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Fr 13.02.2015

Alleinerziehende fördern und unterstützen

Alleinerziehende machen einen wesentlichen Bestandteil der Familien in Deutschland aus: Von den rund 8,1 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern in Deutschland sind knapp 20 Prozent alleinerziehende Mütter oder Väter. In der Zeit von 1996 bis zum Jahr 2012 ist die Anzahl der Alleinerziehenden von 1,3 Millionen auf 1,6 Millionen angestiegen. Von den 12,9 Millionen Kindern unter 18 Jahren leben inzwischen 17 Prozent in alleinerziehenden Familien. In neun von zehn Fällen ist der alleinerziehende Elternteil die Mutter.

Studien, die vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen worden sind, zeichnen ein differenziertes Bild von Alleinerziehenden und räumen mit gängigen Vorurteilen auf: Viele alleinerziehende Mütter sehen ihre Lebenssituation überwiegend positiv, verfügen über ein hohes Selbstvertrauen und haben verschiedene Strategien, die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Dabei ist in vielen Fällen Alleinerziehen eine Phase, der andere Familienformen vorausgegangen sind, und die nicht das angestrebte Familienmodell ist. Etwa ein Drittel der Alleinerziehenden lebt mit einem (neuen) Partner oder einer (neuen) Partnerin zusammen, jedoch nicht im selben Haushalt.

Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt

Die Mehrzahl der Alleinerziehenden will ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften. Mehr als zwei Drittel der Alleinerziehenden mit Kindern unter  18 Jahren (2013: 67 Prozent) waren aktiv erwerbstätig, davon 42 Prozent in Vollzeit. Auch Alleinerziehende, die nicht erwerbstätig sind, würden zu einem großen Teil gerne arbeiten, haben aber in der Regel größere Schwierigkeiten, sich auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt für die meisten Alleinerziehenden eine beträchtliche Herausforderung dar. Sie sind mit deutlich höheren Anforderungen an die Organisation des Alltags, der Haushaltsführung, Kindererziehung und Sicherung des finanziellen Einkommens konfrontiert. Rund 39 Prozent aller Haushalte von Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern sind derzeit auf staatliche Grundsicherungsleistungen (SGB II) angewiesen. Das sind 625.000 Bedarfsgemeinschaften von Alleinerziehenden (2012). Sie und ihre Familien tragen besondere Armutsrisiken.

Kinderförderungsgesetz und Anspruch auf einen Kitaplatz

Um allen Alleinerziehenden die Chance zu eröffnen, durch Erwerbstätigkeit unabhängig zu sein, sind sie auf ein gut funktionierendes Netz aus flexiblen und passgenauen Betreuungsangeboten für ihre Kinder und auf eine familienfreundliche Arbeitswelt angewiesen. Mit dem Ende 2008 in Kraft getretenen Kinderförderungsgesetz (KiföG) und dem seit August 2013 bestehenden Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr profitieren insbesondere auch Alleinerziehende von dem verstärkten quantitativen und qualitativen Ausbau.

Netzwerke lokaler Akteure unterstützen Alleinerziehende bei der Bewältigung ihres Alltags und bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, beispielsweise durch Wegweiser oder auf die Bedarfe von Alleinerziehenden abgestimmte Angebote und Anlaufstellen. Das Online-Handbuch "Unterstützungsnetzwerke für Alleinerziehende" fasst zusammen, wie solche Unterstützungsnetzwerke aufgebaut werden und funktionieren können.

Kindergeld, Elterngeld und Entlastungsbetrag

Eine Vielzahl von Familienleistungen, wie zum Beispiel Kindergeld und Elterngeld, tragen dazu bei, die finanzielle Situation für Alleinerziehende und ihre Kinder zu verbessern. Auch andere Sozialleistungen, wie beispielsweise das Wohngeld oder notfalls die Grundsicherungsleistungen unterstützen Alleinerziehende besonders.

Um alleinerziehende Familien gezielt zu unterstützen, können alleinerziehende Steuerpflichtige den sogenannten Entlastungsbetrag steuerlich geltend machen. Derzeit liegt der Entlastungbetrag bei 1308 Euro im Jahr. Seit zehn Jahren wurde er nicht erhöht. Der Entlastungsbetrag ist  - wie die Ergebnisse der Gesamtevaluation der ehe- und familienbezogenen Leistungen gezeigt haben - eine besonders effiziente Leistung für Alleinerziehende. Sie erreicht rund 1,1 Millionen Haushalte, entlastet Alleinerziehende wirksam und erhöht die Attraktivität der Erwerbstätigkeit. Die Weiterentwicklung des Entlastungsbetrages wird – wie im Koalitionsvertrag vereinbart - noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden.

Als spezielle Leistung für  Alleinerziehende, deren Kind unter 12 Jahre alt ist und nicht oder nicht regelmäßig oder nicht rechtzeitig Unterhalt vom anderen Elternteil erhält, bekommen Alleinerziehende für das Kind für maximal 72 Monate Unterhaltsvorschuss. Hierbei ist das Einkommen des alleinerziehenden Elternteils unerheblich.

Im Service-Portal des Bundesfamilienministeriums, dem Familien-Wegweiser, finden Alleinerziehende wichtige Informationen zu Leistungen und Ansprechpartnern.