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Di 19.01.2016

Vormundschaft

Ein Vormund wird durch das Familiengericht bestellt und vertritt die minderjährigen Flüchtlinge in allen rechtlichen Angelegenheiten. Die gesetzliche Vertretung umfasst die Personen- und Vermögenssorge und alle ausländer- und bleiberechtlichen Angelegenheiten.

Junge Menschen individueller betreuen

Obwohl das Gesetz den Vorrang der Einzelvormundschaft vorschreibt, stellen derzeit in der Praxis die Jugendämter den rechtlichen Vertreter für die minderjährigen Flüchtlinge. Die sogenannten Amtsvormünder vertreten zum Teil bis zu 50 Minderjährige.

Einzelvormünder können sich intensiver um die jungen Menschen kümmern und sie individueller betreuen. Sie werden durch die Jugendämter oder zuständigen freien Träger auf ihre Arbeit vorbereitet und geschult. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt diesen Prozess durch die Förderung eines Projektes zur Gewinnung von Gastfamilien, Vormundschaften und Patenschaften, in dem in zehn Modellregionen in ganz Deutschland Schulungskonzepte entwickelt und erprobt werden.

 

Welche Aufgaben kommen auf ein Einzelvormund zu?

Ein Vormund ist der rechtliche Vertreter eines unbegleiteten Minderjährigen. In der Regel stellt das Jugendamt diesen, dann spricht man von "Amtsvormund". Rechtlich ergeben sich die Aufgaben eines Vormundes aus der Wahrnehmung der elterlichen Sorge, § 1626 BGB (Personensorge, gesetzliche Vertretung und Vermögenssorge). Die gesetzlichen Grundlagen für Vormundschaften werden geregelt durch die §§ 1773-1895 BGB.

Minderjährige, die ohne Eltern oder Angehörige nach Deutschland einreisen, erhalten nach ihrer Ankunft einen Amtsvormund, damit sie überhaupt handlungsfähig sein können. Ein Amtsvormund kann allerdings bis zu 50 sogenannte "Mündel" gleichzeitig haben.

Als Einzelvormund, als welcher Sie sich beim Jugendamt bewerben können, vertreten Sie in der Regel nur einen unbegleiteten Minderjährigen, zu dem Sie eine vertrauensvolle Beziehung entwickeln und für den Sie sich einsetzen würden. Die mitunter über Jahre bestehende Beziehung des Einzelvormunds zu seinem sogenannten "Mündel" kann die Entwicklung eines Kindes oder Jugendlichen stark positiv beeinflussen.

Ein weites Spektrum an Aufgaben

Mit der Übernahme einer ehrenamtlichen Vormundschaft, die durch das Jugendamt vorgeschlagen und vom Familiengericht bestellt und eingesetzt wird, ist ein weites Spektrum an Aufgaben verbunden:

Sie entscheiden unter größtmöglicher Beteiligung des jungen Menschen zum Beispiel, auf welche Schule er geht, unterschreiben gegebenenfalls einen Ausbildungsvertrag, oder entscheiden, ob er bei einer Gastfamilie einzieht.

Als Vormund unterliegen Sie hinsichtlich der Ausübung Ihrer Tätigkeit der familiengerichtlichen Kontrolle und einer Reihe von gesetzlichen Beschränkungen. Zudem sind Sie verpflichtet, jederzeit und auf Anforderung durch das Familiengericht Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des Mündels zu erteilen und im jährlichen Abstand über die persönlichen Verhältnisse schriftlich zu berichten.

Sich für die Belange eines jungen Flüchtlings zu öffnen, ist eine ganz besondere Aufgabe. Sie bietet die Möglichkeit, ein Kind oder einen Jugendlichen unmittelbar zu unterstützen und ihm im Alltag neue, bereichernde Erfahrungen zu ermöglichen. Unterstützung kann bedeuten:

  • dem jungen Flüchtling bei der schulischen Integration und Berufsfindung beratend zur Seite zu stehen,
  • dem jungen Menschen Unterstützung im Asylverfahren zu geben,
  • sich um die altersmäßig angemessene Unterbringung und eine ausreichende medizinische und gegebenenfalls therapeutische Versorgung zu kümmern.