Inhalt

Mi 10.07.2013

Studie zu Babyklappen und anonymer Geburt verdeutlicht Notwendigkeit gesetzlicher Regelungen

Wie unterschiedlich die Motive und Probleme von Frauen sind, die eine Babyklappe oder das Angebot einer anonymen Geburt nutzen, belegt eine vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebene Studie zum Thema. Die Ergebnisse der vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) durchgeführten Studie "Anonyme Geburt und Babyklappen in Deutschland - Fallzahlen, Angebote, Kontexte" zeigen, dass gesetzliche Regelungen und die Möglichkeit der anonymen Beratung notwendig sind.

"Jeder Mensch mit Herz ist natürlich froh über jedes Kind, das durch eine Babyklappe gerettet wird. Deshalb halte ich einen verlässlichen Rechtsrahmen für die bestehenden Einrichtungen für sinnvoll. Wir müssen uns aber nicht nur um die Babys kümmern, sondern auch stärker den schwangeren Müttern zuwenden, die aus persönlichen Gründen Angst haben vor den Standards einer regulären, meldepflichtigen Geburt", sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Motive und Probleme der Betroffenen sind vielfältig

Frauen, die Babyklappen oder das Angebot der anonymen Geburt nutzen, sind hinsichtlich Alter, Bildung, wirtschaftlicher Situation und Schicht heterogen. Die Gründe, sich der Familie oder dem Partner nicht anzuvertrauen, sind verschieden. Oft liegt der Entscheidung für eine anonyme Geburt ein Bündel von Problemen und Motiven zu Grunde. Gemeinsamkeiten der Betroffenen sind eine akute psychische und physische Überforderung und ein subjektiv empfundener Druck durch die Familie und den Partner.

Weitere Ergebnisse der Studie

  • Sowohl die Frauen als auch andere an der anonymen Kindesabgabe Beteiligte sind verunsichert, wie sie sich rechtssicher zu verhalten haben.
  • Es gibt eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Verfahrensabläufe etwa zur Meldung und Vormundschaft des Kindes oder zur Beratung der Mutter.
  • Erst durch die unbedingte Zusage von Anonymität sind betroffene Frauen in der Lage, die Hilfeangebote anzunehmen.
  • Die Frauen wollen vor allem ihrer Familie, Behörden und Arbeitgebern gegenüber ihre Schwangerschaft verheimlichen. Weniger wichtig ist es ihnen, dem Kind gegenüber ein Leben lang unbekannt zu bleiben.

Ergebnisse bestätigen das Erfordernis einer gesetzlichen Regelung

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder kündigte baldige gesetzliche Regelungen an. "Ich möchte diese Frauen gewinnen, ihr Kind trotz ihrer Sorgen in einem Krankenhaus zur Welt zu bringen. Dafür will ich in Abstimmung mit den Koalitionsfraktionen einen gesetzlichen Rahmen für eine sogenannte vertrauliche Geburt schaffen. Das Gesetz soll den Müttern für eine gewisse Dauer die Anonymität der Daten garantieren, damit die Mütter tatsächlich Zutrauen in die Schutzsphäre der vertraulichen Geburt bekommen. Gleichzeitig hätten die betroffenen Kinder ab einem gewissen Alter die Chance, ihre eigene Identität festzustellen", so Kristina Schröder.

Ein erster wichtiger Schritt zur Verbesserung der anonymen Hilfen für Schwangere ist der Rechtsanspruchs auf anonyme Beratung. Dieser wurde durch das Bundeskinderschutzgesetz auf alle Beratungen im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft ausgeweitet (§ 2 Absatz 1 SchKG). Bis 2011 galt der Rechtsanspruch nur für die Konfliktberatung.

Studie befragte erstmals betroffene Frauen

Für die Studie "Anonyme Geburt und Babyklappen in Deutschland - Fallzahlen, Angebote, Kontexte" hat das Deutschen Jugendinstitut Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von 591 Jugendämtern und 344 Betreiber von Babyklappen und Anbieter von anonymer Geburt nach der gängigen Praxis und Häufigkeit der Nutzung befragt. Erstmals wurden auch sechs Frauen befragt, die die Angebote genutzt haben. Bei einem Rücklauf von je rund 79 Prozent hat die Studie 77 Angebote anonymer Geburt und 60 (Anbieterbefragung) bis 72 (Jugendamtsbefragung) Babyklappen ermittelt.

Im Zeitraum von 2000 bis Mitte 2010 wurden in Deutschland 973 Kinder anonym abgegeben. Davon konnten 250 zur Mutter zurückgeführt, 198 regulär und weitere 314 anonym adoptiert werden.

Die Studie ist auf der Internetseite des DJI abrufbar. Die Druckfassung erscheint Ende Februar.