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Di 05.07.2016

Lohngerechtigkeit - denn gleich ist mehr!

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Überall in Europa verdienen Frauen weniger als Männer. In Deutschland liegt die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern bei 21 Prozent. Ein  Grund: Frauen arbeiten häufiger in niedrig entlohnten Branchen und Berufen. Doch auch bei gleicher formaler Qualifikation und ansonsten gleichen Merkmalen beträgt der Entgeltunterschied immer noch 7 Prozent. Ein klarer Hinweis auf versteckte Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt.

Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit

Um die Lohnlücke zu schließen will die Bundesregierung mit einem Gesetz zur Lohngerechtigkeit nach dem Prinzip "Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit" mehr Transparenz in die Gehälter bringen:

  • Unternehmen ab 500 Beschäftigten sollen verpflichtet werden, auch zur Frauenförderung und Entgeltgleichheit nach gesetzlichen Kriterien Stellung zu nehmen.
  • Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird ein individueller Auskunftsanspruch festgelegt.
  • Unternehmen werden dazu aufgefordert, mit Hilfe verbindlicher Verfahren und gemeinsam mit den Beschäftigten und unter Beteiligung der Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter im Betrieb in eigener Verantwortung erwiesene Entgeltdiskriminierung zu beseitigen.

Damit das Gesetz einfach umgesetzt werden kann, soll zur Unterstützung der Betriebe ein Musterverfahren etabliert werden, das eine vereinfachte Anwendung und Hilfestellung bei dem neuen Gesetz ermöglicht. So werden Bürokratiekosten minimiert und Qualitätsstandards etabliert.

Gründe für die Lohnlücke

Die Gründe für die Lohnlücke sind vielschichtig: Neben der unterschiedlichen Berufswahl – arbeiten Frauen häufig in sozialen oder personennahen Dienstleistungen, die schlechter bezahlt werden als beispielsweise technische Berufe - ist insbesondere die (längere) familienbedingte Erwerbsunterbrechung und der anschließende Wiedereinstieg in Teilzeit und Minijobs ein Grund: 45 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen arbeiten in Teilzeit. 3,4 Millionen Frauen sind ausschließlich in sogenannten Minijobs beschäftigt.

Zudem haben Frauen noch immer schlechtere Karrierechancen: Frauen sind in Führungspositionen, besonders in den Spitzenpositionen, unterrepräsentiert. Führen in Teilzeit findet kaum statt. Auch Rollenstereotype und geschlechtsspezifische Zuschreibungen wirken bei der Arbeitsbewertung, Leistungsfeststellung oder Stellenbesetzung noch immer nach und können zu zumeist indirekter Benachteiligung und mittelbarer Diskriminierung führen.

Maßnahmen der Bundesregierung

Um der Lohnlücke entgegen zu wirken hat die Bundesregierung bereits einige Maßnahmen auf den Weg gebracht. Von der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns profitieren mehrheitlich Frauen in niedrig entlohnten Dienstleistungsbereichen und in geringfügiger Beschäftigung.

Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung, dem Elterngeld und dem ElterngeldPlus sowie mit der Verbesserung der Familienpflegezeit werden Anreize für weniger und kürzere familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und eine rasche Rückkehr in den Beruf geschaffen. Zudem werden mit dem Aktionsprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" die Ein- und Aufstiegschancen von Frauen nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung verbessert.

Außerdem soll die Arbeit in den Bereichen Pflege, Betreuung und frühkindliche Bildung weiter aufgewertet werden. Gemeinsam mit den Tarifpartnern will die Bundesregierung die Feststellung des Wertes von Berufsfeldern, Arbeitsbewertungen und die Bewertung von Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen voranbringen.

Mehr Frauen in Führungspositionen

Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst hat eine Geschlechterquote in Aufsichtsräten eingeführt und verpflichtet große Unternehmen zu verbindlichen Zielgrößen. Dies wird Unternehmenskulturen nachhaltig verändern.

Entgeltungleichheit in Tarifverträgen

Flankierend zum Gesetzesvorhaben zur Lohngerechtigkeit will die Bundesregierung eine Initiative gemeinsam mit den Tarifpartnern starten, um die Muster von struktureller Entgeltungleichheit in Tarifverträgen zu erkennen und zu überwinden. Ein erster Schritt ist der Sozialpartnerdialog, der mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften gestartet wurde. Dadurch soll weiteres Engagement auf einer untergesetzlichen Ebene zusammen mit der Wirtschaft und den Gewerkschaften ermöglicht werden.

Um die Lohnlücke nachhaltig zu reduzieren muss an einer Gesamtstrategie gearbeitet werden. Maßnahmen wie die folgenden setzen deshalb auch auf Aufmerksamkeit und Sensibilisierung, eröffnen neue Handlungsschwerpunkte und aktivieren die entscheidenden Akteure:

Equal Pay Day

Der Equal Pay Day macht alljährlich auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam
Vergrößerte Ansicht des Bildes Bildnachweis: BMFSFJ Der Equal Pay Day macht alljährlich auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam
Der Equal Pay Day wird vom Business und Professional Women - Germany e.V. (BPW Germany) initiiert und durch das Bundesfamilienministerium gefördert. Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen seit Jahresanfang umsonst arbeiten müssen, während Männer in der gleichen Zeit bereits für ihre Arbeit bezahlt werden. Der letzte Equal Pay Day war am 19. März 2016.

EVA-Liste

EVA steht für "Evaluierung von Arbeitsbewertungsverfahren". Mit der EVA-Liste können einzelne Verfahren der Arbeitsbewertung anhand ausgewählter Fragen auf Geschlechtsneutralität hin überprüft werden. Die Liste wertet Arbeitsbewertungen in Tarifverträgen aus und ist ein niedrigschwelliges Instrument, das unkompliziert von verhandelnden Sozialpartnern angewendet werden kann.

Einkommensperspektiven im ländlichen Raum

Seit 2011 fördert das Bundesfamilienministerium auch das Projekt "LandFrauenStimmen für die Zukunft" des Deutschen Landfrauenverbandes, das sich für faire Einkommensperspektiven im ländlichen Raum einsetzt. Im Projekt wird den Ursachen der größeren Lohnlücke im ländlichen Raum nachgegangen und Handlungsmöglichkeiten zur Überwindung entwickelt. Daneben werden die Vernetzung und der Austausch von Frauen in ländlichen Selbstverwaltungsgremien der Landwirtschafts-, Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern gefördert.

Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)

Die ILO erarbeitet in einem Konsultationsprozess gemeinsam mit den Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen sowie Tarif- und Mindestlohnkommissionen die Aspekte und Risiken der betrieblichen Entgeltdiskriminierung, indem Lösungsansätze und ein sechsstufiges ILO-Job Evaluation Tool für Deutschland zur Verfügung gestellt werden soll. Konkrete Erfahrungen und Instrumente der ILO sowie Praxiserfahrungen aus Schweden, Portugal und der Schweiz werden ebenfalls im Rahmen eines Implementierungsprozesses in die unternehmerische Praxis übertragen.

Projekt: Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!

Das Projekt "Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!", das das Bundesfamilienministerium in Kooperation mit dem DGB-Bundesvorstand durchführt, soll die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen stärken. Dazu werden politische, gewerkschaftliche und betriebliche Akteure einbezogen. Entsprechend des Ansatzes der Lebenslaufsperspektive fokussiert sich das Projekt auf Umbruchssituationen im Lebenslauf. Es werden gezielt junge Frauen, die sich im Übergang von der Ausbildung in den Beruf befinden, und Frauen, die Übergangssituationen rund um die Familienphase zu meistern haben, in den Blick genommen. In einem Schwerpunkt werden Soziale Medien einbezogen und web-basierte Elemente eingesetzt, wie das Web-Quiz "Die Generalprobe" (www.die-generalprobe.de).

Das Projekt ist im September 2014 gestartet und läuft derzeit bis August 2016.

Girls' Day und Boys' Day

Kampagnen wie Girls' Day und Boys' Day wirken auf das Berufswahlverhalten junger Menschen ein. Eine ganze Reihe von Initiativen von Wirtschaft und Bundesregierung zielen auf eine höhere Beteiligung von Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen ab. So setzt sich die Bundesregierung für eine geschlechtergerechte Berufsberatung ein, die Informationen über alle Berufs- und Verdienstmöglichkeiten für Mädchen und Jungen bietet. Im Rahmen der Bundesinitiative "Geschlechtergerechte Studien- und Berufswahl" erarbeiten Expertinnen und Experten bis Ende 2017 eine gemeinsame Strategie und Maßnahmen.