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Do 16.06.2016

Hilfe und Unterstützung bei ungewollter Kinderlosigkeit

In Deutschland ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Für die Erfüllung des Kinderwunsches sind diese Paare auf medizinische Hilfe angewiesen. Die reproduktionsmedizinische Behandlung stellt für die Betroffenen nicht nur finanziell, sondern auch physisch und psychisch eine erhebliche Belastung dar.

Das Bundesfamilienministerium hat deshalb die Bundesinitiative "Hilfe und Unterstützung bei ungewollter Kinderlosigkeit" gestartet. Ziel ist es, Kinderwunschpaaren eine ergänzende finanzielle Unterstützung zu ermöglichen, das Angebot einer begleitenden psychosozialen Beratung zu verbessern und das Thema "ungewollte Kinderlosigkeit" zu enttabuisieren.

Paare mit Kinderwunsch unterstützen

Dank des medizinischen und technischen Fortschritts stehen ungewollt kinderlosen Paaren heute verschiedene Maßnahmen der künstlichen Befruchtung zur Verfügung, um sich den Kinderwunsch vielleicht doch noch zu erfüllen. Aber gerade für diejenigen mit kleinen oder mittleren Einkommen stellen die hohen Behandlungskosten der Reproduktionsmedizin eine fast unüberwindliche Hürde dar.

Seit Inkrafttreten der "Richtlinie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Maßnahmen der assistierten Reproduktion" am 1. April 2012 stellt der Bund finanzielle Hilfen für Kinderwunschbehandlungen bereit. Voraussetzung ist, dass sich die Bundesländer mit einem eigenen Landesförderprogramm entsprechend beteiligen. Dabei können je nach Ausrichtung der Landesförderung unterschiedliche Förderkriterien in Bezug auf Art und Umfang der Zuwendung gelten.

Am 7. Januar 2016 ist eine Erweiterung der Bundesförderrichtlinie in Kraft getreten: Nun können erstmals auch unverheiratete Paare, die in einer auf Dauer angelegten nichtehelichen, heterosexuellen Lebensgemeinschaften leben, finanzielle Unterstützung aus Bundesmitteln erhalten. Voraussetzung ist auch hier, dass sich das Hauptwohnsitzbundesland des Kinderwunschpaares ko-finanzierend beteiligt und seine Landesförderung zugunsten unverheirateter Paare anpasst.

Die bisher kooperierenden Länder (Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin) werden ihre Landesförderkriterien voraussichtlich bis Ende 2016 an die erweiterte Unterstützungsmöglichkeit anpassen. Dafür müssen dort zunächst die notwendigen parlamentarischen Verfahren durchlaufen und die Haushaltsmittel bereitgestellt sein. Parallel müssen die zwischen Bund und Land bilateral abgeschlossenen Verwaltungsvereinbarungen, die die eigentliche Grundlage der gemeinsamen Bund-Länder-Förderung sind, entsprechend geändert werden.

Als erstes Bundesland hat Thüringen die Landesförderrichtlinie geändert - rückwirkend zum 7.1.2016. Als zweites Bundesland hat der Freistaat Sachsen am 28.4.2016 seine Landesförderrichtlinie erweitert - mit Wirkung zum 1.7.2016. Auch Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin überarbeiten derzeit ihre Landesrichtlinien.

Zuschüsse helfen, die Kosten zu senken

Mithilfe dieser Zuschüsse, die die Kostenbeteiligungen der Krankenversicherungen ergänzen, sinkt der Eigenanteil an den Behandlungskosten erheblich. Je nach Landesförderung wird der erste bis vierte Behandlungszyklus unterstützt. Der Bund übernimmt dabei maximal 25 Prozent des den Paaren nach Abrechnung mit der Krankenkasse verbleibenden Eigenanteils.
Zusammen mit der Leistung der gesetzlichen Krankenkasse kann der Eigenanteil für die Paare bei den ersten drei Behandlungen auf bis zu einem Viertel, bei der vierten auf bis zur Hälfte der Kosten gesenkt werden.

Informationsportal Kinderwunsch

Alle Informationen zur Bundesinitiative, zu den Länder-Kooperationen sowie eine spezielle Datenbank mit Suchfunktion nach Kinderwunschberatung in Wohnortnähe sind auf dem Informationsportal Kinderwunsch (www.informationsportal-kinderwunsch.de) zu finden. Hier werden auch die Gründe, Ursachen und Folgen ungewollter Kinderlosigkeit sowie die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten beschrieben.

Psychosoziale Beratung und Begleitung

Vielen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch fällt es schwer, ihre Sorgen und Nöte mit Freunden und der Familie zu teilen. Dabei ist es in belastenden Lebenssituationen wichtig, mit jemandem reden zu können. Die Expertinnen und Experten der psychosozialen Beratungsstellen können hier eine große Unterstützung sein. Eine vertrauensvolle Beratung kann zu jedem Zeitpunkt einer Kinderwunschbehandlung helfen: vor Beginn als Entscheidungshilfe, währenddessen, um die "emotionale Achterbahn" aufzufangen, und am Ende, um gegebenenfalls die Auseinandersetzung mit bleibender Kinderlosigkeit zu unterstützen. Angeboten werden Einzel- oder Paarberatung sowie Gruppenangebote.

Studie zum Thema

Eine vom Bundesfamilienministerium im Jahr 2015 veröffentlichte Milieustudie zur ungewollten und gewollten Kinderlosigkeit in Deutschland liefert erstmals valide Zahlen, Daten und Fakten über Gründe, Ursachen und "Diskriminierungserfahren" von kinderlosen Frauen, Männern und Paaren aus verschiedenen sozialen Milieus getrennt nach Alter und Geschlecht. Die Studie ist auf der Internetseite des Bundesfamilienministeriums abrufbar.