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Mi 10.12.2014

Menschenhandel

Menschenhandel in all seinen Ausprägungen, ob er zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, zur Arbeitsausbeutung oder in anderen Formen der Ausbeutung stattfindet, stellt eine schwere Menschenrechtsverletzung dar, deren Bekämpfung für die Bundesregierung von großer Bedeutung ist. Deutschland ist mehrfach betroffen: In erster Linie als Ziel- und Transitland, aber auch Deutsche werden in Deutschland Opfer von Menschenhandel.

Im Jahr 2013 gab es 542 Opfer (zu 96 Prozent weiblich) von Menschenhandel in die sexuelle Ausbeutung, die der Polizei bekannt wurden (laut Lagebild Menschenhandel 2013 des Bundeskriminalamtes). Die Aufdeckung von Menschenhandel ist oft schwierig; eine wichtige Rolle bei der Identifizierung der Opfer spielt die Zusammenarbeit von Polizei und Fachberatungsstellen. Die Dunkelziffer dürfte daher sehr viel höher sein. Gleiches gilt für den Bereich Arbeitsausbeutung, für den das Lagebild 2013 61 Opfer ausweist. Nach wie vor liegen für den Bereich Arbeitsausbeutung bei den Staatsanwaltschaften, Gerichten und den Polizeibehörden geringe Erfahrungswerte vor, so dass das Ausmaß nur bedingt abschätzbar ist. Seit Beginn der 1990er Jahre kommt der überwiegende Anteil der Opfer des Menschenhandels aus den mittel- und osteuropäischen Staaten. Die Mehrzahl der Opfer stammt mittlerweile aus EU-Mitgliedstaaten und hält sich legal in Deutschland auf. Die Frauen werden häufig mit Versprechungen für eine legale und angeblich gut bezahlte Arbeit im Ausland angeworben und dann in die Prostitution oder in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gezwungen. Hierzu setzen die Täter auch physische oder psychische Gewalt ein. Hauptursachen des Frauenhandels sind die Perspektivlosigkeit beziehungsweise die Armut der Frauen in den Herkunftsländern sowie die Nachfrage in den Zielländern nach Prostituierten und billigen Arbeitskräften.

Die Menschenhandelsdelikte können zumeist nur durch die Aussagen der Opfer zur Anklage gebracht werden. Die Opfer müssen deshalb vor den Tätern und Täterinnen geschützt werden, damit sie bereit sind, gegen diese auszusagen. Die oft traumatisierten Frauen brauchen während ihres Aufenthaltes in Deutschland zudem eine qualifizierte Betreuung, damit sie diese Verfahren durchstehen und für sich eine neue Lebensperspektive entwickeln können. Diese Betreuung wird in den meisten Bundesländern von hierfür besonders qualifizierten Fachberatungsstellen geleistet.
Die Strafbarkeit des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung ist in § 232 Strafgesetzbuch (StGB) geregelt. Seit 2005 bestehen zudem eigene Strafvorschriften gegen den Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft (§ 233 StGB) sowie gegen die Förderung des Menschenhandels (§ 233a StGB).

Auch Menschenhandel, der der Ausbeutung durch die Entnahme von Organen dient, bildet eine Form des Menschenhandels im Sinne des Protokolls zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels, zum Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität vom 15. November 2000.  Auch diese Form des Menschenhandels stellt in Deutschland eine strafbare Handlung dar; die gesetzliche Regelung zum Organhandel findet sich in §§ 18 und 19 des Transplantationsgesetzes.

Bundesweites Hilfetelefon

Unterstützung erhalten Betroffene von Zwangsprostitution, Menschenhandel oder Ausbeutung in der Prostitution auch über das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 - 116 016.  Neben den betroffenen Frauen können sich auch Angehörige, Freunde und Menschen aus dem sozialen Umfeld sowie Fachkräfte an das Hilfetelefon wenden. Das barrierefreie, anonyme und mehrsprachige Angebot steht rund um die Uhr zur Verfügung.