Gleichstellung und Integration

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Do 01.11.2012

Gleichstellung und Integration

16 Millionen Menschen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Das sind knapp 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das Zusammenleben mit ihnen hat Deutschland kulturell, wirtschaftlich und politisch geprägt. Um die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen anzunehmen, braucht es eine zukunftsweisende und nachhaltige Integrationspolitik.

Die Hälfte der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund sind Frauen. Es ist wichtig, deren Potenziale zu stärken, sie  in ihren vielfältigen Lebensentwürfen wahrzunehmen und ihre gesellschaftliche und politische Teilhabe zu unterstützen.

Integrationsgipfel

2006 wurde der Integrationsgipfel von Bundeskanzlerin Merkel initiiert. Ein Jahr später folgte die Verabschiedung des Nationalen Integrationsplans. Im Rahmen des Prozesses soll Frauen eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Berücksichtigung der Rolle von Frauen und Mädchen, ihrer besonderen Probleme und spezifischen Bedürfnisse ist für gelingende Integration notwendig.

Das Bundesfamilienministerium hat bei der Erarbeitung des Nationalen Integrationsplans in Kooperation mit dem Bundesministerium der Justiz federführend die Arbeitsgruppe 4: "Lebenssituation von Frauen und Mädchen verbessern, Gleichberechtigung verwirklichen" geleitet. Im Nationalen Integrationsplan wurden in der Folge eine Reihe von Projekten des Bundesfamilienministeriums aufgenommen.

Nationaler Aktionsplan Integration

Auf dem 5. Integrationsgipfel am 31. Januar 2012 wurde der Nationale Aktionsplan Integration vorgestellt. Mit diesem wurde der Nationale Integrationsplan weiterentwickelt, dessen etwa 400 Selbstverpflichtungen bis heute fast vollständig umgesetzt worden sind.

Der Nationale Aktionsplan wurde ab Dezember 2010 in elf Dialogforen erarbeitet. Bund und Länder haben im Rahmen der Erarbeitung erstmals gemeinsame Ziele vereinbart. Dazu gehören unter anderem:

  • die individuelle Förderung zu verstärken sowie die Potentiale von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu erkennen
  • die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen zu verbessern und
  • den Anteil von Migranten im öffentlichen Dienst von Bund und Ländern zu erhöhen.

Der Nationale Aktionsplan Integration greift mit "Migranten im öffentlichen Dienst" und "Gesundheit und Pflege" außerdem neue Themengebiete auf. Er legt zudem einen besonderen Schwerpunkt auf Maßnahmen zur Strukturveränderung, um dauerhafte Grundlagen für Integration zu schaffen.

Bei der Erarbeitung des Nationalen Aktionsplans Integration wurde das Thema Geschlechtergerechtigkeit in jedem Themenfeld als Querschnittsthema bearbeitet.

Studien zu Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund

Im Rahmen des Integrationsgipfelprozesses hat es sich als wichtig herausgestellt, die Datenlage zu Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Das Bundesfamilienministerium hat deshalb die Studie "Die Milieus der Menschen mit Migrationshintergrund" und eine Sonderauswertung des Mikrozensus "Der Mikrozensus im Schnittpunkt von Migration und Geschlecht" in Auftrag gegeben und veröffentlicht.

In der Broschüre "Die Rolle annehmen? In der Rolle bleiben? Neue Rollen leben?" werden Einstellungen und Vorstellungen von Frauen und Männern mit und ohne Zuwanderungsgeschichte zur Gleichberechtigung dargestellt. Darüber hinaus wurden im Auftrag des Bundesfamilienministeriums Studien zu Migrantinnenorganisationen in Deutschland sowie zu Zwangsverheiratungen durchgeführt.

Förderung von Migrantinnen-Organisationen

Selbstorganisationen von Migrantinnen leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration. Im November 2011 hat das Bundesfamilienministerium den Kongress "Zusammen erreichen wir mehr - Vielfalt leben - Chancengleichheit fördern - Vereine gründen" mit 300 Migrantinnen und ihren Selbstorganisationen durchgeführt. Eine zweite Tagung mit dem Schwerpunktthema Arbeitsmarkt ist für März 2013 geplant. Darüber hinaus werden weitere Unterstützungsmöglichkeiten für Migrantinnen-Organisationen erarbeitet.

Zwangsverheiratung

Zwangsverheiratungen stellen schwere Menschenrechtsverletzungen dar, die in Deutschland gerade junge Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund treffen können. Sie beeinträchtigen die menschliche Würde der Betroffenen, ihre persönliche Freiheit und eine selbstbestimmte Lebensführung ebenso wie den Grundsatz der Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Das Bundesfamilienministerium hat daher sowohl verschiedene Forschungsprojekte unterstützt, eine Handreichung für die Kinder- und Jugendhilfe erarbeitet und ein Modellprojekt einer interkulturellen Online-Beratung bei Zwangsverheiratung und häuslicher Gewalt gefördert.