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Mi 27.05.2015

"Das Wichtigste ist, dass die Menschen Wertschätzung erfahren"

Hartmut Decker ist Vorstand im Verein SCHWACH+STARK e.V., der sich für Sozialschwache, aber auch für Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Flüchtlinge einsetzt. Der berufliche Werdegang von Hartmut Decker, Jahrgang 1952, ist durch vielfältige Erfahrungen geprägt: Nach elfjähriger Tätigkeit als evangelischer Pastor der Freikirche hat er unter anderem als IT-Techniker gearbeitet und engagiert sich nun als Sozialarbeiter in den unterschiedlichsten Bereichen. Momentan betreut er mit seinem Verein ungefähr 60 geflüchtete Personen. Die Hälfte davon sind Kinder.

Warum engagieren Sie sich für jugendliche Flüchtlinge?

"Meine Arbeit beschränkt sich nicht nur auf den Verein SCHWACH+STARK e.V., sondern ich bin in vielen unterschiedlichen Vereinen und Gruppen ehrenamtlich tätig. Meine Motivation resultiert aus meinem Leben als Christ, für mich ist das Berufung. Gemeinsam mit meiner Frau habe ich bereits vor langer Zeit die Entscheidung getroffen, bewusst für andere da zu sein."

Wie sieht Ihre Arbeit aus?

"Als Vorsitzender des Vereins SCHWACH+STARK e.V. in Ehrenfriedersdorf im Erzgebirgskreis setze ich mich dafür ein, dass Flüchtlinge, insbesondere Familien vor Ort dezentral untergebracht und integriert werden. Dazu gehören auch Kindergartenplätze für die Kleinen und für die Größeren ein schneller und begleiteter Einstieg in die Schule, je nach Klassenstufe. Besonders liegen mir allein geflüchtete Kinder und Jugendliche am Herzen. Ein weiteres Anliegen ist zu schauen, welche Fähigkeiten und Erfahrungen die geflüchteten Menschen mitbringen und in die Gemeinschaft vor Ort einbringen können. In unserem Verein arbeiten sechs Personen und wir haben 65 Ehrenamtliche, die uns unterstützen. Wir betreuen momentan ungefähr 60 geflüchtete Personen. Die Hälfte davon sind Kinder. Unser Verein arbeitet an mehreren Orten und sowohl unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als auch unter den Ehrenamtlichen sind Flüchtlinge. Gemeinsam arbeiten ist der beste 'Integrationskurs' - für beide Seiten. Ich führe alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei versuche ich, mit gutem Beispiel voranzugehen. Ich organisiere Strukturen, damit Vernetzungen entstehen, wie beispielsweise der Kontakt zu anderen Vereinen und kommunalen Stellen. Vor allem geht es jedoch um die Arbeit mit den Menschen, das heißt, dass man Zeit für die Flüchtlinge hat und ihnen begegnet, dass man hilft, berät und sie begleitet. Die Menschen sollen Wertschätzung erfahren, die Flüchtlinge sollen sich bei uns an- und aufgenommen und geliebt fühlen."

Gab es bisher besondere Erfolgserlebnisse?

"Ja, es gibt viele schöne Erfolge, wenn wir zum Beispiel unsere Flüchtlingskinder zu Eltern- und Lehrergesprächen oder zum Arzt begleiten. Wir organisieren Hausaufgabenhilfe und Hausaufgabenpatinnen und -paten, Familien mit gleichaltrigen Kindern und Sprachpatinnen und -paten für Jung und Alt. Vor kurzem hatten wir eine Erfahrung mit einem Flüchtlingskind, das sich nach den ersten Schultagen den Fuß brach. Wir sorgten in den nächsten Wochen für die Fahrten zur Schule, übten Treppensteigen, das Kind ist uns dabei allen ans Herz gewachsen. Oder das Flüchtlingsehepaar mit Aufenthaltstitel, das durch unsere Unterstützung Arbeit fand, da wir gemeinsam mit dem Jobcenter zum Führerschein helfen konnten. Manche Mitbürgerinnen und Mitbürger haben dadurch, dass wir sie und die „Fremden“ zusammengebracht haben oder auch durch Gespräche vermitteln und Probleme ausräumen konnten, sogar ihre Gesinnung überdacht und geändert, das ist besonders schön zu erleben!"

Was ist wichtig, damit sich Flüchtlinge in ihrer Kommune willkommen geheißen fühlen?

"Um Flüchtlinge willkommen zu heißen, ist viel Vorbereitung und Netzwerkarbeit notwendig. Wir hängen beispielsweise Zettel in Häusern auf, um die Nachbarinnen und Nachbarn zu informieren, woher die Familie kommt und bieten auch eine Sprechstunde an. Wir suchen den Dialog mit kritisch Denkenden, organisieren Begegnungen in den Kirchgemeinden, im Sportverein oder in der Nachbarschaft, das hilft ungemein, um Ängste abzubauen. Viele Leute haben uns hierfür bereits gedankt und gesagt, sie hätten nie gedacht, dass ihre neuen Nachbarinnen und Nachbarn so nett sind."

Engagieren Sie sich!

Städte, Kommunen und ehrenamtlich organisierte Personen, die Bündnisse gründen wollen, können sich ab sofort bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung melden

Tel.: 030/2576 76 803

E-Mail: wbf@dkjs.de

Mehrgenerationenhäuser

mehrgenerationenhaeuser.de

Rund zwei Drittel aller Mehrgenerationenhäuser engagieren sich bereits in der Flüchtlingsarbeit oder planen es noch in diesem Jahr. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere Sprach- und Begegnungsangebote.

Demokratie leben!

demokratie-leben.de

Das Bundesprogramm "Demokratie leben!" fördert ziviles Engagement und demokratisches Verhalten auf kommunaler, regionaler, auf Landes- und Bundesebene.Viele Partnerschaften haben Themen wie "Asyl", "Flucht/Flüchtlinge" und "Willkommenskultur" als Schwerpunkt gewählt.