Mi 04.08.2010
Grundlage für das Programm "Aktiv im Alter" war das Memorandum "Mitgestalten und Mitentscheiden - Ältere Menschen in Kommunen", das von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) gemeinsam mit Ländern, kommunalen Spitzenverbänden, Wohlfahrtsverbänden, Freiwilligenverbänden, der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit für die Evangelische Kirche in Deutschland und dem Deutschen Olympischen Sportbund erarbeitet wurde. Es enthält Leitlinien und Handlungsperspektiven für eine Zusammenarbeit von Kommunen mit ihren Senioren zum Wohl der Allgemeinheit und der konkreten Umsetzung.
Präambel
Der demografische Wandel bringt für die Bundesrepublik Deutschland grundlegende Veränderungen im Altersaufbau der Bevölkerung, da es künftig mehr ältere und weniger jüngere Menschen geben wird. Dieser Wechsel in der Altersstruktur geht mit großen sozialen, ökonomischen und politischen Herausforderungen einher. Sie sind nur zu bewältigen, wenn Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam ihren Beitrag dazu leisten. In den Kommunen ist unmittelbar zu erleben, wie gut dies gelingt.
Seniorinnen und Senioren sind in immer stärkerem Maße daran interessiert, das Gemeinwesen mitzugestalten und sind bereit, Verantwortung gegenüber der eigenen sowie den nachwachsenden Generationen zu übernehmen. Die Potenziale der Älteren sind für die Gesellschaft ein Gewinn, denn mit dem Altern steigen Lebenserfahrung und Vielfalt des Wissens. Vorstellungen, die das Alter vorrangig als Belastung sehen, steht das bereits von vielen Menschen verwirklichte Modell eines aktiven und engagierten Alters entgegen.
Engagement braucht Partizipation und Partizipation schafft Engagement. Viele Ältere wünschen sich, in Planungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen zu werden. Entscheidungsträger und Verantwortliche sind daher aufgefordert, insbesondere im kommunalen Lebensumfeld bessere Beteiligungsmöglichkeiten zu fördern und auszubauen, Hemmnisse zu überwinden und mit freiwillig engagierten Menschen partnerschaftlich zusammenzuarbeiten.
Ein aktivierender Staat und die Zivilgesellschaft tragen Sorge für verlässliche Rahmenbedingungen, die Mitgestalten und Mitentscheiden ermöglichen. Kommunen und Organisationen, die das Bürgerengagement fördern, gewinnen zusätzliche Handlungsspielräume.
Als Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenorganisationen, Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und Seniorenorganisationen setzen wir uns für ein neues Leitbild des aktiven Alters und für eine stärkere Beteiligung älterer Frauen und Männer ein.
Leitlinien
Chancen des Alters – Chancen des demografischen Wandels
1.
Die Kommunen und die das Gemeinwesen mitgestaltenden Partner wie Kirchen, Initiativen und Verbände erkennen die Chance, die in dem Potenzial älterer Menschen liegt, und werden diesem neuen Raum geben.
Sie fördern das Engagement in den bestehenden Strukturen und unterstützen die Übernahme neuer Tätigkeiten in Selbstorganisation älterer Bürgerinnen und Bürger.
2.
Sie schaffen erweiterte Gestaltungsspielräume innerhalb ihrer Institutionen und Organisationen.
Ältere Menschen werden ebenso wie andere Altersgruppen in die Entscheidungsfindung bei Trägern und Kommunen einbezogen und sind in Gremien und Räten vertreten. Die vielfältigen Verfahren der Bürgerbeteiligung werden weiterhin attraktiv gestaltet.
Unter den Bedingungen des demografischen Wandels wächst die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Partizipation, denn sie verbessert den Zusammenhalt aller Altersgruppen und hebt in besonderer Weise die Lebensqualität.
3.
Damit ältere Menschen mitgestalten und mitentscheiden können, brauchen sie Informationen, Transparenz sowie offene Kommunikationsstrukturen, die dialogorientiert, bürgernah und barrierefrei sind.
4.
Es werden Rahmenbedingungen geschaffen, damit allen Menschen unabhängig vom Bildungs- und Einkommensstand, von Geschlecht und der ethnischen Herkunft Teilhabe ermöglicht wird.
Für ältere Migrantinnen und Migranten und sozial Benachteiligte sollen neue Formen des Zugangs zum Ehrenamt gefunden und unterstützt werden.
5.
Mitgestalten und Mitentscheiden bedürfen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit von freiwillig engagierten Menschen und Hauptamtlichen bei Trägern, Institutionen und kommunalen Verwaltungen. Weiterbildungsangebote sind deshalb auch für Hauptamtliche erforderlich.
Die Qualifizierung von Engagierten erhöht ihre Wirkungsmöglichkeiten und ist eine Form gesellschaftlicher Anerkennung.
6.
Die Kommunen sehen in der Förderung von aktiver Teilhabe, von Mitgestalten und Mitentscheiden der Bürgerinnen und Bürger im Gemeinwesen eine besondere Aufgabe.
Sie schaffen erweiterte und neue Ermöglichungsstrukturen für das Engagement älterer Menschen.
7.
Durch eine beteiligungsfreundliche, bedarfsgerecht ausgebaute Infrastruktur erschließen die Kommunen neue Engagementpotenziale.
Bürgerschaftliches Engagement wird in der Kommune als Querschnittsaufgabe verstanden, die träger-, institutionen- und bereichsübergreifende Kooperation erfordert.
Um die Koordination und den Erfahrungsaustausch möglichst vieler Akteure zu ermöglichen und Synergien zu fördern, werden kommunale Informations- und Kooperationsplattformen und interkommunale Kooperationen geschaffen.
8.
Nachhaltiges freiwilliges Engagement erfordert Verlässlichkeit. Zu den aktivierenden Rahmenbedingungen gehören klare Regeln und eindeutige Mitbestimmungsrechte. Das erhöht die Bereitschaft älterer Menschen, ihr Wissen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gemäß einzubringen.
9.
Bürgerschaftliches Engagement ist eine Investition zum Nutzen des Gemeinwohls und erbringt eine hohe Wertschöpfung. Seine Ausweitung erfordert eine angemessene Finanzausstattung bei Trägern und Kommunen, die Innovationsfähigkeit wie auch Nachhaltigkeit ermöglicht.
10.
Eine zukunftsgerichtete Kommune gibt dem Alter eine aktive, sinnerfüllte Rolle. Das entspricht den Anforderungen des demografischen Wandels und stärkt ein realistisches Altersbild.