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Mo 01.06.2015

Gleichstellungspolitik - Politik für Frauen und Männer

Tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern: Das ist eine der zentralen Herausforderungen, um unser Land zukunftsfähig, erfolgreich und gerecht zu gestalten. Dafür müssen Frauen und Männern über ihren gesamten Lebensweg hinweg die gleichen Chancen eröffnet werden - sei es persönlich, im Beruf oder in der Familie. Die Bundesregierung hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, in dieser Legislaturperiode spürbare Fortschritte in der Gleichstellungspolitik zu erzielen. Denn es gibt noch viel zu tun: Auch heute noch verdienen Frauen selbst bei vergleichbarer Tätigkeit oft weniger als Männer; Frauen steigen trotz gleicher oder sogar besserer Qualifikation seltener in Führungspositionen auf als Männer. Und auch bei Gewalt in der Beziehung sind die Opfer ganz überwiegend Frauen.

Partnerschaftlichkeit als Fundament

Die Lebensrealität junger Frauen und Männer hat sich geändert. Immer mehr Mütter mit kleinen Kindern gehen ihrem Beruf nach, immer mehr Männer möchten sich stärker am Familienleben beteiligen. Dennoch sind in vielen Familien Erwerbs- und Sorgearbeit ungleich auf Mann und Frau verteilt: 60 Prozent aller Paare mit kleinen Kindern wünschen sich heute eine partnerschaftliche Arbeitsteilung, in der beide Eltern die Chance haben, sowohl für die Familie da zu sein als auch Aufstiegsmöglichkeiten im Beruf zu haben. Doch nur 14 Prozent leben dieses Modell auch.

Viele Entscheidungen treffen Paare heute gemeinsam - die Folgen aber spüren Frauen und Männer ganz unterschiedlich: Wenn Kinder geboren werden, bleiben Männer meist noch immer erwerbstätig oder setzen nur kurz aus. Sie sichern sich so berufliche Aufstiegschancen und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Frauen steigen dagegen öfter und vor allem länger aus dem Beruf aus als Männer. Diese Unterbrechungen bringen deutliche Nachteile mit sich, die sich summieren: Frauen verdienen im Durchschnitt 22 Prozent weniger pro Stunde, sie finden sich häufiger in unsicheren Arbeitsverhältnissen wie Minijobs wieder und ihre Aufstiegsmöglichkeiten in eine Führungsposition sind ungleich geringer. Die langfristigen Auswirkungen zeigen sich vor allem, wenn Frauen ungewollt die Rolle als Familienernährerin übernehmen müssen oder im Alterssicherungseinkommen, das bei Frauen heute um 57 Prozent geringer ist als bei Männern.

Aber auch Männern steht oft nur ein begrenztes Entscheidungsspektrum zur Verfügung: Sie entscheiden sich zum Beispiel selten für soziale und Pflegeberufe und nehmen sehr viel seltener und kürzer Elternzeit als Frauen. Auch Teilzeitarbeit wird Männern seltener zugestanden. Das bedeutet einen Verzicht auf wesentliche Lebenschancen in Beruf und Familie.

Ein zentrales Ziel moderner Gleichstellungspolitik ist es deshalb, eine partnerschaftliche Lebensweise von Frauen und Männern zu ermöglichen. Denn Partnerschaft auf Augenhöhe sorgt dafür, dass beide, Frau und Mann, arbeiten und damit den eigenen Lebensunterhalt sichern können, dass sie die Hausarbeit gerecht verteilen und beide sich um pflegebedürftige Angehörige und gemeinsame Kinder kümmern können.

Noch immer ungleiche Chancen

Die Lebenswirklichkeit von Frauen und Männern ist in Deutschland heute vielfältiger denn je. Beiden Geschlechtern stehen heute weit mehr Chancen offen, als vor wenigen Jahren noch vorstellbar war. Trotzdem bestehen weiterhin gravierende Unterschiede und ungleiche Chancen zwischen Frauen und Männern, sei es bei der Berufswahl, bei der Gründung einer Familie oder beim Aus- und Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Moderne Gleichstellungspolitik setzt daher gerade an diesen Übergängen an. Sie nimmt den gesamten Lebensverlauf in den Blick und will individuelle Entscheidungen ermöglichen, die nicht in eine Sackgasse führen - unabhängig vom Geschlecht. Dafür setzt sich die Bundesregierung in Deutschland sowie international ein.

Bundesregierung will faktische Gleichstellung von Frauen und Männern

Um die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen zu verwirklichen, hat sich die Bundesregierung ein ganzes Bündel von Maßnahmen vorgenommen und zum Teil bereits umgesetzt. So gilt seit dem 1. Mai 2015 das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst. Mit dem Gesetz soll mittelfristig der Anteil von Frauen in Führungspositionen signifikant verbessert und letztlich eine Geschlechterparität erreicht werden. Auch die Verdienst- und Beschäftigungsmöglichkeiten von Frauen sollen durch verschiedene Vorhaben verbessert werden, beispielsweise durch das Recht, nach einer Phase reduzierter Arbeitszeit zum vorherigen Arbeitsumfang zurückzukehren. Außerdem will die Bundesregierung typische Frauenberufe aufwerten, zum Beispiel in der Pflege, eine hochwertige Kinderbetreuung sicherstellen und das Elterngeld weiterentwickeln und verbessern.

Echte Partnerschaft und tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter können jedoch nur verwirklicht werden, wenn auch die Gewalt gegen Frauen wirksam bekämpft wird. Deshalb geht die Bundesregierung entschieden gegen Menschenhandel vor und will die legale Prostitution regulieren. Der Zugang zu bestehenden Hilfeangeboten wird durch das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" deutlich erleichtert.

Eine an Partnerschaft ausgerichtete Politik muss aber auch gezielt die Belange der Männer in den Fokus nehmen. Das Bundesfamilienministerium unterstützt deshalb Männer dabei, ihre Rolle jenseits von Klischees und überholten Mustern neu zu definieren. Das Projekt "Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas" ermutigtvor allem auch Männer, in den Erzieherberuf einzusteigen; weitere Berufe, für die sich bislang nur wenige Jungen und Männer entscheiden, werden am Boys'Day vorgestellt, der parallel zum Mädchen-Zukunftstag Girls'Day stattfindet.

Alleinerziehende: Unterstützung auf breiter Basis

Ein weiteres wichtiges Ziel der Bundesregierung ist es, die Lebenssituation von Alleinerziehenden nachhaltig zu verbessern. Entscheidend für viele alleinstehende Mütter ist eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Voraussetzungen dafür schafft die Bundesregierung gemeinsam mit den Kommunen durch den Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige und die Ganztagsschulbetreuung. Auch die Unterstützung und Förderung Alleinerziehender bei der Jobsuche ist ein zentrales Anliegen der Bundesregierung. Gerade weil die Arbeitszeiten eine so wichtige Rolle für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielen, hat das Bundesfamilienministerium gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden und dem Deutschen Gewerkschaftsbund die Initiative "Familienbewusste Arbeitszeiten" ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, Arbeitgeber zu motivieren und dabei zu unterstützen, mehr flexible und familienbewusste Arbeitszeitmodelle anzubieten.

Aber auch ganz direkt finanziell unterstützt die Bundesregierung Alleinerziehende, zum Beispiel durch den Steuerentlastungsbetrag oder das Kindergeld. Der Entlastungsbetrag wurde seit seiner Einführung 2004 nicht verändert - im Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien deshalb festgeschrieben, den Betrag zu erhöhen und nach der Anzahl der Kinder zu staffeln. Der entsprechende Gesetzesentwurf befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren. Vorgesehen ist eine rückwirkende Erhöhung zum 1. Januar 2015 um 300 Euro auf dann 1608 Euro. Zum 1. Januar 2016 soll der Entlastungsbetrag um weitere 300 Euro erhöht werden.