kollegen oft nicht mehr aufholen. Gerade in Deutschland (insbesondere in Westdeutschland) sind lange Familienphasen und eine hohe Teilzeitquote typisch für Frauenerwerbsverläufe.

Ziel ist daher eine stärkere Angleichung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit und der Lebensarbeitszeit von Frauen und Männern, zum Beispiel durch die stärkere Inanspruchnahme der Elternzeit durch Väter. Die Partnermonate des Elterngeldes sind ein besonders wichtiger Baustein der Politik des Bundesfamilienministeriums zur Überwindung der Entgeltungleichheit. Zudem werden mit dem Aktionsprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" die Ein- und Aufstiegschancen von Frauen nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung verbessert.

Gemeinsam Zeichen setzen

2001 hat die Bundesregierung im Rahmen der Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft das Thema Entgeltgleichheit als eine von vier Zielgrößen verankert. 2009 und 2010 stand dieses Thema im Mittelpunkt der gemeinsamen Aktivitäten, auch auf dem zweiten und dritten "Equal Pay Day". Der Aktionstag wird koordiniert vom Verband Business and Professional Women Germany (BPW), gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und getragen von einem breiten Bündnis von Frauen- und Wirtschaftsverbänden - darunter der Deutsche Frauenrat, der Bundesverband der deutschen Arbeitgeberverbände, der Verband deutscher Unternehmerinnen und die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbeauftragter.

Transparenz schaffen - Verhandlungsergebnisse verbessern

Um verdeckte Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern in Unternehmen zu identifizieren und gezielt zu überprüfen, welches die Ursachen dafür sind, bietet das Bundesfamilienministerium das Computerprogramm Logib-D an. Arbeitgeber, die mit geringem Aufwand und anonym untersuchen wollen, ob sie Männern und Frauen unterschiedliche Löhne und Gehälter zahlen und in welchen Bereichen eine bessere Bezahlung von Frauen eine ausgewogene Entgeltstruktur am nachhaltigsten fördert, können sich das Programm "Logib-D" aus dem Internet herunterladen. Faire Bezahlung lohnt sich für die Beschäftigten und das Unternehmen. Sie steigert die Arbeitszufriedenheit und Motivation und schafft Wettbewerbsvorteile für die Unternehmen bei der Bindung und Gewinnung von qualifiziertem Personal. Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels ist Logib-D eine gute Investition in die Zukunft des Unternehmens.

Zusätzlich zur Nutzung von Logib-D als Excel-Programm wurde eine Online-Version eingeführt. Interessierte Unternehmen können nun direkt auf der Internetseite ihre Daten hochladen. Das Web-Tool liefert grundsätzlich die gleichen Ergebnisse und verfügt über eine vereinfachte Nutzerführung und eine detaillierte Erfassung der Daten. Das Programm stellt anhand der eingegebenen Daten in wenigen Minuten einen Bericht speziell zur Lage im jeweiligen Betrieb zur Verfügung.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stellt für 200 interessierte Unternehmen in den Jahren 2010 bis 2012 kostenlos eine vertrauliche standardisierte Vergütungsberatung auf Basis von Logib-D zur Verfügung. In regelmäßigen Abständen werden in diesem Zeitraum Beratungspakete an jeweils 25 Unternehmen vergeben, die sich über die Internetseite von Logib-D beworben haben.

Unterstützung aus Brüssel

Auch die Europäische Union hat das Thema Entgeltgleichheit zu einem Schwerpunktthema der Gleichstellungspolitik gemacht. Die Europäische Kommission hat eine Informationskampagne zum Thema Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern gestartet, deren zweite Phase im März 2010 begann.

Forschungsergebnisse veröffentlicht

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat darüber hinaus verschiedene Forschungsaufträge erteilt - unter anderem an das Statistische Bundesamt, das Institut der Deutschen Wirtschaft, Sinus Sociovision und die Hans-Böckler-Stiftung. Die Ergebnisse wurden im Dossier "Entgeltungleichheit" vom Bundesfamilienministerium veröffentlicht, in dem erstmals umfassend und grundlegend Daten zum Thema Lohnunterschied zwischen Frauen und Männer zusammengestellt sind.