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Do 05.06.2014

Gleichstellung und Integration

16 Millionen Menschen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund,– knapp 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das Zusammenleben mit ihnen hat Deutschland kulturell, wirtschaftlich und politisch geprägt. Um die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen anzunehmen, braucht es eine zukunftsweisende und nachhaltige Integrationspolitik.

Die Hälfte der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund sind Frauen. Die Bundesregierung will dazu beitragen, ihre Potenziale zu stärken, sie in ihren vielfältigen Lebensentwürfen wahrzunehmen und ihre gesellschaftliche und politische Teilhabe zu unterstützen.

Integrationsgipfel

2006 wurde der erste Integrationsgipfel von Bundeskanzlerin Merkel initiiert. Ein Jahr später folgte die Verabschiedung des Nationalen Integrationsplans. Zentraler Bestandteil: Frauen sollen besondere Aufmerksamkeit erhalten. Denn für eine gelungene Integration ist es unabdingbar, die Rolle von Frauen und Mädchen, ihre Probleme und spezifischen Bedürfnisse, aber auch ihre Fähigkeiten und Potentiale zu berücksichtigen.

Nationaler Aktionsplan Integration

Der Nationale Aktionsplan wurde von Dezember 2010 an in elf Dialogforen erarbeitet. Bund und Länder haben unter anderem erstmals gemeinsame Ziele vereinbart. Dazu gehören:

  • die Potentiale von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu erkennen und die individuelle Förderung zu verstärken,
  • die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen zu verbessern und
  • den Anteil von Migranten im öffentlichen Dienst von Bund und Ländern zu erhöhen.

Auf dem 5. Integrationsgipfel im Januar 2012 wurde der Nationale Aktionsplan Integration vorgestellt. Danach wurde der Nationale Integrationsplan weiterentwickelt, seine etwa 400 Selbstverpflichtungen sind bis heute fast vollständig umgesetzt worden.

Der Nationale Aktionsplan Integration greift mit "Migranten im öffentlichen Dienst" und "Gesundheit und Pflege" außerdem neue Themen auf. Einen besonderen Schwerpunkt legt der Plan auf Strukturveränderungen, um dauerhafte Grundlagen für Integration zu schaffen. Bei der Erarbeitung des Nationalen Aktionsplans Integration wurde das Thema Geschlechtergerechtigkeit als Querschnittsthema bearbeitet.

Am 28. Mai 2013 fand der 6. Integrationsgipfel statt. Bundeskanzlerin Merkel erklärte, dass Deutschland ein Integrationsland sein möchte und die Integrationspolitik auf dem Dialogprinzip gründe: "Nur im Gespräch miteinander können wir stärker werden". Der Gipfel zog eine Zwischenbilanz des Nationalen Aktionsplans Integration, identifizierte Schwachpunkte und Fortschritte. Im Mittelpunkt standen die Themen Arbeit, Arbeitsmarkt, Qualifizierung und Sprache. Zudem soll in Deutschland eine echte Willkommens- und Anerkennungskultur etabliert werden. Für Dezember 2014 ist ein weiterer Gipfel zum Thema Ausbildung geplant.

Studien zu Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund

Um die Datenlage zu Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund zu verbessern, hat das Bundesfamilienministerium die Studie "Milieus der Menschen mit Migrationshintergrund" und eine Sonderauswertung des Mikrozensus "Der Mikrozensus im Schnittpunkt von Migration und Geschlecht" in Auftrag gegeben und veröffentlicht.

In der Broschüre "Die Rolle annehmen? In der Rolle bleiben? Neue Rollen leben?" werden Einstellungen und Vorstellungen von Frauen und Männern mit und ohne Zuwanderungsgeschichte zur Gleichberechtigung dargestellt. Darüber hinaus hat das Bundesfamilienministeriums Studien zu Migrantinnenorganisationen in Deutschland und zu Zwangsverheiratungen durchführen lassen.

Förderung von Migrantinnen-Organisationen

Selbstorganisationen von Migrantinnen leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration. Das Bundesfamilienministerium hat im November 2011 und März 2013 bundesweite Kongresse unter dem Motto "Zusammen erreichen wir mehr!" mit bis zu 300 engagierten Migrantinnen und ihren Selbstorganisationen durchgeführt. Dem Wunsch der Teilnehmerinnen entsprechend wurde in der Folge ein Projekt für die bundesweite Vernetzung der Migrantinnenorganisationen ins Leben gerufen. Das Projekt startete im Oktober 2013 und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für drei Jahre finanziert.

Zwangsverheiratung

Zwangsverheiratungen stellen schwere Menschenrechtsverletzungen dar, die in Deutschland insbesondere junge Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund treffen können. Zwangsverheiratung verletzt die menschliche Würde der Betroffenen, ihre persönliche Freiheit und eine selbstbestimmte Lebensführung ebenso wie den Grundsatz der Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Das Bundesfamilienministerium hat daher mehrere Forschungsprojekte unterstützt, eine Handreichung für die Kinder- und Jugendhilfe erarbeitet und das Modellprojekt einer interkulturellen Online-Beratung bei Zwangsverheiratung und häuslicher Gewalt gefördert.