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Fr 29.04.2016

Engagement stärken

Über 31 Millionen Bürgerinnen und Bürger engagieren sich in unserer Gesellschaft auf vielfältige Art. Ob in der Schule, in der Kindertageseinrichtung und in Elterninitiativen, im Sport- , Kultur- und Musikverein, in der Arbeit mit Jugendlichen wie Senioren, in Hospizen oder Pflegeheimen, in Migrantinnen- und Migrantenselbstorganisationen, in Bürgervereinen, Stadtteilinitiativen oder in der Lokalen Agenda, in Umweltprojekten, bei der Feuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz bis hin zu Kirchengemeinderäten, Gewerkschaften oder Parteien – bürgerschaftliches Engagement hat viele Gesichter.

Bürgerschaftliches Engagement kann nicht verordnet werden, es basiert auf der freiwilligen Initiative von Bürgerinnen und Bürgern. Bürgerschaftliches Engagement soll und kann staatliche Daseinsvorsorge und den Sozialstaat nicht ersetzen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat als "Engagementministerium" die Aufgabe, mit den richtigen Rahmenbedingungen bürgerschaftliches Engagement zu unterstützen, nachhaltig zu fördern und eine Kultur der Anerkennung zu schaffen.

Engagement fördern

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend setzt verstärkt auf Dialogprozesse mit der Zivilgesellschaft:

  • Mit dem Programm "Demokratie leben!" werden die Lokalen Aktionspläne und landesweiten Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus unterstützt. Darüber hinaus werden Projekte nachhaltig gestärkt, die sich gegen jegliche Formen von vorurteilsbasierter, politischer und weltanschaulich motivierter Gewalt wenden.
  • Die bundesweit 450 Mehrgenerationenhäuser sind ein zentraler Dreh- und Angelpunkt für freiwilliges Engagement in den Kommunen. Mit dem Entwurf des Bundeshaushaltes für 2015 hat das Bundeskabinett den ersten Schritt zur nachhaltigen Sicherung der Mehrgenerationenhäuser gemacht.
  • Die trisektorale Zusammenarbeit, das heißt die Kooperation zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft wird ausgebaut, um gemeinsam die Strukturen der Engagementförderung zu verstetigen: Mit dem Netzwerkprogramm "Engagierte Stadt" ruft das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemeinsam mit fünf großen Stiftungen und einem Unternehmen in Deutschland eine Initiative zur Stärkung der strategischen Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements in den Kommunen und Gemeinden ins Leben.
  • Mit dem vom Bundesfamilienministerium ins Leben gerufenen Programm "Willkommen bei Freunden" sollen Kommunen bei der Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher unterstützt werden. Sechs regionale Servicebüros der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung bieten seit Juli 2015 Beratungen und Qualifizierungen für Mitarbeiter kommunaler Einrichtungen an und helfen bei der Etablierung lokaler Bündnisse aus Behörden, Vereinen sowie Bildungs- und Flüchtlingseinrichtungen vor Ort.

Engagement anerkennen

Wer freiwillig Zeit und Einsatz einbringt, um Gutes zu tun, verdient Anerkennung und Dank. In diesem Sinne will das Bundesfamilienministerium die Vielfalt von bürgerschaftlichem Engagement besser sichtbar machen und die Anerkennungskultur kontinuierlich weiterentwickeln:

  • Das Bundesfamilienministerium fördert die Woche des Bürgerschaftlichen Engagements, die jährlich vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) veranstaltetet wird. Die Aktionswoche stellt Menschen in den Mittelpunkt, die sich freiwillig für einen guten Zweck einsetzen. Innovative Projekte werden vorgestellt und gewürdigt.
  • Mit dem Deutschen Engagementpreis zeichnet das Bundesfamilienministerium einmal im Jahr am 5. Dezember, dem Tag des Ehrenamts, gemeinsam mit seinen Partnern den vorbildlichen freiwilligen Einsatz von Einzelpersonen, Initiativen und Organisationen für das Gemeinwohl aus. Um die Vielfalt des Engagements in Deutschland noch besser zu zeigen, wurde der Preis 2015 neu konzipiert: Preisträgerinnen und -träger regionaler und überregionaler Engagement- und Bürgerpreise sind ab sofort automatisch für den Deutschen Engagementpreis nominiert. Das Wettbewerbsjahr 2016 des Deutschen Engagementpreises hat begonnen. Alle Ausrichter von Bürger- und Engagementpreisen erhalten eine Einladung, ihre Preisträgerinnen und Preisträger ins Rennen zu schicken. Eine Expertenjury bestimmt im September die Gewinnerinnen und Gewinner der fünf Kategorien.

Freiwilligendienste ausbauen

Freiwilligendienste sind eine besondere Form des bürgerschaftlichen Engagements: Sie dauern grundsätzlich ein Jahr und geben Zeit für Bildung und Orientierung. Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) und der Internationale Jugendfreiwilligendienst (IJFD) sind ein Angebot für unter 27-Jährige, der Bundesfreiwilligendienst (BFD) steht allen Altersgruppen offen. Etwa 100.000 Menschen in den verschiedenen Freiwilligendiensten, darunter eine noch vor drei Jahren ungeahnt große Zahl Lebensälterer, beweisen täglich ihre hohe Bereitschaft, sich zu engagieren. Ursprung dieser erfolgreichen Entwicklung ist das Gesetz zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ-Gesetz), das seit 50 Jahren die gesetzliche Grundlage für ein Freiwilliges Soziales Jahr darstellt.

Der Ansturm auf die Freiwilligendienste ist ungebremst. Gerade die historisch gewachsene Pluralität der Freiwilligendienstformate ermöglicht es einer Vielzahl von Interessierten, einen Freiwilligendienstplatz zu finden, der zu ihren jeweils eigenen Neigungen, Fähigkeiten und Lebenssituationen optimal passt. Dieser Erfolg stellt sich nicht von allein ein, er setzt voraus, dass das Bundesfamilienministerium permanent daran arbeitet, die finanzielle und organisatorische Planungssicherheit für die Zentralstellen und Träger der unterschiedlichen Freiwilligendienstformate zu optimieren.

Zudem ist es wichtig, dass die Freiwilligendienste aktuelle Herausforderungen aufgreifen, zum Beispiel im Bereich neuer Medien: Zur Vermittlung und Weitergabe von Medienkompetenz wird das Modellvorhaben "FSJ-digital" ins Leben gerufen.

Engagement-Forschung

Eine nachhaltige Förderung freiwilligen Engagements braucht eine solide wissenschaftliche Datengrundlage. Die Bundesregierung ist aufgrund des Bundestags-Beschlusses vom 19. März 2009 verpflichtet, in jeder Legislaturperiode einen wissenschaftlichen Bericht zur Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements und dem Stand der Engagementpolitik mit Stellungnahme der Bundesregierung vorzulegen.

  • Am 28. Juni 2013 wurde eine Sachverständigenkommission mit der Erstellung des Zweiten Engagementberichts für die 18. Legislaturperiode mit dem Schwerpunkt "Demografischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement: Der Beitrag des Engagements zur lokalen Entwicklung" beauftragt. Die Kommission wird Handlungsempfehlungen für Politik und Akteure der Zivilgesellschaft aus dem Bericht ableiten.
  • Mit dem Instrument des Freiwilligensurveys nimmt das Bundesfamilienministerium im fünfjährigen Rhythmus eine Dauerbeobachtung zu Umfang und Ausprägungen des freiwilligen Engagements vor. Der Freiwilligensurvey ist ein öffentliches Informationssystem, das umfassende und detaillierte bundes- und landesweite Informationen zum Engagement der deutschen Wohnbevölkerung zur Verfügung stellt.