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Mi 10.12.2014

Genitale Verstümmelung bei Frauen und Mädchen

Die Bundesregierung setzt sich seit vielen Jahren für die Überwindung der Genitalverstümmelung (englisch: female genital mutilation, FGM) von Mädchen und Frauen ein. Nach Angaben von UNICEF sind weltweit etwa 125 Millionen Frauen und Mädchen betroffen, vor allem im nördlichen Afrika aber auch in südostasiatischen Ländern und im Mittleren Osten. In den letzten Jahren ist das Bewusstsein in der Öffentlichkeit dafür gewachsen, dass aufgrund von Migrationsprozessen auch innerhalb der deutschen Gesellschaft eine Auseinandersetzung mit diesem Problem notwendig ist. Genaue Zahlen, wie viele von Genitalverstümmelung betroffene Mädchen und Frauen in Deutschland leben, liegen bisher nicht vor.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet vier Formen von weiblicher Genitalverstümmelung: Entfernung der Vorhaut mit der ganzen oder einem Teil der Klitoris (Klitoridektomie), Entfernung der Klitoris mit teilweiser oder totaler Entfernung der kleinen Schamlippen (Exzision), Entfernung der ganzen oder eines Teils der äußeren Genitalien und Verengung oder Verschließung der vaginalen Öffnung (Infibulation) sowie andere Formen von medizinisch nicht erforderlichen Verletzung der äußeren und/oder inneren weiblichen Geschlechtsorgane wie zum Beispiel Piercing, Einschnitt oder Einriss der Klitoris.

Die Vornahme der weiblichen Genitalverstümmelung kann zu schweren seelischen und körperlichen Schäden führen. Frauen sind damit ihr Leben lang belastet. Bei der Behandlung von betroffenen Mädchen und Frauen ist für medizinische Fachkräfte neben einem guten Fachwissen auch eine besondere Sensibilität für die soziale und psychische Situation der Betroffenen erforderlich. Daher hat die Bundesärztekammer bereits im Jahr 2005 Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung herausgegeben und diese Ende des Jahres 2012 aktualisiert.

Arbeitsgruppe aus Bund, Ländern und Nichtregierungsorganisationen ins Leben gerufen

Entscheidend für die Überwindung von weiblicher Genitalverstümmelung in Deutschland ist die Einbeziehung lokaler Schlüsselakteure und eine Zusammenarbeit mit den betroffenen Kulturkreisen. Die Bundesregierung hat daher eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, in der Vertreterinnen und Vertreter von Bundesressorts, den Ländern, der Bundesärztekammer und von Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten.

Die Arbeitsgruppe hat Anfang 2014 die Mitteilung der Europäischen Kommission zur Bekämpfung von weiblicher Genitalverstümmelung zu ihrer Arbeitsgrundlage erklärt. Die Mitteilung beinhaltet verschiedene Maßnahmen, mit denen die weibliche Genitalverstümmelung bekämpft werden soll, unter anderem:

  • die Erlangung eines besseren Verständnisses der Problematik der weiblichen Genitalverstümmelung in der EU,
  • die Förderung eines nachhaltigen sozialen Wandels, um weibliche Genitalverstümmelung zu verhindern,
  • die Unterstützung der Mitgliedstaaten bei einer wirksamen Strafverfolgung von weiblicher Genitalverstümmelung und
  • der Schutz für gefährdete Frauen im Hoheitsgebiet der EU.

Die Bedrohung mit Genitalverstümmelung ist als geschlechtsspezifische Verfolgung, die der Betroffenen auch durch nichtstaatliche Akteure drohen kann, im Asylverfahrensgesetz als Fluchtgrund anerkannt.

Wegen der Schwere der Rechtsverletzung wurde im September 2013 mit § 226a StGB ein Spezialstraftatbestand geschaffen, der die Straftat der Verstümmelung weiblicher Genitalien zum Verbrechen heraufstuft. Eine Ausdehnung der Anwendbarkeit dieses Tatbestands auf weitere ausschließlich im Ausland begangene Taten wird derzeit erwogen.

Bundesweites Hilfetelefon

Unterstützung erhalten Betroffene von Genitalverstümmelung auch über das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 - 116 016.  Neben den betroffenen Frauen können sich auch Angehörige, Freunde und Menschen aus dem sozialen Umfeld sowie Fachkräfte an das Hilfetelefon wenden. Das barrierefreie, anonyme und mehrsprachige Angebot steht rund um die Uhr zur Verfügung.