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Mo 20.01.2014

Sexuelle Belästigung

Nach der repräsentativen Untersuchung "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen" haben insgesamt 58,2 Prozent aller befragten Frauen Situationen sexueller Belästigung erlebt, sei es in der Öffentlichkeit, im Kontext von Arbeit und Ausbildung oder im sozialen Nahraum. 27 Prozent aller befragten Frauen und knapp die Hälfte (49 Prozent) derjenigen, die von sexueller Belästigung betroffen waren, haben Situationen von sexueller Belästigung erlebt, in denen sie sich ernsthaft bedroht fühlten oder Angst um ihre persönliche Sicherheit hatten. 9 Prozent aller befragten Frauen, die sexuelle Belästigung erlebt haben, gaben an, dass eine oder mehrere dieser Situationen auch zu einem ungewollten Geschlechtsverkehr oder zu körperlicher Gewalt geführt haben.

Sexuelle Belästigung ist eine häufige Erscheinungsform der Gewalt gegen Frauen. Sie reicht von weniger schwerwiegenden Formen wie Anstarren und anzüglichen Bemerkungen über Belästigungen am Telefon oder Computer oder unerwünschte sexualisierte Berührungen, sexuelle Bedrängnis bis hin zu sexualisierten körperlichen Übergriffen.

Je nach Form, Kontext und Ausmaß können sexuelle Belästigungen darüber hinaus auch strafbare Handlungen sein, zum Beispiel Beleidigung, sexuelle Nötigung, Nachstellung.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und in der Ausbildung

Sexuelle Belästigung und sexualisierte Übergriffe kommen auch im Kontext von Arbeit und Ausbildung vor. Laut der oben genannten Studie haben 22 Prozent aller befragten Frauen Situationen sexueller Belästigung in Arbeit, Schule oder Ausbildung seit dem 16. Lebensjahr mindestens ein Mal erlebt - überwiegend durch Männer.

Frauen sind überdurchschnittlich häufig von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen, wenn sie keine berufliche Qualifikation oder Ausbildung aufweisen, sich noch in der Probezeit befinden oder erst kurze Zeit im Betrieb sind. Tatsächlich ist in den meisten Fällen ein großes Machtgefälle zwischen Tätern und Opfern zu beobachten, besonders oft werden Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt.

Die betroffenen Frauen fühlen sich häufig verunsichert, abgewertet und in ihrer Würde verletzt. Konsequenzen daraus können sein: Verlust der Arbeitsmotivation, Depressionen, Angst, innere Kündigung, psychische Erkrankungen. Vielfach erleben diese Frauen negative Reaktionen, wenn sie sich an den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin wenden. Deshalb verharmlosen oder verschweigen sie die sexuelle Belästigung oft aus Angst vor Verleumdung oder Arbeitsplatzverlust.

Schutz vor sexueller Belästigung

Gegen sexuelle Belästigungen können sich Betroffene rechtlich zur Wehr setzen: Den Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz regelt das am 18. August 2006 in Kraft getretene Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Wer in Zusammenhang mit seinem Beschäftigungsverhältnis von sexueller Belästigung betroffen ist, hat nach dem AGG das Recht, sich bei den zuständigen Stellen des Betriebes oder der Dienststelle zu beschweren. Diese sind verpflichtet, Beschwerden zu prüfen und den Betroffenen das Ergebnis mitzuteilen.

Ergreift der Arbeitgeber keine oder offensichtlich ungeeignete Maßnahmen zur Unterbindung einer Belästigung oder sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz, sind die betroffenen Beschäftigten berechtigt, ihre Tätigkeit ohne Verlust des Arbeitsentgelts einzustellen, soweit dies zu ihrem Schutz erforderlich ist. Unter bestimmten Voraussetzungen ist der Arbeitgeber darüber hinaus zum Schadensersatz verpflichtet.

Beratung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz bietet u.a. die Antidiskriminierungsstelle (ADS) des Bundes an. Sie informiert und berät über die aktuelle Rechtslage und zeigt Möglichkeiten auf, die eigenen Rechte zum Schutz vor Benachteiligungen durchzusetzen. Auf Wunsch vermittelt die ADS Hilfesuchende an regionale Beratungszentren oder Einrichtungen, die Unterstützung im konkreten Einzelfall anbieten. Außerdem bietet sie Hilfe bei der gütlichen Beilegung in Streitfällen an. Neben persönlich Betroffenen können sich auch Unternehmen, Verbände, Gewerkschaften, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und andere Interessierte bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes informieren. Die ADS will den Umgang mit den gesetzlichen Regelungen erleichtern.

Durch das AGG wurden das seit 1994 geltende Beschäftigtenschutzgesetz abgelöst. Gegenüber dem Beschäftigtenschutzgesetz wurde die Definition sexueller Belästigung in Umsetzung europäischer Vorgaben der Richtlinie 2002/74 neu gefasst und die Schadensersatzansprüche Betroffener wirksamer ausgestaltet. Zu den mit dem bis August 2006 gesammelten Erfahrungen mit der Umsetzung des Beschäftigtenschutzgesetzes hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Untersuchung "Beschäftigtenschutzgesetz in der Praxis" veröffentlicht.

Bundesweites Hilfetelefon

Mit dem Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" gibt es unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 - 116 016 Unterstützung und Hilfe bei allen Formen von Gewalt gegen Frauen. Neben den betroffenen Frauen können sich auch Angehörige, Freunde und Menschen aus dem sozialen Umfeld sowie Fachkräfte an das Hilfetelefon wenden. Mit dem Hilfetelefon wurde erstmals ein deutschlandweit und rund um die Uhr erreichbares Hilfeangebot für Frauen geschaffen, die von Gewalt betroffen sind.