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Mi 02.03.2016

Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege

Mit dem Anstieg der Lebenserwartung in Deutschland steigt auch die Zahl der pflegebedürftigen älteren Menschen. Zugleich wächst der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal in der Altenpflege. Bedingt durch die demografischen Veränderungen sinkt die Zahl junger Menschen, die dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen; die Konkurrenz um den Berufsnachwuchs zwischen den verschiedenen Ausbildungsberufen nimmt zu.

Trotz steigender Ausbildungszahlen, die der Altenpflege mittlerweile einen der ersten Plätze im Vergleich aller Ausbildungsberufe sichert, ist die Altenpflege heute ein Engpassberuf: Im Jahr 2015 kamen auf 100 gemeldete offene Arbeitsstellen für Altenpflegefachkräfte durchschnittlich nur 31 gemeldete Arbeitssuchende - durchschnittlich betrug die Zeit bis zur Neubesetzung einer offenen Stelle 134 Tage.

Ausbildungspakt für die Altenpflege

Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Altenpflege startete die Bundesregierung unter Federführung des Bundesfamilienministeriums mit Beteiligung des Bundesarbeitsministeriums, des Bundesgesundheitsministeriums und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 13. Dezember 2012 die "Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege".

Als starke Gemeinschaftsinitiative mit einer dreijährigen Laufzeit bis zum 31. Dezember 2015 stellte sich dieser erste bundesweite Ausbildungspakt für den Bereich der Altenpflege den Herausforderungen für das Ausbildungs-, Berufs- und Beschäftigungsfeld, um die Aus- und Weiterbildung in der Altenpflege zu fördern und die Attraktivität des Berufs- und Beschäftigungsfeldes zu erhöhen.

Partner der Offensive

Zu den rund 30 Partnern der Offensive zählten neben den beteiligten Bundesministerien die Länder, die Bundesagentur für Arbeit, die Wohlfahrtsverbände, die Verbände der privaten Einrichtungsträger, die Berufs- und Fachverbände der Altenpflege, die Kostenträger, die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände, die Gewerkschaft ver.di sowie die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

Vereinbarungstext mit zehn Handlungsfeldern

In dem Vereinbarungstext zur "Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege" wurden Zielvereinbarungen zu folgenden Handlungsfeldern formuliert:

1. Verstärkte Ausbildungsanstrengungen und bedarfsorientierte Erhöhung der Ausbildungskapazitäten bei Einrichtungen und Schulen

2. Erschließung des Nachqualifizierungspotenzials in der Altenpflege

3. Weiterbildungsförderung durch die Agenturen für Arbeit und Jobcenter

4. Weiterentwicklung der Pflegeberufe

5. Verbesserte Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen im Pflegebereich

6. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Familie und Ausbildung in der Altenpflege

7. Attraktive Arbeitsbedingungen in der Altenpflege

8. Gesellschaftliche Bedeutung des Berufsfeldes durch Öffentlichkeitsarbeit fördern

9. Rahmenbedingungen für die Altenpflege verbessern - Pflegeversicherung reformieren

10. Chancen der europäischen Arbeitnehmerfreizügigkeit nutzen

Zielvereinbarungen

Zu den vielfältigen Zielvereinbarungen gehörten unter anderem

  • die stufenweise Steigerung der Ausbildungszahlen um jährlich zehn Prozent bis 2015,
  • die Wiedereinführung der dreijährigen Umschulungsförderung durch die Bundesagentur für Arbeit während der Laufzeit der Offensive bei gleichzeitiger Stärkung der Möglichkeit zur Ausbildungsverkürzung,
  • die Nachqualifizierung von bis zu 4000 Pflegehelferinnen und Pflegehelfern zur Altenpflegefachkraft
  • sowie die Steigerung der Attraktivität des Berufsfeldes zum Beispiel durch verbesserte Gesundheitsförderung, einen ausgewogeneren Personalmix und leistungsgerechte Vergütung.

Zwischenbericht und abschließende Bilanz

Um den Erfolg der Offensive nachvollziehbar zu machen, wurde im Januar 2015 ein Zwischenbericht veröffentlicht.

Darin war eine positive Tendenz bei den Ausbildungszahlen zu verzeichnen. Während im ersten Jahr der Offensive noch keine Steigerung der Ausbildungszahlen gegenüber dem vereinbarten Referenzjahr 2010/11 erreicht werden konnte, wurde im Schuljahr 2013/14 mit bundesweit 26.740 Eintritten in eine (verkürzte) Altenpflegeausbildung ein neuer Spitzenwert erreicht.

Die abschließende Bilanz des Ausbildungspaktes soll auf einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung im Jahr 2016 vorgestellt werden.

Umsetzung von Zielvereinbarungen

Während einige Maßnahmen auf die Laufzeit der Offensive befristet waren, waren viele von vorneherein auf Dauer angelegt. So hat der Bund zum Beispiel mit dem Gesetz zur Stärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in der Altenpflege (BGBl. I 2013,  S. 446) die bestehenden Möglichkeiten zur Ausbildungsverkürzung für berufliche Weiterbildungen bei Vorliegen entsprechender Vorkenntnisse durch Änderung des § 7 Altenpflegegesetz erweitert. Gleichzeitig wurde eine bis zum 31. März 2016 befristete Vollfinanzierung auch von  nicht verkürzbaren beruflichen Weiterbildungen durch die Arbeitsagenturen beziehungsweise die Jobcenter ermöglicht. Angesichts des weiterbestehenden Fachkräftemangels in der Altenpflege wird diese Fördermöglichkeit für alle Eintritte in die Altenpflegeausbildung bis zum geplanten Start der zurzeit im Gesetzgebungsverfahren befindlichen neuen Pflegeausbildung verlängert. Die Vollfinanzierung gilt damit für Eintritte in die Altenpflegeausbildung, die zwischen dem 1. April 2013 und dem 31. Dezember 2017 erfolgen.

Internetportal und Beratungsteam Altenpflegeausbildung

Im Rahmen der entsprechenden Zielvereinbarung hat das Bundesfamilienministerium das Informationsportal www.altenpflegeausbildung.net und das beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) angesiedelte "Beratungsteam Altenpflegeausbildung" gestartet. Dort stehen 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort in allen Regionen Deutschlands zur Verfügung und beraten und informieren Pflegeeinrichtungen, Altenpflegeschulen sowie alle an der Altenpflegeausbildung Interessierten. Darüber hinaus organisiert das Beratungsteam Ausbildungsverbünde sowie Netzwerke.

Geschäftsstelle Ausbildungsoffensive

Eine beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben eingerichtete Geschäftsstelle begleitete die Umsetzung der Ausbildungsoffensive und wird hierzu auch die abschließende Bilanz erstellen.