Do 19.04.2012
Von 2008 bis 2011 hat das Bundesfamilienministerium das Modellprojekt "Medizinische Intervention gegen Gewalt an Frauen" (MIGG) gefördert. Ziel war es, die gesundheitliche Versorgung von gewaltbetroffenen Frauen im ambulanten Bereich zu verbessern. Das Projekt richtete sich an niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Sie wurden beim Erkennen und Ansprechen der Folgen von Gewalt, der gerichtssicheren Dokumentation und dem fachgerechten Umgang mit gewaltbelasteten Patientinnen in ihrer Praxis unterstützt.
An fünf Standorten in Deutschland wurde die Einführung eines Interventionsprogramms auf der Basis internationaler Interventionsstandards in Praxen verschiedener Fachrichtungen erprobt. Träger der Modellprojekte waren das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf an den Standorten Düsseldorf, Kiel und München, Signal e.V. in Berlin und das GESINE-Netzwerk im Ennepe-Ruhr-Kreis.
Zentrales Ziel war die Entwicklung eines für die Praxen von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten tauglichen Interventionsprogramms zur ambulanten medizinischen Versorgung gewaltbelasteter Frauen. Ebenfalls im Fokus stand die Einbeziehung der ambulanten medizinischen Versorgung in das Umfeld der Organisationen und Institutionen im Bereich der Gewaltintervention (Frauenhäuser, Beratungsstellen, Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichte). Außerdem sollten niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in vorhandene Netzwerkstrukturen eingebunden werden.
Ein Beirat mit Vertreterinnen und Vertretern der ärztlichen Standesorganisationen und relevanten Fachgesellschaften, von Bundesorganisationen der Hilfeeinrichtungen und kommunalen Frauenbüros unterstützte das Projekt fachlich. Die Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Frauen- und Genderforschung e.V. (GSF e.V.) hat es wissenschaftlich begleitet. Ihr Auftrag war es, auf der Grundlage der Erfahrungen im Modellprojekt einen Leitfaden zur weiteren Umsetzung der Projektergebnisse auf regionaler Ebene zu erarbeiten.
Auf einer vom Bundesfamilienministerium veranstalteten Fachtagung "Gesundheit und Gewalt - Neue Wege in der gesundheitlichen Versorgung von Frauen" am 29. Februar 2012 wurden die Projektergebnisse vorgestellt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten geeignete Schritte zur weiteren Implementierung.
Der Implementierungsleitfaden und weitere Projektergebnisse (Fortbildungscurriculum und Materialien zu Unterstützung der ärztlichen Arbeit) werden auf der Internetseite "Gesundheit und Gewalt" zur Verfügung vorbereitet.