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Fr 27.05.2016

Gute Kinderbetreuung

Eine gute Kinderbetreuung und frühe Förderung für alle Kinder gehören zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben in Deutschland. Damit junge Menschen ihren Wunsch nach Kindern auch verwirklichen können, sind bedarfsgerechte Betreuungsangebote, gute Qualität und Trägervielfalt zu gewährleisten. Dabei spielt die Kindertagespflege als besonders flexible und familiennahe Betreuungsform eine zentrale Rolle. Sie soll weiter professionalisiert werden, indem insbesondere die Qualifikation und Vergütung von Tagespflegepersonen weiterentwickelt werden.

Gemeinsames Ziel von Bund, Ländern und Kommunen ist, bundesweit ein bedarfsgerechtes und qualitativ gutes Angebot an Betreuungsplätzen insbesondere für Kinder unter drei Jahren zu schaffen. Denn seit dem 1. August 2013 hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

Dieser Rechtsanspruch kann durch das Angebot eines Betreuungsplatzes in einer Kindertageseinrichtung oder in der Kindertagespflege erfüllt werden. Länder und Kommunen haben in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um ein bedarfsgerechtes Angebot an Plätzen einzurichten.

Bund unterstützt Ausbau mit massiven Finanzhilfen

In den letzten Jahren hat der Bund bereits massiv in den Ausbau und die Qualität in der Kindertagesbetreuung investiert (bis 2014 insgesamt mit 5,4 Milliarden Euro am Ausbau U3 und ab 2015 dauerhaft jährlich mit 845 Millionen Euro) und wird sein finanzielles Engagement noch weiter ausbauen.

Mit dem neuen, dritten Investitionsprogramm stellt der Bund den Ländern und Kommunen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung als je zuvor. So werden in dieser Legislaturperiode nicht nur eine Milliarde Euro für den weiteren Kita-Ausbau investiert, sondern Länder und Kommunen werden ab 2017 und 2018 zusätzlich mit 100 Millionen Euro jährlich bei den Betriebskosten unterstützt. Dieses Geld kann auch für Personalkosten verwendet werden.

Die durch den Wegfall des Betreuungsgeldes bis 2018 freiwerdenden Mittel, stehen den Ländern ab 2016 zur Verfügung. Es handelt sich um rund 2 Milliarden. Euro, die von Ländern und Kommunen für Maßnahmen zur Verbesserung der Kinderbetreuung genutzt werden sollen.

Unabhängig von den Investitionsprogrammen fördert der Bund bereits jetzt mit rund 400 Millionen Euro Erzieherinnen und Erzieher in rund 4000 Schwerpunkt-Kitas bei ihrer sprachpädagogischen Arbeit mit den Kindern und bei der Zusammenarbeit mit den Familien der Kinder durch zusätzliche Fachkräfte, den Sprachexpertinnen und Sprachexperten. Das Bundesprogramm "Lernort Praxis" stärkt die Ausbildungsqualität der Praxisphasen angehender Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen und die notwendige Verzahnung der Lernorte Schule und Praxis. Außerdem unterstützt der Bund seit 2008 mit dem "Aktionsprogramm Kindertagespflege" den Ausbau der und die Qualifizierung in der Kindertagespflege.

Entwicklung der Betreuungsquote

Die Anstrengungen von Bund und Ländern bei dem vereinbarten bedarfsgerechten und qualitätsorientierten Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren zeigen weiter Wirkung: Die Betreuungsquote hat sich im Bundesdurchschnitt seit März 2006 von 13,6 Prozent auf 32,9 Prozent im März 2015 erhöht.

Der quantitative Ausbau des Betreuungsangebotes für Kinder unter drei Jahren ist aber noch nicht abgeschlossen, denn der Bedarf an Betreuungsplätzen ist bundesweit noch nicht gedeckt. So lag der Anteil der Eltern, die einen Betreuungsbedarf äußerten, 2015 bei 43,2 Prozent. Eltern buchten für mehr als die Hälfte der unter Dreijährigen einen Ganztagsplatz in der Kindertagesbetreuung. Gewünscht wurde dieser lange Betreuungsumfang von 40 Prozent der Eltern. Der gebuchte Betreuungsumfang kann sich von der tatsächlichen Inanspruchnahme unterscheiden: Meist fällt bei Plätzen mit höherem gebuchten Umfang die tatsächliche Nutzungsdauer geringer aus. So nahmen 2014 lediglich 30,1 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren mehr als 35 Stunden pro Woche in Anspruch.

Da sich der Bedarf regional und lokal erheblich unterscheidet, ist eine gute lokale Bedarfsplanung, die auch den gewünschten Betreuungsumfang berücksichtigt, erforderlich.

Der Ausbau der Infrastruktur in der Kindertagesbetreuung setzt sich unvermindert fort: Im März 2015 gab es bundesweit 54.536 Kindertageseinrichtungen. Dies waren 1.121 Einrichtungen mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres (+ 2,1 Prozent). Es wurden mehr neue Einrichtungen geschaffen als im Vorjahreszeitraum.

Auch die Zahl der dort als pädagogisches Personal oder als Leitungs- und Verwaltungspersonal beschäftigten Personen stieg weiter an, auf 555.000. Dabei ist das Qualifizierungsniveau insgesamt konstant geblieben.

Jedoch werden in den Kontexten des weiteren Betreuungsausbaus, der Bereitstellung von Betreuungsplätzen für Kinder mit Fluchterfahrung, der Verbesserung der Personalschlüssel und des insgesamt hohen Altersdurchschnitts des Fachpersonals (hohe Ausscheidensquote aus Altersgründen) weitere Fachkräfte benötigt.

Gute Qualität bundesweit

Eltern wünschen sich die bestmögliche Betreuung und Bildung für ihre Kinder. Es ist gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern und Gemeinden, ein breites Angebot von guter Qualität zu gewährleisten. Denn die frühkindliche Bildung in der Kita ist zentral für die weitere Entwicklung eines Kindes.

Zur Schaffung von mehr Chancen- und Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder und zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht nur ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot sondern auch eine hohe, an den Bedürfnissen der Kinder orientierte pädagogische Qualität in der Kindertagesbetreuung wichtig.

Die Qualität der Kindertagesbetreuung hat sich im Zuge des Ausbaus zwar nicht verschlechtert, es besteht jedoch ein Weiterentwicklungsbedarf, um insbesondere auch Kinder aus benachteiligten sozialen Verhältnissen besser fördern zu können.

Daher haben Bund, Länder und Kommunen im November 2014 mit dem Communiqué "Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern" zentrale Bereiche identifiziert, für die konkrete Qualitätsziele verabredet werden sollen. Dazu tagt eine Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundes, der Länder und der kommunalen Spitzenverbänden unter Beteiligung von weiteren Verbänden und Organisationen. Ende 2016 wird die Arbeitsgruppe einen Bericht vorlegen.

Auf der zweiten Bund-Länder-Konferenz am 5. November 2015 wurde außerdem beschlossen, die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Integration und Förderung von Flüchtlingskindern und ihren Familien im Rahmen des Qualitätsentwicklungsprozesses zu berücksichtigen.

Zur Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung wird das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzielle Mittel für folgende neue Programme zur Verfügung stellen:

Bundesprogramm "KitaPlus"

Das Bundesfamilienministerium hat das Interessenbekundungsverfahren zum neuen Bundesprogramm "KitaPlus" gestartet. Teilnehmende Kitas und Kindertagespflegestellen sollen darüber ihre Öffnungszeiten flexibler gestalten und damit Familien in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch eine gute Betreuung für ihre Kinder unterstützen. Zielgruppe des Modellprogramms sind unter anderem Alleinerziehende und Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter, Berufsrückkehrerinnen, Selbstständige sowie Berufsgruppen, deren Arbeitszeiten außerhalb der üblichen Kita-Öffnungszeiten liegen.

Um eine Förderung zu erhalten, müssen interessierte Kitas und Kindertagespflegestellen den lokalen Bedarf beschreiben sowie eine allgemeine Projektkonzeption für die erweiterten Öffnungszeiten vorlegen. Ziel ist zu allen Betreuungszeiten eine gute pädagogische Qualität zu gewährleisten. Für das Programm  stellt das Bundesfamilienministerium insgesamt 100 Millionen Euro zur Verfügung. Interessierte Kindertageseinrichtungen oder Kindertagespflegepersonen, bei denen ein lokaler Bedarf für erweiterte Öffnungszeiten besteht, sind nun aufgerufen, sich am Interessenbekundungsverfahren zu beteiligen.

Ab Januar 2016 werden im neuen Bundesprogramm "KitaPlus" mit einer Laufzeit von drei Jahren zukunftsfähige Konzepte für bedarfsgerechte Betreuungszeiten gefördert. Dazu gehören Öffnungszeiten, vor 8.00 beziehungsweise nach 16.00 Uhr. Darüber hinaus können sie über Betreuungsmöglichkeiten am Wochenende und an Feiertagen bis hin zu einem Betreuungsangebot reichen, das auch die Nacht abdeckt. Neben Personalmitteln fördert das Bundesfamilienministerium die Ausstattung, die für die Umsetzung des erweiterten Angebots erforderlich ist. Kindertageseinrichtungen können Fördermittel bis zu 200.000 Euro im Jahr und Tagespflegepersonen bis zu 15.000 Euro jährlich erhalten.

Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist  

Im Januar 2016 startete das Bundesprogramm "Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist". Mit dem Programm werden Angebote sprachlicher Bildung in Kindertageseinrichtungen gefördert. Weitere Schwerpunkte sind die inklusive Bildung sowie die Zusammenarbeit mit Familien. Die Sprach-Kitas werden zum einen durch zusätzliche Fachkräfte für sprachliche Bildung unterstützt, die direkt in der Kita tätig sind. Zum anderen werden sie kontinuierlich durch eine Fachberatung begleitet. Das Programm richtet sich an Kindertageseinrichtungen mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Kindern mit besonderem Bedarf an sprachlicher Bildung und Förderung. Die erfolgreichen Ansätze aus dem Bundesprogramm "Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration" (2011-2015) werden darin fortgesetzt.

Bundesprogramm Kindertagespflege

Das Aktionsprogramm Kindertagespflege läuft im Dezember 2015 aus. Anschließend wird es vom Bundesprogramm Kindertagespflege mit einer Laufzeit bis Dezember 2018 abgelöst. Hier werden jährlich 7,5 Mio. Euro unter anderem für die (Weiter-)Entwicklung  der Festanstellung und Weiterqualifizierung für Kindertagespflegepersonen, Inklusion in der Kindertagespflege sowie Qualitätsentwicklung in der Fachberatung zur Verfügung stehen.

Bereits bestehende Bundesprogramme:

Bundesprogramm "Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration"

Mit dem Programm "Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration" wurden rund 500 Millionen Euro bis Ende 2015 zur Verfügung gestellt, um etwa 4000 Kitas in Deutschland zu Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration weiterzuentwickeln.

Aktionsprogramm Kindertagespflege

Das "Aktionsprogramm Kindertagespflege" fördert die Strukturen und den Ausbau der Kindertagespflege. Das Programm hat bewirkt, dass sich die Qualifizierung von 160 Stunden für neu einzustellende Kindertagespflegepersonen fast flächendeckend durchgesetzt hat. Diese Entwicklung unterstützt hat auch die Einigung zwischen Bund, Ländern und der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf ein gemeinsames Gütesiegel für private Bildungsträger, die die Qualifizierungskurse für Kindertagespflegepersonen anbieten.

Die Weiterentwicklung der Qualifizierung von Tagespflegepersonen ist angesichts der gesetzlichen Gleichrangigkeit des Angebotes mit der institutionellen Kindertagesbetreuung unerlässlich. Das Deutsche Jugendinstitut hat deshalb ein neues kompetenzorientiertes Qualifizierungshandbuch (QHB) entwickelt, das einen Qualifizierungsumfang von 300 Unterrichtseinheiten zuzüglich Praktika und Selbstlerneinheiten vorsieht.

Mit einer "Online-Beratung Kindertagespflege" besteht darüber hinaus ein Serviceangebot für Tagesmütter und Tagesväter, für Eltern und für diejenigen, die Fragen zur Umsetzung der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen der Kindertagespflege haben. Seit 2012 fördert der Bund die Festanstellung von Tagesmüttern und Tagesvätern mit Lohnkostenzuschüssen.

Bund-Länder-Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS)

BiSS ist ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm, das die vielfältigen Maßnahmen der Bundesländer zur sprachlichen Bildung, Sprachdiagnostik, und Leseförderung in den Bildungsetappen des Elementarbereiches, der Primar- und der Sekundarstufe bündelt, evaluiert und weiterentwickelt. Von Anfang an bis zur Schule soll allen Kindern und Jugendlichen eine noch bessere sprachliche Bildung und Förderung ermöglicht werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die ständige Konferenz der Kultusminister der Bundesländer sowie die Jugend- und Familienministerkonferenz haben die gemeinsame Durchführung in den Jahren 2013 bis 2017 vereinbart. Inhaltlicher Schwerpunkt im Elementarbereich ist die gezielte alltagsintegrierte sprachliche Bildung, die auch vom Bundesprogramm "Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration" konzeptionell unterstützt wird.

Lernort Praxis

Mit dem Bundesprogramm "Lernort Praxis" soll die Qualität von Kindertageseinrichtungen als Ko-Ausbildungsinstitution und damit die Ausbildungsqualität der angehenden frühpädagogischen Fachkräfte gestärkt werden. In einer Pilotphase werden seit August 2013 76 qualifizierte Praxismentorinnen und Praxismentoren in Kindertageseinrichtungen aus sieben Bundesländern für eine Projektlaufzeit von drei Jahren gefördert. Diese sollen insbesondere das Kita-Team bei der Praxisanleitung unterstützen, den angehenden Fachkräften Möglichkeiten der Reflektion und des fachlichen Austauschs bieten und die Kooperation mit den Fach- und Hochschulen ausbauen. Die Erfahrungen aus dem Programm sollen in ein kompetenzorientiertes Curriculum einfließen, das nachhaltig Qualitätsstandards für die Praxisanleitung setzt. Insgesamt stehen hierfür acht Millionen Euro zur Verfügung.