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Mi 27.05.2015

"Ich möchte den Menschen ein Stück Heimat wiedergeben"

Carolin Gaffron trainiert seit drei Jahren jugendliche Flüchtlinge im Fußball. Die 33-jährige besitzt einen Master in Soziokulturellen Studien und leitet das wöchentliche Training der "CHAMPIONS ohne GRENZEN" auf dem Platz vom FSV Hansa 07 in Berlin Kreuzberg. Hier spielen Deutsche und Geflüchtete, wie Carolin Gaffron sie nennt, gemeinsam Fußball – den Sport, den die meisten bereits aus ihren Herkunftsländern kennen und der weltweit verbindet.

Warum engagieren Sie sich für jugendliche Flüchtlinge?

"Viele der Geflüchteten mussten ihre Familie zurücklassen und haben Schreckliches erlebt. Sie kommen in Deutschland an und sind meist stark isoliert. Gerade jüngere Flüchtlinge werden oft in großen Zimmern mit mehreren Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern untergebracht. Sie haben keine Privatsphäre und kaum eine Möglichkeit andere Menschen zu treffen. Mein persönliches Anliegen ist es, den Menschen ein Stück Heimat wiederzugeben und ihnen für zwei oder drei Stunden ein Gefühl von Freiheit zu vermitteln, ein Gefühl von Mitspielen, das Gefühl: ich kann ja doch etwas machen."

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

"Unser Fußballtraining ist bewusst offen. Die Spieler müssen nichts bezahlen, sich nicht an- oder abmelden, sie brauchen keine Sportsachen, können mit Jeans oder barfuß spielen, oder wir stellen ihnen Kleidung zu Verfügung. Wichtig ist bei uns das Miteinander. Wir haben viele Geflüchtete, die schon gut deutsch sprechen und für die anderen übersetzen. Wir haben mit einem offenen Mixtraining begonnen, uns dann aber entschieden auch eine Frauenmannschaft zu gründen, um den Frauen einen geschützten Rahmen zu geben. Jeder Geflüchtete hat ein individuelles Schicksal und viele sind traumatisch belastet. Wir lassen uns auf jeden Einzelnen ein."

Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?

"Für mich ist es ein Erfolg, wenn die Menschen sich bei uns wohlfühlen und sich persönlich weiterentwickeln. Zugleich versuchen wir eine Art Lobbyarbeit zu betreiben, um das einseitige Bild des Geflüchteten in den Medien als 'Schmarotzer' oder als 'bemitleidenswerter Flüchtling' in ein positiveres Licht zu rücken, indem wir zeigen, dass wir es mit liebenswerten Menschen zu tun haben, die in unserer Gesellschaft teilhaben möchten."

Gab es bisher ein besonderes Erfolgserlebnis?

"Ja, ein junger Mann aus Afghanistan. Er war anfangs sehr schüchtern, sprach kaum deutsch und hatte noch nie die Schule besucht. Mittlerweile geht er bald in die 10. Klasse, ist im Vorstand unseres Vereins und einer unser Kindertrainer, er übernimmt Verantwortung für Neue und wohnt in einer WG mit Deutschen. Er versucht das Beste aus seinem Leben zu machen. Es ist einfach schön, das mitzuerleben!"

Was ist aus Ihrer Sicht wichtig, damit sich Flüchtlinge in Ihrer Kommune willkommen fühlen?

"Wir sollten offen und mit einem Lächeln auf die Geflüchteten zugehen. Wir sollten keine Angst haben, es sind Menschen wie wir, die sich über jeden Kontakt freuen. Sie wollen sich hier integrieren und dafür brauchen sie unsere Unterstützung."

Bildnachweis: Carolin Gaffron / "Champions ohne Grenzen"

Engagieren Sie sich!

Städte, Kommunen und ehrenamtlich organisierte Personen, die Bündnisse gründen wollen, können sich ab sofort bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung melden

Tel.: 030/2576 76 803

E-Mail: wbf@dkjs.de

Mehrgenerationenhäuser

mehrgenerationenhaeuser.de

Rund zwei Drittel aller Mehrgenerationenhäuser engagieren sich bereits in der Flüchtlingsarbeit oder planen es noch in diesem Jahr. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere Sprach- und Begegnungsangebote.

Demokratie leben!

demokratie-leben.de

Das Bundesprogramm "Demokratie leben!" fördert ziviles Engagement und demokratisches Verhalten auf kommunaler, regionaler, auf Landes- und Bundesebene.Viele Partnerschaften haben Themen wie "Asyl", "Flucht/Flüchtlinge" und "Willkommenskultur" als Schwerpunkt gewählt.