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Do 31.03.2016

Weiterentwicklung der Pflegeberufe

Der demografische Wandel prägt und verändert unsere Gesellschaft. Neue Entwicklungen im Berufs- und Beschäftigungsbereich erfordern eine umfassende Reform der Pflegeausbildungen. Eine zukunftsgerechte Berufsausbildung muss Pflegefachkräfte zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen in allen Versorgungsformen befähigen. Sie muss berücksichtigen, dass die Pflege auch weiterhin von stetiger Veränderung geprägt sein wird und dass zukünftig in allen Versorgungsbereichen ältere Menschen den größten Anteil an Pflegebedürftigen ausmachen werden.

Zusammenführung der Pflegeausbildungen in einem Pflegeberufsgesetz

Die Bundesregierung hat am 13. Januar 2016 den vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und vom Bundesministerium für Gesundheit gemeinsam vorgelegten Gesetzentwurf zur Reform der Pflegeberufe beschlossen, der sich nun im Gesetzgebungsverfahren befindet. Ziel des neuen Pflegeberufsgesetzes ist es, die notwendige Grundlage für eine moderne und durchlässige Pflegeausbildung, eine weitere Verbesserung der Qualität in der Pflege und die Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs zu schaffen.

Die bisherigen drei nach Altersgruppen getrennt geregelten Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sollen reformiert und zu einer neuen generalistischen Pflegeausbildung mit einem einheitlichen Berufsabschluss zusammengeführt werden. Daneben ist die einheitliche Finanzierung der neuen Pflegeausbildung unter besonderer Berücksichtigung von Schulgeldfreiheit und eines Anspruchs der Auszubildenden auf angemessene Ausbildungsvergütung sowie die Einführung eines Pflegestudiums in Ergänzung zur beruflichen Pflegeausbildung als weiterer Qualifizierungsweg vorgesehen.

Die neue Pflegeausbildung soll auf einen Einsatz in allen Arbeitsfeldern der Pflege vorbereiten, einen Wechsel zwischen den einzelnen Pflegebereichen erleichtern und den Pflegekräften selbst damit zugleich wohnortnahe Beschäftigungsmöglichkeiten und zusätzliche Einsatz- und Aufstiegsmöglichkeiten eröffnen. Sie wird die Pflegefachkräfte dazu befähigen, die pflegerische Versorgung von Menschen über Altersgrenzen hinweg in allen Versorgungsformen in weiterhin hoher Qualität sicherzustellen.

Der Gesetzentwurf des Pflegeberufsgesetzes enthält - wie in den Gesetzen zur Regelung der Ausbildungen in den Gesundheitsberufen üblich - eine Ermächtigung zum Erlass einer Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. In ihr werden weitere Anforderungen an die künftige Pflegeausbildung geregelt. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Bundesministerium für Gesundheit haben nun Eckpunkte dieser Verordnung vorgelegt. Auf Basis der Eckpunkte wird die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung erarbeitet.

Die neue Pflegeausbildung wird nicht unmittelbar mit Verabschiedung des Gesetzes starten können. Vorher müssen weitere Voraussetzungen geschaffen werden. Das Gesetz soll daher gestuft in Kraft treten, bis am 1. Januar 2018 der erste Ausbildungsjahrgang starten kann.

Eckpunktepapier der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Weiterentwicklung der Pflegeberufe"

Ausgangspunkt für den politischen Entscheidungsprozess und die Arbeit am Gesetzentwurf waren die von der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Weiterentwicklung der Pflegeberufe" vorgelegten "Eckpunkte zur Vorbereitung des Entwurfs eines neuen Pflegeberufegesetzes".

Das Eckpunktepapier enthält Vorschläge für eine Zusammenführung der im Altenpflegegesetz und im Krankenpflegegesetz geregelten beruflichen Ausbildungen zu einer generalistisch ausgerichteten Pflegeausbildung mit einem Berufsabschluss und sieht ergänzend die Einführung einer akademischen Pflegeausbildung vor. Für die Neuordnung der Finanzierung werden verschiedenen Modelle auf der Basis eines gemeinsamen Ausbildungsfonds entwickelt.

Die Eckpunkte wurden im März 2012 veröffentlicht. Ein auf dieser Grundlage erstelltes Forschungsgutachten zur Finanzierung eines neuen Pflegeberufegesetzes wurde mit Stand Oktober 2013 veröffentlicht.

Modellvorhaben "Pflegeausbildung in Bewegung"

Das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und vom Europäischen Sozialfonds geförderte Modellvorhaben "Pflegeausbildung in Bewegung" bereitete die Arbeit der Bund-Länder-Arbeitsgruppe vor. Es diente der Erprobung von Ansätzen zur Zusammenführung der Pflegeausbildungen. Im Rahmen von acht Modellprojekten wurden zwischen 2004 und 2008 innovative Formen der Pflegeausbildung mit rund 300 Auszubildenden erprobt.