Fr 21.12.2012
Immer mehr Frauen ernähren mit ihrem Einkommen heutzutage die Familie. In knapp einem Fünftel der bundesdeutschen Haushalte, in denen mehrere Personen leben, verdienen Frauen den Großteil des Einkommens. Die Hälfte dieser Frauen ist alleinerziehend. Diese Situation wird zumeist durch ein geringes Einkommen sowie die Pflegebedürftigkeit oder Arbeitslosigkeit des Lebenspartners hervorgerufen. Familienernährerinnen sind dabei häufig einer Doppelbelastung ausgesetzt: Sie übernehmen sowohl die Verantwortung als Haupteinkommensbezieherin als auch im Haushalt und für die Erziehung der Kinder.
Diese Frauen werden häufig unfreiwillig zu Familienernährerinnen, entweder als Partnerinnen von prekär beschäftigten oder arbeitslosen Männern oder nach einer Trennung sowie im Falle von Ehescheidung. Eine Entlastung in der Familienarbeit erhalten sie oft nicht. Bei der Mehrheit der Familienernährerinnen handelt es sich bundesweit um Frauen mit mittlerem bis geringem Qualifikations- und Einkommensniveau, ungefähr die Hälfte hat eine Ausbildung abgeschlossen oder arbeitet als Facharbeiterin.
Wichtige Themen für die Familienernährerinnen sind die Entgeltungleichheit oder schlechtere Arbeitsmarktchancen wegen mangelnder Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Frauen sind häufig eben keine Zuverdienerinnen, sondern sind auf eine gleichgestellte, eigenständige Existenzsicherung angewiesen.
Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit dem DGB Bundesvorstand führt das Bundesfamilienministerium ein Projekt zu Familienernährerinnen durch. In einer ersten Projektphase von 2010 bis März 2012 wurden vor allem gewerkschaftliche, politische und weitere Akteure über die Situation von Familienernährerinnen informiert. Eine eigene Internetseite über Familienernährerinnen wurde mit umfassenden Informationen und interaktiven Elementen gestartet. Gemeinsam mit den relevanten gesellschaftlichen Akteuren wurden zudem Handlungsempfehlungen entwickelt, die in einer "Roadmap" zusammengefasst sind.
Die Umsetzung der "Roadmap" am Arbeitsmarkt und in den Betrieben steht in der zweiten Projektphase zwischen März 2012 und Februar 2014 im Zentrum der Aktivitäten. Dazu werden bundesweite Konferenzen, Abendveranstaltungen für politische Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und Qualifizierungsveranstaltungen für gewerkschaftliche Multiplikatorinnen und Multiplikatoren veranstaltet sowie eine intensive Informations- und Öffentlichkeitsarbeit über Schwerpunktpublikationen, Medienpartnerschaften und die eigeneInternetseite durchgeführt. Zudem steht die Gewinnung von und Zusammenarbeit mit Partnern, wie beispielsweise der Agentur für Arbeit, mit Fokus der "Roadmap".