http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=73032.html

Mi 06.03.2013

Gewalt gegen Migrantinnen

40 Prozent der in der in 2004 veröffentlichten Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" befragten Frauen gaben an, seit dem 16. Lebensjahr mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt geworden zu sein. Eine Zusatzbefragung gibt Hinweise darauf, dass die Quote von Gewalterfahrungen bei Migrantinnen noch höher und die erlittene Gewalt auch öfter mit Verletzungen verbunden ist als bei deutschen Frauen. Besonders häufig erleben Flüchtlingsfrauen Gewalt. Die Ergebnisse der Zusatzbefragung sind aufgrund der kleinen Stichproben nicht repräsentativ, spiegeln aber dennoch Tendenzen der Gewaltbetroffenheit wider.

Migrantinnen häufiger von Gewalt betroffen

Die Daten dieser Untersuchung wurden 2008 in einer vergleichenden Sekundäranalyse "Gesundheit - Gewalt - Migration" vertieft ausgewertet. Ein zentrales Ergebnis ist, dass die stärkere gesundheitliche Belastung von Migrantinnen nicht überwiegend auf deren höhere Gewaltbelastung zurückzuführen ist. Sie hängt auch mit anderen Faktoren zusammen, wie der sozialen Lage, dem geringeren Bildungs- und Ausbildungsniveau, dem Mangel an beruflichen und sozialen Einbindungen sowie dem Fehlen eines vertrauensvollen, engen Beziehungsnetzes.

Die bestehenden Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten sind nach Erkenntnissen aus den o.g. Studien gewaltbetroffenen Migrantinnen nur unzureichend bekannt. Fehlen Sprachkenntnisse führen dazu, dass die Angebote zudem von den betroffenen Migrantinnen nicht ausreichend genutzt werden.

Deshalb ist gerade für Migrantinnen der Ausbau niedrigschwelliger, zugehender und anonymer Hilfsangebote wichtig. In diesem Bereich ist es auch erforderlich, gezielt mehrsprachige Öffentlichkeitsarbeit zu leisten.

Diese besondere Situation und die Bedürfnisse von Migrantinnen werden beim Aufbau des bundesweiten Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen" berücksichtigt, welches im März 2013 freigeschaltet wurde. Das bundesweite und an einem Standort angesiedelte Hilfetelefon wird ein niedrigschwelliges, auf Dauer angelegtes, qualifiziertes telefonisches Erstberatungs- und Weitervermittlungsangebot für Frauen in allen Gewaltsituationen, deren soziales Umfeld und die Öffentlichkeit sein. Die Angebote des Hilfetelefons und auch die Öffentlichkeitsarbeit werden mehrsprachig ausgestaltet. Mit diesem neuen Hilfsangebot wird für Migrantinnen der Zugang zu Beratung und Unterstützung wesentlich verbessert.

Grundsätzlich sieht sich ein großer Teil der Frauenunterstützungseinrichtungen für die Unterstützung von Migrantinnen als gut geeignet an, auch wenn die Überwindung sprachlicher und anderer Barrieren besondere Anforderungen an die Einrichtungen stellt. Vor allem das stationäre Schutzangebot in Frauenhäusern wird von Migrantinnen stark genutzt; für sie scheinen sich seltener andere Möglichkeiten zu bieten als für deutsche Frauen.

Eine Untersuchung von Interventionsprojekten gegen häusliche Gewalt in Deutschland zeigt, dass Migrantinnen durch Frauenhäuser und durch zugehende Beratungsangebote von Interventionsstellen besser als durch andere Hilfsangebote erreicht werden. Die neuen Beratungsformen der zugehenden Beratung haben sich sehr für Migrantinnen, insbesondere diejenigen mit geringen Deutschkenntnissen, bewährt. Die Mitarbeiterinnen der Interventionsstellen werden von der Polizei bei Fällen häuslicher Gewalt informiert. Sie nehmen Kontakt mit den Betroffenen auf, beraten und begleiten sie im weiteren Verfahren. Ärztinnen, Ärzte und Polizei sind oft die ersten Anlaufstellen, die Kenntnis von häuslicher Gewalt bekommen. Diese Berufsgruppen sollten weiterhin im Umgang mit ausländischen betroffenen Frauen geschult werden.


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