http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=73014.html

Mi 06.03.2013

Gewalt gegen Frauen: Hilfesystem und Vernetzungsstellen

Frauen, die von häuslicher Gewalt oder anderen Formen von Gewalt betroffen sind, brauchen zu ihrem unmittelbaren Schutz sowie zur Bewältigung der Folgen erlebter Gewalt qualifizierte Beratung und Unterstützung. In Deutschland stehen gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern mehr als 350 Frauenhäuser sowie über 40 Schutz- oder Zufluchtswohnungen mit mehr als 6.000 Plätzen zur Verfügung. Hinzu kommen 750 Fachberatungsstellen bei Gewalt gegen Frauen.

Hierzu zählen eine große Anzahl von Frauenberatungsstellen und Frauennotrufen, die professionell auf Gewalt gegen Frauen ausgerichtet sind oder deren Arbeitsschwerpunkt auf der Beratung bei sexueller Gewalt liegt. Dazu zählen ebenso mindestens 130 Interventionsstellen bei häuslicher Gewalt, etwa 40 Fachberatungsstellen für Opfer von Frauenhandel sowie weitere auf spezifische Gewaltformen wie zum Beispiel Zwangsverheiratung oder Stalking spezialisierte Fachberatungs- und Kooperationsstellen.

Frauenhäuser und Frauenschutzwohnungen

Auch nach Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes benötigen viele Frauen, die sich aus einer gewalttätigen Beziehung lösen, eine sichere und betreute Unterkunft für sich und ihre Kinder. Das Gewaltschutzgesetz beziehungsweise die Polizeigesetze der Länder können das Opfer nicht immer wirksam schützen. Sicherheitsgründe oder das subjektive Empfinden von Bedrohung und Angst können dagegen sprechen, dass die Frau in der Wohnung verbleibt. In solchen Fällen sind Frauen und Kinder weiter darauf angewiesen, dass sie in Frauenhäusern und Frauenschutzwohnungen Zuflucht finden können. Jährlich finden hochgerechnet etwa 15.000 bis 17.000 Frauen mit ihren Kindern - das heißt etwa 30.000 bis 34.000 Personen - in Frauenhäusern und Zufluchtswohnungen Schutz und Unterstützung.

Um die Unterstützung der Opfer weiter zu verbessern, wurden in verschiedenen Bundesländern sogenannte Interventionsstellen eingerichtet. In diesen werden die Opfer von häuslicher Gewalt beraten und im weiteren Verfahren begleitet. Die Mitarbeiterinnen gehen aktiv auf die Betroffenen zu, stellen für Frauen und Kinder psychosoziale Unterstützungsangebote bereit und erstellen Sicherheitspläne zum Schutz der Opfer.

Für den Aufbau und den Erhalt eines möglichst flächendeckenden Netzes an Hilfsangeboten sowie für die Finanzierung der Infrastruktur zur Unterstützung gewaltbetroffener Frauen sind aufgrund des föderalen Systems die Länder zuständig.

Bundesweite Vernetzung von Hilfseinrichtungen

In den letzten Jahren haben sich zunehmend Hilfseinrichtungen für gewaltbedrohte und -betroffene Frauen bundesweit vernetzt. Das Bundesfamilienministerium unterstützt die Vernetzungsstelle der Frauenhäuser (Frauenhauskoordinierung), die Vernetzungsstelle des Bundesverbandes der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) sowie die Vernetzungsstelle der Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel (Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess - KOK), die wiederum den Austausch und die enge Kooperation der Projekte und die Netzwerkbildung von Einrichtungen fördern. Dadurch werden der Erhalt und die Weiterentwicklung professioneller und qualifizierter Unterstützungs- und Beratungsangebote für weibliche Gewaltopfer sicher gestellt. Gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen werden bundesweit Unterstützungsangebote vermittelt.

Die Vernetzungsstellen bündeln die Expertise und Fachkompetenz der Einrichtungen zur Unterstützung von gewaltbetroffenen Frauen in Deutschland und bringen diese in die politische Diskussion, die Öffentlichkeit und die Gesetzgebung ein. Sie unterstützen  auf Bundesebene ihre Mitglieder in ihrer fachlichen und gesellschaftlichen Zielsetzung und leisten Hilfestellungen in rechtlichen Belangen. Darüber hinaus tragen die Vernetzungsstellen zur Schaffung von Strukturen bei, die ein nachhaltig effizientes und wirtschaftliches Handeln der Unterstützungseinrichtungen vor Ort unterstützen sollen.

Über Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildungsangebote zum Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen sensibilisieren die Vernetzungsstellen die Öffentlichkeit sowie verschiedene relevante Berufsgruppen.


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