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Mi 10.12.2014

Gewalt gegen Migrantinnen

Laut der 2004 veröffentlichten Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" sind 40 Prozent der befragten Frauen seit ihrem 16. Lebensjahr mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt geworden. Eine Zusatzbefragung gibt Hinweise darauf, dass die Quote von Gewalterfahrungen bei Migrantinnen noch höher und die erlittene Gewalt auch öfter mit Verletzungen verbunden ist als bei deutschen Frauen. Besonders häufig erleben Flüchtlingsfrauen Gewalt. Die Ergebnisse der Zusatzbefragung sind aufgrund der kleinen Stichproben nicht repräsentativ, spiegeln aber dennoch Tendenzen der Gewaltbetroffenheit wider.

Migrantinnen häufiger von Gewalt betroffen

Die Daten dieser Untersuchung wurden 2008 in einer vergleichenden Sekundäranalyse "Gesundheit - Gewalt - Migration" vertieft ausgewertet. Ein zentrales Ergebnis ist, dass die stärkere gesundheitliche Belastung von Migrantinnen nicht überwiegend auf deren höhere Gewaltbelastung zurückzuführen ist. Sie hängt auch mit anderen Faktoren zusammen, wie der sozialen Lage, dem geringeren Bildungs- und Ausbildungsniveau, dem Mangel an beruflichen und sozialen Einbindungen sowie dem Fehlen eines vertrauensvollen, engen Beziehungsnetzes.

Die bestehenden Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten sind nach Erkenntnissen aus den genannten Studien gewaltbetroffenen Migrantinnen nur unzureichend bekannt. Fehlende Sprachkenntnisse führen dazu, dass die Angebote zudem von den betroffenen Migrantinnen nicht ausreichend genutzt werden.

Deshalb ist gerade für Migrantinnen der Ausbau niedrigschwelliger, zugehender und anonymer Hilfsangebote wichtig. In diesem Bereich ist es auch erforderlich, gezielt mehrsprachige Öffentlichkeitsarbeit zu leisten.

Bundesweites Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

Diese besondere Situation und die Bedürfnisse von Migrantinnen sind beim bundesweiten Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" berücksichtigt. Unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 - 116 016 finden Betroffene Unterstützung und Hilfe bei allen Formen von Gewalt gegen Frauen. Neben den betroffenen Frauen können sich auch Angehörige, Freunde und Menschen aus dem sozialen Umfeld sowie Fachkräfte an das Hilfetelefon wenden. Das barrierefreie, anonyme und mehrsprachige Angebot steht rund um die Uhr zur Verfügung. Auch die Öffentlichkeitsarbeit für das Hilfetelefon ist mehrsprachig ausgestaltet. Mit diesem Hilfsangebot ist für Migrantinnen der Zugang zu Beratung und Unterstützung wesentlich verbessert worden.

Frauenhäuser und zugehende Beratungsangebote

Grundsätzlich sieht sich ein großer Teil der Frauenunterstützungseinrichtungen für die Unterstützung von Migrantinnen als gut geeignet an, auch wenn die Überwindung sprachlicher und anderer Barrieren besondere Anforderungen an die Einrichtungen stellen. Vor allem das stationäre Schutzangebot in Frauenhäusern wird von Migrantinnen stark genutzt; für sie scheinen sich seltener andere Möglichkeiten zu bieten als für deutsche Frauen.

Eine Untersuchung von Interventionsprojekten gegen häusliche Gewalt in Deutschland zeigt, dass Migrantinnen durch Frauenhäuser und durch zugehende Beratungsangebote von Interventionsstellen besser als durch andere Hilfsangebote erreicht werden. Die neuen Beratungsformen der zugehenden Beratung haben sich sehr für Migrantinnen, insbesondere diejenigen mit geringen Deutschkenntnissen, bewährt. Die Mitarbeiterinnen der Interventionsstellen werden von der Polizei bei Fällen häuslicher Gewalt informiert. Sie nehmen Kontakt mit den Betroffenen auf, beraten und begleiten sie im weiteren Verfahren. Ärztinnen und Ärzte sowie Polizei sind oft die ersten Anlaufstellen, die Kenntnis von häuslicher Gewalt bekommen.