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Di 03.05.2016

Lohngerechtigkeit

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Überall in Europa verdienen Frauen weniger als Männer. In Deutschland betrug die statistische Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern 2015, bezogen auf das durchschnittliche Stundenentgelt, 21 Prozent (Ost: 8 Prozent/ West: 23 Prozent, Quelle Destatis 2016). Dahinter steht eine Reihe miteinander verbundener struktureller Ursachen:

  • Unterschiedliche Berufswahl: Frauen arbeiten häufiger in niedrig entlohnten Branchen und Berufen wie beispielsweise in sozialen oder personennahen Dienstleistungen
  • (längere) familienbedingte Erwerbsunterbrechung und der anschließende Wiedereinstieg in Teilzeit und Minijobs: 45 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen arbeiten in Teilzeit. 3,4 Millionen Frauen sind ausschließlich in sogenannten Minijobs beschäftigt
  • Schlechtere Karrierechancen: Frauen sind in Führungspositionen, besonders in den Spitzenpositionen, unterrepräsentiert. Führen in Teilzeit findet kaum statt
  • Rollenbilder: Rollenstereotype und geschlechtsspezifische Zuschreibungen wirken bei der Arbeitsbewertung, Leistungsfeststellung oder Stellenbesetzung noch immer nach und können zu zumeist indirekter Benachteiligung und mittelbarer Diskriminierung führen
  • Die Lohndifferenz von 21 Prozent ist damit ein Indikator für die unterschiedliche Präsenz und ungleiche Einkommensperspektiven von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt. Aber auch bei gleicher formaler Qualifikation und ansonsten gleichen Merkmalen beträgt der Entgeltunterschied immer noch 7 Prozent - ein klarer Hinweis auf versteckte Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt. Die statistische Entgeltlücke ist gesamtwirtschaftlich belegt und kann - mit den gleichen Mustern - in den meisten Unternehmen beobachtet und nachgewiesen werden.

Die Vielschichtigkeit der Ursachen bedeutet, dass nur das Zusammenwirken von ursachengerechten Maßnahmen im Rahmen einer Gesamtstrategie die Lohnlücke nachhaltig reduzieren kann. Maßnahmen wie die folgenden setzen deshalb auch auf Aufmerksamkeit und Sensibilisierung, eröffnen neue Handlungsschwerpunkte und aktivieren die entscheidenden Akteure:

Gesetzesvorhaben zur Lohngerechtigkeit für Frauen und Männer

Um das Prinzip "Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit" besser zur Geltung zu bringen, will die Bundesregierung mit einem Gesetz zur Lohngerechtigkeit mehr Transparenz bei geschlechtsspezifischen Entgeltstrukturen ermöglichen, die es erleichtert Entgeltdiskriminierung zu beseitigen:

Unternehmen ab 500 Beschäftigte sollen verpflichtet werden, auch zur Frauenförderung und Entgeltgleichheit nach gesetzlichen Kriterien Stellung zu nehmen.

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird ein individueller Auskunftsanspruch festgelegt.

Unternehmen werden dazu aufgefordert, mit Hilfe verbindlicher Verfahren und gemeinsam mit den Beschäftigten und unter Beteiligung der Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter im Betrieb in eigener Verantwortung erwiesene Entgeltdiskriminierung zu beseitigen.

Flankierend dazu will die Bundesregierung eine Initiative gemeinsam mit den Tarifpartnern starten, um die Muster von struktureller Entgeltungleichheit in Tarifverträgen zu erkennen und zu überwinden. Ein erster Schritt ist der Sozialpartnerdialog, der mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften gestartet wurde. Dadurch soll weiteres Engagement auf einer untergesetzlichen Ebene zusammen mit der Wirtschaft und den Gewerkschaften ermöglicht werden.

Musterverfahren

Zur Unterstützung der Betriebe wird ein Musterverfahren etabliert, das eine vereinfachte Anwendung und Hilfestellung bei dem neuen Gesetz ermöglicht, so dass Bürokratiekosten minimiert und Qualitätsstandards etabliert werden können. So soll faktisch dem Gesetz zur Umsetzung verholfen werden.

Equal Pay Day

Der Equal Pay Day macht alljährlich auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam
Vergrößerte Ansicht des Bildes Bildnachweis: BMFSFJ Der Equal Pay Day macht alljährlich auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam
Der Equal Pay Day wird vom Business und Professional Women - Germany e.V. (BPW Germany) initiiert und durch das Bundesfamilienministerium gefördert. Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen seit Jahresanfang umsonst arbeiten müssen, während Männer in der gleichen Zeit bereits für ihre Arbeit bezahlt werden. Der letzte Equal Pay Day war am 19. März 2016.

EVA-Liste

EVA steht für "Evaluierung von Arbeitsbewertungsverfahren". Mit der EVA-Liste können einzelne Verfahren der Arbeitsbewertung anhand ausgewählter Fragen auf Geschlechtsneutralität hin überprüft werden. Die Liste wertet Arbeitsbewertungen in Tarifverträgen aus und ist ein niedrigschwelliges Instrument, das unkompliziert von verhandelnden Sozialpartnern angewendet werden kann.

Einkommensperspektiven im ländlichen Raum

Seit 2011 fördert das Bundesfamilienministerium auch das Projekt "LandFrauenStimmen für die Zukunft" des Deutschen Landfrauenverbandes, das sich für faire Einkommensperspektiven im ländlichen Raum einsetzt. Im Projekt wird den Ursachen der größeren Lohnlücke im ländlichen Raum nachgegangen und Handlungsmöglichkeiten zur Überwindung entwickelt. Daneben werden die Vernetzung und der Austausch von Frauen in ländlichen Selbstverwaltungsgremien der Landwirtschafts-, Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern gefördert.

Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)

Die ILO erarbeitet in einem Konsultationsprozess gemeinsam mit den Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen sowie Tarif- und Mindestlohnkommissionen die Aspekte und Risiken der betrieblichen Entgeltdiskriminierung, indem Lösungsansätze und ein sechsstufiges ILO-Job Evaluation Tool für Deutschland zur Verfügung gestellt werden soll. Konkrete Erfahrungen und Instrumente der ILO sowie Praxiserfahrungen aus Schweden, Portugal und der Schweiz werden ebenfalls im Rahmen eines Implementierungsprozesses in die unternehmerische Praxis übertragen.

Projekt: Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!

Das Projekt "Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!", das das Bundesfamilienministerium in Kooperation mit dem DGB-Bundesvorstand durchführt, soll die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen stärken. Dazu werden politische, gewerkschaftliche und betriebliche Akteure einbezogen. Entsprechend des Ansatzes der Lebenslaufsperspektive fokussiert sich das Projekt auf Umbruchssituationen im Lebenslauf. Es werden gezielt junge Frauen, die sich im Übergang von der Ausbildung in den Beruf befinden, und Frauen, die Übergangssituationen rund um die Familienphase zu meistern haben, in den Blick genommen. In einem Schwerpunkt werden Soziale Medien einbezogen und web-basierte Elemente eingesetzt, wie das Web-Quiz "Die Generalprobe" (www.die-generalprobe.de).

Das Projekt ist im September 2014 gestartet und läuft derzeit bis August 2016.

Weitere Maßnahmen zur Förderung der Entgeltgleichheit

Folgende Maßnahmen helfen ebenfalls, die Rahmenbedingungen zu verbessern und tragen zu einer nachhaltigen Reduzierung der Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern bei:

Von der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns profitieren mehrheitlich Frauen in niedrig entlohnten Dienstleistungsbereichen und in geringfügiger Beschäftigung.

Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung, dem Elterngeld und dem ElterngeldPlus sowie mit der Verbesserung der Familienpflegezeit werden Anreize für weniger und kürzere familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und eine rasche Rückkehr in den Beruf geschaffen. Zudem werden mit dem Aktionsprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" die Ein- und Aufstiegschancen von Frauen nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung verbessert.

Kampagnen wie Girls' Day und Boys' Day wirken auf das Berufswahlverhalten junger Menschen ein. Eine ganze Reihe von Initiativen von Wirtschaft und Bundesregierung zielen auf eine höhere Beteiligung von Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen ab. So setzt sich die Bundesregierung für eine geschlechtergerechte Berufsberatung ein, die Informationen über alle Berufs- und Verdienstmöglichkeiten für Mädchen und Jungen bietet. Im Rahmen der Bundesinitiative "Geschlechtergerechte Studien- und Berufswahl" erarbeiten Expertinnen und Experten bis Ende 2017 eine gemeinsame Strategie und Maßnahmen.

Außerdem soll die Arbeit in den Bereichen Pflege, Betreuung und frühkindliche Bildung weiter aufgewertet werden. Gemeinsam mit den Tarifpartnern will die Bundesregierung die Feststellung des Wertes von Berufsfeldern, Arbeitsbewertungen und die Bewertung von Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen voranbringen.

Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst hat eine Geschlechterquote in Aufsichtsräten eingeführt und verpflichtet große Unternehmen zu verbindlichen Zielgrößen. Dies wird Unternehmenskulturen nachhaltig verändern.