Inhalt

Mo 07.03.2016

Drei Jahre Hilfetelefon: Frauen brechen ihr Schweigen

Immer mehr Frauen brechen ihr Schweigen über Gewalt, die sie erfahren haben. Das zeigt der dritte Jahresbericht des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen", der am 7. März erschienen ist.

Rund 55.000 Mal wurde das Hilfetelefon im Jahr 2015 kontaktiert – das sind rund elf Prozent mehr Kontakte als im Jahr zuvor. In mehr als 27.000 Fällen fand eine Beratung per Telefon, Chat oder E-Mail statt. Die Kontakt- und Beratungszahlen zeigen: Jeden Tag sind viele Frauen von Gewalt betroffen. Das bundesweite Beratungsangebot ist daher dringend erforderlich, um Frauen Hilfe und Unterstützung zu bieten.

Dritter Jahresbericht des Hilfetelefons

Rund 14.400 von Gewalt betroffene Personen erhielten Unterstützung in Form von Erstberatung, Krisenintervention, Information oder Weitervermittlung. Insbesondere Beratungen, die in anderen Sprachen stattfanden, konnten vielen Frauen weiterhelfen: Die Zahl der Beratungen mit Dolmetscherinnen haben im Vergleich zu 2014 um beinahe 70 Prozent zugenommen, wobei Polnisch und Arabisch am häufigsten nachgefragt wurden. Insgesamt wurde über 900-mal in einer Fremdsprache beraten, rund 40 Prozent der Beratungen fanden 2015 in den Abend-, Nacht- und frühen Morgenstunden statt.

"Das Hilfetelefon informiert und berät in 15 Sprachen. Das ist einmalig und bietet auch vielen gewaltbetroffenen Frauen, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen, einen zentralen Zugang zu Beratung und Hilfe", sagte Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesfrauenministerin, anlässlich des Jahresberichts. "Daher spielt das Hilfetelefon auch eine wichtige Rolle, wenn wir aktuell darüber sprechen, wie wir von Gewalt betroffenen Frauen in Flüchtlingsunterkünften besseren Schutz und Zugang zu Hilfsangeboten ermöglichen können."

Frauen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen widmet der Jahresbericht ein eigenes Kapitel. Sie sind Erhebungen zufolge doppelt so häufig von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Das Hilfetelefon unterstützt sie mit zielgruppenspezifischen Hilfsangeboten wie der Beratung in Deutscher Gebärdensprache und in Leichter Sprache. 2015 wandten sich rund 1700 Frauen mit Gewalterfahrung an das Hilfetelefon, die im Rahmen der Beratungen über ihre Behinderung oder Beeinträchtigung sprachen.

Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

Seit dem Start im März 2013 konnte das Hilfetelefon bereits vielen Frauen einen Weg aus der Gewalt zeigen: Insgesamt verzeichnet das Beratungsangebot in den drei Jahren seines Bestehens rund 155.000 Kontakte und 72.000 Beratungen. Mehr als 43.000 von Gewalt betroffene Personen nutzten das Angebot und ließen sich individuell beraten.

Das Hilfetelefon ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr kostenlos unter der Telefonnummer 08000 116 016 und online unter www.hilfetelefon.de über den Termin- und Sofort-Chat sowie per E-Mail erreichbar. Mehr als 60 qualifizierte Beraterinnen informieren und beraten gewaltbetroffene Frauen, Personen aus ihrem sozialen Umfeld und Fachkräfte – kostenlos, anonym, in 15 Sprachen sowie in Deutscher Gebärdensprache und in Leichter Sprache.