Inhalt

Di 09.02.2016

Hilfe und Unterstützung bei ungewollter Kinderlosigkeit

In Deutschland ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Für die Erfüllung des Kinderwunsches sind diese Paare auf medizinische Hilfe angewiesen. Dauer und Kosten der Behandlungen stellen für die Betroffenen aber oft eine erhebliche finanzielle und psychische Belastung dar.

Das Bundesfamilienministerium hat deshalb die Bundesinitiative "Hilfe und Unterstützung bei ungewollter Kinderlosigkeit" gestartet. Ziel ist es, für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch die finanzielle Unterstützung zu verbessern, die Beratung zu optimieren, eine verständnisvolle Begleitung sicherzustellen und das Thema "ungewollte Kinderlosigkeit" zu enttabuisieren.

Paare mit Kinderwunsch unterstützen

Dank des medizinischen Fortschritts stehen ungewollt kinderlosen Paaren heutzutage eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Verfügung, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Doch gerade für diejenigen mit kleinen und mittleren Einkommen stellen die hohen Behandlungskosten der Reproduktionsmedizin oft eine fast unüberwindliche Hürde dar.

Seit Inkrafttreten der "Richtlinie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Maßnahmen der assistierten Reproduktion" am 1. April 2012 stellt der Bund finanzielle Hilfen für Kinderwunschbehandlungen bereit. Voraussetzung ist, dass sich die Bundesländer mit einem eigenen Landesförderprogramm entsprechend beteiligen. Darüber hinaus können die Bundesländer weitere andere Regelungen beschließen - je nach Ausrichtung der Landesförderung gelten also unterschiedliche Förderbedingungen.

Am 7. Januar 2016 ist eine Erweiterung der Bundesförderrichtlinie in Kraft getreten: Nun können erstmals auch unverheiratete Paare, die in einer auf Dauer angelegten nichtehelichen, heterosexuellen Lebensgemeinschaften leben,  finanzielle Unterstützung aus Bundesmitteln erhalten. Voraussetzung ist auch hier, dass sich das jeweilige Hauptwohnsitzbundesland beteiligt und seine Landesförderung zugunsten unverheirateter Paare anpasst.

Zuschüsse helfen, die Kosten zu senken

Mithilfe dieser Zuschüsse, die die Kostenbeteiligungen der Krankenversicherungen ergänzen, sinkt der Eigenanteil an den Behandlungskosten erheblich. Je nach Landesförderung wird der erste bis vierte Behandlungszyklus unterstützt. Der Bund übernimmt dabei maximal 25 Prozent des den Paaren nach Abrechnung mit der Krankenkasse verbleibenden Eigenanteils.

Zusammen mit der Kostenbeteiligung der gesetzlichen Krankenkassen kann der Eigenanteil für Paare bei den ersten drei Behandlungen auf bis zu einem Viertel, bei der vierten auf bis zur Hälfte der Kosten gesenkt werden.

Bisher nehmen die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin an der Bundesinitiative teil. Dabei gelten in jedem Bundesland unterschiedliche Bedingungen für eine finanzielle Unterstützung bei Kinderwunschbehandlungen. Auch Art und Höhe der Zuwendungen variieren.

Informationsportal Kinderwunsch

Alle Informationen zur Bundesinitiative, zu den Länder-Kooperationen sowie eine spezielle Datenbank mit Suchfunktion nach Kinderwunschberatung in Wohnortnähe sind auf dem neu gestalteten Informationsportal Kinderwunsch (www.informationsportal-kinderwunsch.de) zu finden. Zudem  werden dort die Gründe und Ursachen für Kinderlosigkeit sowie Behandlungsmöglichkeiten ausführlich beschrieben.

Psychosoziale Beratung und Begleitung

Vielen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch fällt es schwer, ihre Sorgen und Nöte mit Freunden und der Familie zu teilen. Dabei ist es in belastenden Lebenssituationen wichtig, mit jemandem reden zu können. Die Expertinnen und Experten der psychosozialen Beratungsstellen können hier eine große Hilfe sein. Eine solche Beratung kann zu jedem Zeitpunkt einer Kinderwunschbehandlung in Anspruch genommen werden: vor Beginn als Entscheidungshilfe, währenddessen, um die "emotionale Achterbahn" etwas zu dämpfen, und am Ende, um gegebenenfalls bei der Auseinandersetzung mit bleibender ungewollter Kinderlosigkeit zu helfen. Angeboten werden Einzel- oder Paarberatung sowie Gruppenangebote.

Studie zum Thema

Eine vom Bundesfamilienministerium  im Jahr 2015 veröffentlichte Milieustudie zur ungewollten und gewollten Kinderlosigkeit in Deutschland liefert erstmals valide Zahlen, Daten und Fakten über Gründe, Ursachen und "Diskriminierungserfahren" von kinderlosen Frauen, Männern und Paaren aus verschiedenen sozialen Milieus getrennt nach Alter und Geschlecht. Die Studie ist auf der Internetseite des Bundesfamilienministeriums abrufbar.