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Di 11.12.2012

Entgeltungleichheit

Überall in Europa verdienen Frauen weniger als Männer. Bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation verdienen Frauen in Deutschland  im Durchschnitt acht Prozent weniger als Männer - dies ist die so genannte "bereinigte Lohnlücke".

In Deutschland gibt es bei der (unbereinigten) Lohnlücke ein deutliches Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschland, wo sie deutlich stärker ausfällt (Statistisches Bundesamt 2011 mit Daten für 2010). Die Verdienstabstände werden mit höherer Ausbildung und mit zunehmendem Alter größer. Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wochenbericht DIW 2008) zeigen außerdem, dass die Lohnlücke in ländlichen Gebieten deutlich höher ist als in Städten.

Es bestehen vor allem drei Ursachen für die Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern:

  • Frauen fehlen in bestimmten Berufen, Branchen und auf den höheren Stufen der Karriereleiter.
  • Frauen haben häufigere und längere familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und -reduzierungen als Männer.
  • Individuelle und kollektive Lohnverhandlungen haben gleichermaßen nicht nachhaltig dazu beitragen können, das "typische Frauentätigkeiten" nicht mehr schlechter bewertet werden.

2001 hat die Bundesregierung im Rahmen der Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft das Thema Entgeltgleichheit als eine von vier Zielgrößen verankert. Das Bundesfamilienministerium unterstützt deshalb verschiedene Projekte, um geschlechtsspezifischer Lohnungleichheit entgegenzuwirken.

Dauer familienbedingter Erwerbsunterbrechungen angleichen

Nach längeren familienbedingten Erwerbsunterbrechungen und damit verbundenen Einbußen beim Gehalt können Frauen den Einkommensvorsprung ihrer männlichen Kollegen oft nicht mehr aufholen. Gerade in Deutschland (insbesondere in Westdeutschland) sind lange Familienphasen und eine hohe Teilzeitquote typisch für Frauenerwerbsverläufe.

Ziel ist daher eine stärkere Angleichung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit und der Lebensarbeitszeit von Frauen und Männern, zum Beispiel durch die stärkere Inanspruchnahme der Elternzeit durch Väter. Die Partnermonate des Elterngeldes sind ein besonders wichtiger Baustein der Politik des Bundesfamilienministeriums zur Überwindung der Entgeltungleichheit. Zudem werden mit dem Aktionsprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" die Ein- und Aufstiegschancen von Frauen nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung verbessert.

Equal Pay Day

2008 wurde der Equal Pay Day, der internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen, auf Initiative der Business and Professional Women (BPW) Germany erstmals in Deutschland durchgeführt und wird seither vom Bundesfamilienministerium gefördert.

Im Jahr 2009 formierte sich auf Initiative des BPW Germany schließlich ein nationales Aktionsbündnis bestehend aus der Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), dem Deutschen Frauenrat (DF) und dem Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU).

Das Forum Equal Pay Day ergänzt seit September 2011 den Aktionstag durch ganzjährige Informationsveranstaltungen für Unterstützerinnen und Unterstützer, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und Sponsorinnen und Sponsoren. Jedes Jahr wird ein neuer thematischer Schwerpunkt festgelegt, um Diskussionen zu verschiedenen Aspekten der Lohnungleichheit anzustoßen.

Einkommensperspektiven im Ländlichen Raum

Seit 2011 fördert das Bundesfamilienministerium auch das Projekt des Deutschen Landfrauenverbandes, "LandFrauenStimmen für die Zukunft", das den Augenmerk auf faire Einkommensperspektiven im Ländlichen Raum richtet. Das Projekt wird bei der Frauenrechtskommission 2012 in New York bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Internationalen Landfrauenverband ACWW und UN Women als Best practice präsentiert. Das Schwerpunktthema der Frauenrechtskommission 2012 ist die Lebenssituation von Frauen und Mädchen im ländlichen Raum.

Logib-D

Um verdeckte Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern in Unternehmen zu identifizieren und gezielt Ursachen hierfür zu überprüfen, bietet das Bundesfamilienministerium das Computerprogramm Logib-D an. Mit Logib-D ("Lohngleichheit im Betrieb - Deutschland") kann die Höhe des durchschnittlichen Unterschieds der Monatsgehälter weiblicher und männlicher Beschäftigter für den Betrieb insgesamt und für einzelne Standorte ermittelt werden. Gleichzeitig können verschiedene Einflussfaktoren und Ursachen dieses Unterschieds analysiert werden, die Ansatzpunkte für Veränderungsmöglichkeiten bieten. Das Bundesfamilienministerium stellt für 200 interessierte Unternehmen in den Jahren 2010 bis 2012 kostenlos eine vertrauliche standardisierte Vergütungsberatung auf Basis von Logib-D zur Verfügung.

Unterstützung aus Brüssel

Auch die Europäische Union hat das Thema Entgeltgleichheit zu einem Schwerpunktthema der Gleichstellungspolitik gemacht. Die Europäische Kommission hat eine Informationskampagne zum Thema Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern gestartet, deren zweite Phase im März 2010 begann.

Studienergebnisse zu Entgeltungleichheit

Der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (vorgelegt im Jahr 2011) hat aufgezeigt, wie nachhaltig sich unterschiedliche Bruttostundenlöhne zu Einkommenseinbußen für Frauen addieren - bis hin zu gravierenden Unterschieden bei der Alterssicherung von Frauen und Männern. Die Alterssicherungslücke zwischen Frauen und Männern liegt in Deutschland bei 59 Prozent. Dieser Unterschied wird als "Gender Pension Gap" bezeichnet.

Die Bundesregierung hat sich verstärkt mit dem Thema Beseitigung der Lohnunterschiede beschäftigt und ist bestrebt, die Lohnlücke deutlich zu reduzieren. In dem Dossier "Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern in Deutschland" des Bundesfamilienministeriums werden Ursachen der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern beschrieben und Handlungswege aufgezeigt, wie diese Lohnlücke wirkungsvoll reduziert werden kann.

Die Studie "Entgeltungleichheit – gemeinsam überwinden" im Auftrag des Bundesfamilienministeriums schließt an die Resultate des Dossiers "Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern in Deutschland" an  und dokumentiert die Ergebnisse von repräsentativen Befragungen zum Thema Entgeltungleichheit.


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